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Pferdeverhalten

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Alt 16.11.2004, 16:04   Die Psyche (Koppen, Weben ect.) Beitrag #1
Biggi
Gast
 
Die Psyche (Koppen, Weben ect.)

Die Psyche des Pferdes

Auch bei Pferden treten ähnlich wie bei uns Menschen ab und zu psychische Fehlsteuerungen auf. Man könnte auch sagen der Regulationsmechanismus ist aus der Spur geraten.
Konfliktbeladene Haltungsbedingungen und nicht sachgemäße Behandlungsmethoden sind oft die Auslöser.

Wir Menschen sind leider meist für die Irritation der Pferdepsyche verantwortlich.

Bei Pferdehaltung muss immer ein harmonischer Umgang mit dem Pferd gewährleistet sein. Die Qualität der Pferdehaltung beeinflusst in hohem Maße die Psyche, je perfekter die Lebensqualität des Pferdes ist, desto besser in das Verhältnis zwischen Besitzer und Pferd.
Die Psyche ist stabil und die Gefahr einer möglichen Fehlsteuerung ist relativ gering.
Das Körperliche und das Seelische sind eng miteinander verbunden. Die Verflechtung zwischen hervorragendem seelischen Wahrnehmungsvermögen und unverstandenen, sträflichen Erziehungsmethoden ruft automatisch psychische Störungen hervor und somit wird die ganze Ausbildung in Frage gestellt.
Wie oft wird gerade bei jungen Pferden erziehungstechnisch soviel falsch gemacht, dass sie ihr veranlagtes Potential nie zum Ausdruck bringen können.
Es gibt Pferde die ein angeborenes Angstgefühl besitzen, die Mehrheit jedoch besitzt ein erworbenes, dass oft unbewusst von uns gesteuert wird.
Die Verantwortung dem Tier gegenüber beinhaltet auch das Eingehen auf die Psyche des Pferdes.
Tiere, die den ganzen Tag über im Stall stehen, womöglich ohne einen Artgenossen zu sehen, müssen auf Dauer seelischen Schaden nehmen. Die Auswirkungen zeigen sich dann in Unarten wie Koppen, Weben, gegen die Wand treten, Schlagen, Beißen usw. Man sollte möglichst kein Pferd alleine halten, so viel man sich auch darum kümmern mag, so kann doch keine Besitzer einen Artgenossen ersetzen.


Bei Pferden die zu mehreren auf die Weide sollen, ist darauf zu achten, dass keine ungleiche Anzahl Pferde vorhanden ist, sonst würde zwangsläufig einer zum Außenseiter werden. Bei größeren Herden sollte früh genug damit angefangen werden die Pferde aneinander zu gewöhnen, da sich Pferde auch unsympathisch sein können und dies oft massiv zum Ausdruck bringen. Das Wohlergehen des Pferdes ist die Grundvoraussetzung für ein intaktes Immunsystem, dies wiederum ist die Basis für die Gesundheit.
Ein widerstandsfähiger Organismus ist immer in der Lage, äußeren Einflüssen zu trotzen.
Vielfach liegt der Ursprung von manchen Erkrankungen in der seelisch- geistigen Ebene.


Der Grundstein für die Belastung der Psyche, wird oft genug schon durch züchterische Manipulation gelegt.
Sehr oft sind körperliche Erkrankungen (Magen- Darmprobleme, Muskelverspannungen, Nervosität, Hautallergien) Ausdruck von seelischen Störungen.
Das Pferd äußert Disharmonien seinem Charakter entsprechend, entweder mit Rückzug in sich selbst oder mit Aggression seiner Umgebung (Besitzer) gegenüber.

Fälschlich wird dies oft mit Boshaftigkeit des Tieres deklariert.

Dabei sind es oft ganz andere Gründe warum ein Pferd so reagiert (Trennung vom Artgenossen oder Besitzer, Totgeburt des Fohlens, ein Trauma durch Gewalteinwirkung oder Unfall ect.)
Manche Pferde weigern sich, in den Hänger zu gehen.
Ängstlichkeit spielt dabei eine große Rolle, wisst Ihr wie das Pferd beim Vorbesitzer verladen und gefahren wurde?
Es hat vielleicht einen Grund sich zu weigern.

