Stereotypien (Koppen, Weben, Manegebewegungen ect.)
Wie ein roter Faden zieht sich die Faszination Pferd durch die Geschichte der Menschheit bis heute.
Immer mehr Pferdefreunde versuchen, dem Wesen des Pferdes näher zu kommen, seine Bedürfnisse zu erkennen und ihm ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.
Bei dem Verhalten des Pferdes spielen instinktgeleitete Reaktionen und Verhaltensmuster ebenso eine große Rolle, wie die Persönlichkeit des Tieres.
Jeder, der mit Pferden umgeht und sie wirklich verstehen will, sollte diese Zusammenhänge kennen.
Die Bewegungslust ist bei kaum einem Tier so ausgeprägt und dominant wie beim Pferd.
Man nimmt dem Pferd einen Teil seines Lebens, wenn man ihm seine Bewegungsmöglichkeit einschränkt. Die wohlversorgten, gehätschelten, teuren und liebevoll gepflegten Reitpferde, die 23 Stunden täglich im Stall stehen, um dann einknappes Stündchen longiert oder geritten zu werden, sind arme Kreaturen.
Sein Pferd zu schonen heißt bei vielen Leuten, das Pferd in der Box stehen zu lassen. Eine solche Schonung hat häufig einen seelischen Knacks zur Folge. Die schönste Box im luxuriösten Stall ist eine kleine Zelle, die in vielen Fällen die Pferde psychisch überfordert.
Beim Pferd treten ähnlich wie beim Menschen ab und zu psychische Fehlsteuerungen auf, d.h. der Regulationsmechanismus der Polarität funktioniert nicht oder ist aus dem Ruder geraten. Schuld daran sind meist falsche und konfliktbeladene Haltungsbedingungen oder grobe Behandlungsmethoden.
Auslöser ist also der Mensch, der die Psyche des Pferdes so sehr irritiert, dass unphysiologische Reaktionen eintreten, der Reaktionsmechanismus abgeschaltet wird und die Rückkopplung versagt.
Pferdehaltung setzt deshalb einen harmonischen Umgang mit Pferden voraus. Die Psyche, die in hohem Maße auch von der Qualität der Pferdehaltung beeinflusst wird, ist hierbei ein maßgeblicher Indikator für die Qualität der Haltung.
Je stabiler das Verhältnis zwischen Pferd und Besitzer ist, desto geringer ist die Gefahr einer möglichen Fehlreaktion.
Das Pferd welches neben einer angeborenen außerordentlichen Aktivität zugleich eine ungewöhnliche Sensibilität besitz, kann seine Psyche und seine anatomischen und physiologischen Eigenschaften ganz in die Sportkameradschaft einbringen.
Geht bei der Anforderung zu viel Kraft verloren, werden Belastungen zur Überbelastung und damit zur Stressfaktor, dann ist die Harmonie gestört und macht der Disharmonie platz.
Die Verhaltensprobleme des Pferdes lassen sich in zwei qualitativ vollkommen verschiedene Kategorien einteilen.
Die eigentlichen Verhaltensstörungen und die sog. Unerwünschten Verhaltensweisen.
Als eigentliche Verhaltensstörungen werden solche Verhaltensmuster bezeichnet, die vom Normalverhalten des Pferdes abweichen. Unter Umständen gehen diese mit Veränderungen neurophysiologischer Systeme einher, sind aber nicht Symptome einer Primärerkrankung wie etwa Infektionen des
ZNS (zentrales Nervensystem)
Demgegenüber stellen unerwünschte Verhaltensweisen einen normalen Bestandteil des pferdespezifischen Verhaltensrepertoires dar, beeinträchtigen aber die Nutzung des Tieres durch den Menschen (Tendenz zu kopfloser Flucht, dominanzbedingte Aggressionen usw.)
Ursachen und Auslöser
Koppen, Weben, Manegebewegungen, Krippenbeißen/ Zahnwetzen
können unabhängig von der gegenwärtigen Haltung vergangene Ereignisse reflektieren. Auch nach Beseitigung der eigentlichen Ursache kann das von der Norm abweichende Verhalten andauern und von eher unspezifischen Ereignissen ausgelöst werden.
Man bezeichnet eine solche Verhaltensstörung daher auch als ,,residual-reaktiv“.
Von der eigentlichen Ursache müssen daher die aktuellen Auslöser unterschieden werden. In vielen Fällen lassen sich einschneidende Ereignisse im leben eines Pferdes mit dem Entstehen einer
Stereotypie in Verbindung bringen.
Im Vordergrund stehen hier das
· Absetzen von der Mutterstute
· abrupter Trainingsbeginn
· Überforderung im Training
· krasse Haltungsbedingungen / oder Veränderungen
· krankheitsbedingte Isolation
· krankheitsbedingte Boxenruhe (Langeweile)
können nicht selten als Ursache für das erstmalige Auftreten einer stereotypen Verhaltenstörung identifiziert werden.
In einer solchen Belastungssituation auftretende Übersprung- oder Leerlaufhandlungen können unter Umständen als stereotype Verhaltensstörungen peristieren, welche später auch von eher unspezifischen Erregungszuständen ausgelöst werden können.
Besonders bei länger bestehenden Stereotypien kann häufig allerdings kein bestimmter Auslöser mehr identifiziert werden. Vielmehr führen solche Pferde stundenlang stereotype Bewegungen scheinbar ohne äußeren Anlass aus.
Prädisponierende Faktoren
Da bei weitem nicht alle Pferde auf oben dargestellte Belastungssituationen mit der Entwicklung stereotyper Verhaltensweisen reagiert, stellt sich die Frage nach prädisponierenden Faktoren.
Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass in diesem Zusammenhang sowohl den allgemeinen Haltungsbedingungen als auch genetischen Einflüssen eine besondere Bedeutung zukommt.
Dies bedeutet aber nicht, dass Stereotypien klassische Erbkrankheiten sind.
Vielmehr muss man davon ausgehen, das betroffene Pferde auf oben geschilderte Belastungssituationen empfindlicher reagieren. Vererbt wird also lediglich die Prädisposition, diese Verhaltensstörungen unter bestimmten Bedingungen zu entwickeln.