Man sollte sich immer die Mühe machen, herauszufinden ob es sich hierbei um Sturheit oder verständliche Ängstlichkeit handelt.



Beispiele für Pferdeverhalten

Die Domestikation hat die Pferde in Umweltbedingungen gebracht, die teilweise meilenweit von der ursprünglichen Lebensweise entfernt sind. Wenn man z.B. mit einem Pferd durch einen Wald reitet, wird es vorsichtig sein. Es wird mit Gesichtssinn, dem Gehör und dem Geruchssinn die Umgebung ergründen und evtl. mit lautem Schnauben das Echolot zur noch besseren Erfassung der Situation hinzunehmen.

Ein solches Pferd ängstlich zu nennen zeigt, dass der Reiter keine Ahnung von den Wahrnehmungsmöglichkeiten und der Psyche seines Pferdes hat. Es ist lediglich vorsichtig bei der Ergründung der unübersichtlichen Situation. Wenn das Pferd zu seinem Reiter Vertrauen hat, werden die Urinstinkte zwar nicht aufgehoben, aber das Vertrauen ihm gegenüber veranlasst das Pferd weiter zu gehen und sich der Sicherheit hinzugeben, dass sie schon wissen was sie tun.

Abartige Eigenschaften wie z.B. Futterneid, sind keine Verhaltensweisen der Steppe, sondern Folgen der Stallhaltung, einer zusammengewürfelten Pferdegemeinschaft sowie Fütterungspraktiken. Pferde die die meiste Zeit in der Box stehen und nur wenig Ansprache oder Auslauf erhalten, bekommen manchmal einen Boxenkoller.

Solche Pferde werden früher oder später apathisch oder hysterisch.
Sie zeigen Charaktereigenschaften die abnorm sind und mit dem Wesen des Pferdes nichts mehr zu tun haben.


Es ist kein Eingeständnis von fachlicher Inkompetenz, wenn man sich gegenüber offen ist, und merkt, dass man alleine nicht weiterkommt.
Falsch wäre nur,
die Einsicht nicht zu nutzen, sich fachgerechte Hilfe zu holen und vielleicht aus Eitelkeit, Fehler machen, die später kaum oder gar nicht rückführig zu machen sind.

Es ist ein Zeichen von Stärke, wenn man als Besitzer auch einsieht, dass man Hilfe von außen annehmen kann, damit auch der guten und verständlichen Beziehung Mensch-Pferd nichts mehr im Wege steht.

Geändert von Biggi (16.11.2004 um 16:19 Uhr)
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Alt 17.11.2004, 07:04   Die Psyche (Koppen, Weben ect.) Beitrag #2
Biggi
Gast
 
Stereotypien (Koppen, Weben, Manegebewegungen ect.)

Wie ein roter Faden zieht sich die Faszination Pferd durch die Geschichte der Menschheit bis heute.
Immer mehr Pferdefreunde versuchen, dem Wesen des Pferdes näher zu kommen, seine Bedürfnisse zu erkennen und ihm ein artgerechtes Leben zu ermöglichen.
Bei dem Verhalten des Pferdes spielen instinktgeleitete Reaktionen und Verhaltensmuster ebenso eine große Rolle, wie die Persönlichkeit des Tieres.
Jeder, der mit Pferden umgeht und sie wirklich verstehen will, sollte diese Zusammenhänge kennen.


Die Bewegungslust ist bei kaum einem Tier so ausgeprägt und dominant wie beim Pferd.
Man nimmt dem Pferd einen Teil seines Lebens, wenn man ihm seine Bewegungsmöglichkeit einschränkt. Die wohlversorgten, gehätschelten, teuren und liebevoll gepflegten Reitpferde, die 23 Stunden täglich im Stall stehen, um dann einknappes Stündchen longiert oder geritten zu werden, sind arme Kreaturen.


Sein Pferd zu schonen heißt bei vielen Leuten, das Pferd in der Box stehen zu lassen. Eine solche Schonung hat häufig einen seelischen Knacks zur Folge. Die schönste Box im luxuriösten Stall ist eine kleine Zelle, die in vielen Fällen die Pferde psychisch überfordert.
Beim Pferd treten ähnlich wie beim Menschen ab und zu psychische Fehlsteuerungen auf, d.h. der Regulationsmechanismus der Polarität funktioniert nicht oder ist aus dem Ruder geraten. Schuld daran sind meist falsche und konfliktbeladene Haltungsbedingungen oder grobe Behandlungsmethoden.


Auslöser ist also der Mensch, der die Psyche des Pferdes so sehr irritiert, dass unphysiologische Reaktionen eintreten, der Reaktionsmechanismus abgeschaltet wird und die Rückkopplung versagt.
Pferdehaltung setzt deshalb einen harmonischen Umgang mit Pferden voraus. Die Psyche, die in hohem Maße auch von der Qualität der Pferdehaltung beeinflusst wird, ist hierbei ein maßgeblicher Indikator für die Qualität der Haltung.

Je stabiler das Verhältnis zwischen Pferd und Besitzer ist, desto geringer ist die Gefahr einer möglichen Fehlreaktion.
Das Pferd welches neben einer angeborenen außerordentlichen Aktivität zugleich eine ungewöhnliche Sensibilität besitz, kann seine Psyche und seine anatomischen und physiologischen Eigenschaften ganz in die Sportkameradschaft einbringen.
Geht bei der Anforderung zu viel Kraft verloren, werden Belastungen zur Überbelastung und damit zur Stressfaktor, dann ist die Harmonie gestört und macht der Disharmonie platz.


Die Verhaltensprobleme des Pferdes lassen sich in zwei qualitativ vollkommen verschiedene Kategorien einteilen.
Die eigentlichen Verhaltensstörungen und die sog. Unerwünschten Verhaltensweisen.
Als eigentliche Verhaltensstörungen werden solche Verhaltensmuster bezeichnet, die vom Normalverhalten des Pferdes abweichen. Unter Umständen gehen diese mit Veränderungen neurophysiologischer Systeme einher, sind aber nicht Symptome einer Primärerkrankung wie etwa Infektionen des ZNS (zentrales Nervensystem)

Demgegenüber stellen unerwünschte Verhaltensweisen einen normalen Bestandteil des pferdespezifischen Verhaltensrepertoires dar, beeinträchtigen aber die Nutzung des Tieres durch den Menschen (Tendenz zu kopfloser Flucht, dominanzbedingte Aggressionen usw.)

Ursachen und Auslöser
Koppen, Weben, Manegebewegungen, Krippenbeißen/ Zahnwetzen

können unabhängig von der gegenwärtigen Haltung vergangene Ereignisse reflektieren. Auch nach Beseitigung der eigentlichen Ursache kann das von der Norm abweichende Verhalten andauern und von eher unspezifischen Ereignissen ausgelöst werden.
Man bezeichnet eine solche Verhaltensstörung daher auch als ,,residual-reaktiv“.
Von der eigentlichen Ursache müssen daher die aktuellen Auslöser unterschieden werden. In vielen Fällen lassen sich einschneidende Ereignisse im leben eines Pferdes mit dem Entstehen einer Stereotypie in Verbindung bringen.

Im Vordergrund stehen hier das
· Absetzen von der Mutterstute
· abrupter Trainingsbeginn
· Überforderung im Training
· krasse Haltungsbedingungen / oder Veränderungen
· krankheitsbedingte Isolation
· krankheitsbedingte Boxenruhe (Langeweile)


können nicht selten als Ursache für das erstmalige Auftreten einer stereotypen Verhaltenstörung identifiziert werden.
In einer solchen Belastungssituation auftretende Übersprung- oder Leerlaufhandlungen können unter Umständen als stereotype Verhaltensstörungen peristieren, welche später auch von eher unspezifischen Erregungszuständen ausgelöst werden können.
Besonders bei länger bestehenden Stereotypien kann häufig allerdings kein bestimmter Auslöser mehr identifiziert werden. Vielmehr führen solche Pferde stundenlang stereotype Bewegungen scheinbar ohne äußeren Anlass aus.

Prädisponierende Faktoren

Da bei weitem nicht alle Pferde auf oben dargestellte Belastungssituationen mit der Entwicklung stereotyper Verhaltensweisen reagiert, stellt sich die Frage nach prädisponierenden Faktoren.
Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass in diesem Zusammenhang sowohl den allgemeinen Haltungsbedingungen als auch genetischen Einflüssen eine besondere Bedeutung zukommt.
Dies bedeutet aber nicht, dass Stereotypien klassische Erbkrankheiten sind.
Vielmehr muss man davon ausgehen, das betroffene Pferde auf oben geschilderte Belastungssituationen empfindlicher reagieren. Vererbt wird also lediglich die Prädisposition, diese Verhaltensstörungen unter bestimmten Bedingungen zu entwickeln.
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Alt 17.11.2004, 07:07   Die Psyche (Koppen, Weben ect.) Beitrag #3
Biggi
Gast
 
Koppen

Koppen gehört zu der großen Gruppe der Stereotypien die durch sich identisch wiederholende Verhaltensmuster ohne ersichtlichen Funktionszusammenhang gekennzeichnet und relativ häufig sind.
Koppen ist eine Stereotypie, bei der die Pferde durch herabziehen des Kehlkopfes mit der unteren Halsmuskulatur den Schlundkopf öffnen und Luft in die Speiseröhre einströmen lässt.
Dabei wird ein dumpfer, gurgelnder Ton hörbar.
Der Vorgang läuft in mehreren Phasen ab, die Befürchtung der Nachahmung führt zu Schwierigkeiten bei der Einstallung von Koppern in Gemeinschaftsunterkünften von Pferden und kann deshalb eine erhebliche Wertminderung des Tieres bewirken.
Über die Ursache des Koppens besteht keine einheitliche Meinung. In den meisten Fällen entwickelt sich die Verhaltensweise bei jungen Pferden häufig spontan, wenn sie nicht genügend beschäftigt werden. Bekannt ist auch, dass viele Pferde das Koppen durch Nachahmung erlernen.


Man unterscheidet zwei Formen des Koppens :

Das Krippensetzen (Aufsetzen)
Tritt am häufigsten auf.
Dabei wird die labiale Kante der Schneidezähne des Oberkiefers auf den Krippenrand oder andere feste Gegenstände gestellt und der Kopf zur Anspannung der Halsbeuger gegen den Widerstand gedrückt, wobei ein rülpsender Ton hörbar wird.
Durch andauernde Wiederholung dieses Vorganges werden die Zahnkanten schräg abgeschliffen. Nach jahrelangem Koppen können die Oberkieferschneidezähne bis auf Stummel abgewetzt werden (Koppergebiss).
Stets beobachtet man zugleich eine Hypertrophie derunteren Halsmuskulatur.

Beim Freikoppen (Luftkoppen)
Setzen die Pferde das Gebiss nicht auf.
Der Kopperton wird bei Abbeugung des Kopfes gegen die Brust unter eigentümlichen Lippenbewegungen hörbar.
Anschließend richten sie meist den Kopf wieder ruckartig auf.



Weben & Manegebewegungen

Beim Weben wiegen die Pferde den Vorderkörper meist mit gespreizten Vorderbeinen hin und her.
Unter Manegebewegung versteht man eine kreisförmige Bewegung in der Box.
Die Manegebewegung verursacht nicht nur eineständige Unruhe im Stall, sondern kann vor allem auch zu einer Leistungsminderung führen.



Krippenwetzen (Barrenwetzen)

Beim Krippen- oder Barrenwetzen öffnen die Pferde die Lippen und reiben mit den festgeschlossenen Schneidezähnen durch Hin- und Herbewegen des Kopfes auf einer harten Unterlage.
Dabei wird die Labialfläche der Schneidezähne 11 und 12 in der Regel bis zum Zahnfleischrand abgenutzt.
In hochgradigen Fällen ist der Zahn bis auf die Kunde abgeschliffen. Die Unterkieferschneidezähne nehmen meist eine etwas stumpfwinkelige Form an.
Dazu bestehen Wunden, Blutungen und Geschwüre am Zahnfleischrand. Mitunter kann das Erfassen des Futters Schwierigkeiten bereiten.

Therapieansätze
Im Vordergrund jeglichen Therapieansätzen sollte immer der Versuch stehen, die Haltungsbedingungen des Pferdes, möglichst weitgehend an dessen artspezifische Ansprüche insbesondere hinsichtlich Futteraufnahme-, Fortbewegungs- und Sozialverhalten anzupassen.
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Alt 17.11.2004, 07:10   Die Psyche (Koppen, Weben ect.) Beitrag #4
Biggi
Gast
 
Head - Shaking

Wenn ein Pferd bei Fehlen eindeutiger Reize seinen Kopf schüttelt und zwar mit einer Heftigkeit und Frequenz, dass es schwierig oder gar gefährlich wird, das Tier zu reiten, dann bezeichnet mann diese ungewöhnliche Verhaltensweise als Kopfschlagen >>head - shaking<<

***
Nicht zu verwechseln ist dieses Ereignis mit schnellen Kopfbewegungen zur Abwehr äußerer Einwirkungen,z.B. bei Belästigung durch Insekten, weil diese Bewegung zu den physiologischen Abwehrmechanismen des Pferdes zählt. Beim aufgetrensten Pferd vor Beginn der Trainingsstunde oder vor einer Leistungsprüfung gehören solche Verhaltensweisen zu den Zeichen der Ungeduld eines erregten Tieres. Erst bei Fortdauer des Kopfschüttelns oder Hochwerfen des Kopfes, besonders während der Arbeit, ist dieser Zustand als ein gestörtes Verhalten einzuschätzen.

***

Es konnte festgestellt werden, dass die Verhaltensstörung des Kopfschüttelns bei allen Nutzungsarten, allen Rassen undjeglichem Geschlecht auftreten kann.
Aus epidemiologischen Erhebungen hat sich eine saisonale Bevorzugung für den Frühling und Sommer herausgestellt, während der Wintermonate die Erscheinungen gewöhnlich wieder abklingen.
Diese Beobachtung kann nur für die Fälle gelten, bei denen eine eindeutige Ursache nicht ermittelt werden konnte.
Das gestörte Verhalten zeigt sich anfänglich nur im Trab, später auch in den übrigen Gängen und in der Ruhe.
Anfälligerweise beginnt die abnorme Kopfbewegung, sobald sich das Tier nach wenigen Minuten erwärmt hat.


Folgende klinische Erscheinungen sind zu registrieren :

* Intermittierendes, plötzlich und offensichtlich unwillkürliches Hochreißen des Kopfes oder umgekehrt ein Absenken des Kopfes auf derart übertriebene Weise, dass der Reiter abgeworfen wird und das Pferd selbst aus dem Gleichgewicht gerät

* Die Bewegungsebene des Schädels liegt ungewöhnlich in der Vertikalen, doch sind auch Horizontal- oder Kreisbewegungen möglich

* Manchmal ist das Hochreißen des Kopfes zusätzlich mit übermäßigem Strecken und Anheben eines Vorderbeines verbunden

* Schniefen und Schnarchen werden oft beobachtet undvielfach ergeben sich noch andere Anzeichen einer Reizung der Nase, auf die das Pferd durch reiben der Nase am Vorderbein, am Bein des Reiters oder auf dem Boden antwortet


Entwickelt sich die Verhaltensstörung während der Trainingsarbeit, dann verstärkt sie sich bei fortgesetzter körperlicher Beanspruchung, bis sie in einen für Pferd undreiter äußerst gefährlichen Zustand übergeht.
Das Auftreten und die Schwere der klinischen Symptome können in direktem Zusammenhang mit den Witterungsbedingungen und demReitgelände stehen, denn an warmen Tagen und beim Reiten entlang von Hecken und Bäumen werden sie bevorzugt gesehen.
Die Abweichungen im Verhalten des Pferdes können auf verschiedenen Krankheitszuständen beruhen, die Schmerz, Gereiztheit oder Unbehagen nach sich ziehen.
Nicht immer sind solche Hintergründe aufzuspüren, so dass in der Regel eine wiederholte und zeitaufwendige Untersuchung erforderlich wird. Zuvor ist auszuschließen, dass das Kopfschlagen nicht als Ausdruck des Unwillens gegen die Zäumung oder den Sattel zu werten ist.


Die klinische Untersuchungen sind auf nachfolgende krankhafte Abweichungen auszurichten :

1. am Respirationstrakt sind es die allergische und vasomotorische Rhinitis und Nasennebenhöhlenerkrankungen

2. beim Nervensystem muss an eine Trigeminusneuralgie undan ein Vestibularsyndrom gedacht werden

3. am Ohr spielen ein Befall mit Psoroptes- Milben, Fremdkörpern, eine Otitis interna oder Luftsackaffektionen eine Rolle

4. am Auge ist auf eine Uveitis, auf Schäden an der Retina und auf Iriszysten sowie auf Lichtscheue infolge Blendungsempfindlichkeit zu achten

5. in der Maulhöhle sind schmerzhafte Prozesse durch Schleimhautulzerationen, peridontale Entzündungen, Zahnwurzelabszess und durch das Trensengebiss veranlasste Schäden am Diastema sowie an den Hakenzähnen und den rudimentären P1 zu suchen

6. ist schließlich bei der Untersuchung die Aufmeksamkeit auch auf Schmerzen in der Halsmuskulatur und den Halswirbelgelenken zu richten

In einer retrospektiven Untersuchung wurden von 100 Fällen nur 11 ursächlich geklärt, was die therapeutische Schwierigkeit unterstreicht.
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Alt 19.11.2004, 09:38   Die Psyche (Koppen, Weben ect.) Beitrag #5
Gast4595
Gast
 
Registriert seit: 28.10.2004
Ausrufezeichen Angst!

Hallo Biggi!

Ich finde deinen Beitrag sehr gut und vor allen Dingen sehr ehrlich und realistisch. Jedoch macht er mir auch ein wenig Angst!

Ich habe selber ein Pferd, dass momentan krassen Haltungsveränderungen ausgesetzt ist. Im Normalfall verbringt er die meiste Zeit seines Tagen auf der Wiese bzw. im Winter auf dem Paddock, zusammen mit 5 weiteren Artgenossen. Aufgrund einer Sehnenverletzung darf der arme Kerl jetzt aber die nächsten 4-6 Monate nur in seiner Box stehen. Ich hole in einmal am Tag raus zum Putzen, damit er wenigstens eine Stunde mal auf der Stallgasse stehen kann und etwas anderes sieht. Er steht ansonsten übrigens in einer Aussenbox. Durch die momentane Boxenhaltung fehlt ihm ja nun auch jeglicher Kontakt zu den anderen Pferden und natürlich die Bewegung. Klar, er hat links und rechts einen Boxennachbarn. Aber das ersetzt ja nicht das "Zusammenleben" auf der Koppel. Hafer und energiereiches Futter sind natürlich gestrichen.

Ich hatte mir schon seit längeren Gedanken gemacht, wie ich verhindern kann, dass er nicht mit diesem gestörten Verhalten anfängt. Aber dein Beitrag hat mich jetzt nochmal zusätzlich zum nachdenken angeregt.

Zur Zeit bekommt er 4-5 Mahlzeiten am Tag, hat Lecksteine und einen Baumstamm in der Box. Er steht jetzt seit 3 Wochen und ist bis jetzt auch wirklich ruhig und lieb. Wiehert nicht und macht auch ansonsten keinen Quatsch. Lediglich beim Füttern ist er etwas ungemütlich. Er war jedoch schon immer ziemlich unfreundlich in dieser Situation (hab ihn wohl erst seit 1,5 Jahren), ist jetzt nur noch verstärkt.

Muss ich mir jetzt Sorgen machen? Kann ich irgendwie vorbeugen, damit er niemals auf solche Gedanken kommt in dieser für ihn sehr "schweren Zeit"?

Sorry, der Beitrag ist jetzt leider ziemlich lang geworden. Aber wie gesagt, dass Thema beunruhigt mich ein wenig, obwohl mein Pferd ansonsten sehr ruhig, ausgeglichen und vor allen Dingen sehr klar im Kopf ist.

Gruss
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Alt 19.11.2004, 10:14   Die Psyche (Koppen, Weben ect.) Beitrag #6
Biggi
Gast
 
Hallo Ulli,
Du brauchst Dich nicht für die Länge des Beitrages zu entschuldigen, hier kann jeder solange schreiben, wie er möchte.
Und lieber mal den Kummer von der Seele geschrieben als das er sich festsetzt.
Jetzt zu Deiner Frage.
Wenn ein Pferd aus Krankheitsgründen einen Zwangsaufenthalt in der Box hinnehmen muss, ist das immer eine Ausnahmesituation.
Da hat man oft kaum Möglichkeiten dem Pferd Abwechslung zu bieten.
Die Fütterung in kleinen, aber öfteren Portionen berücksichtigst Du ja schon super.
Was die Abwechslung betrifft, so bleibt in Deinem Fall nur die Möglichkeit, so oft wie möglich bei dem Pferd zu sein. Putzen ist da immer eine hilfreiche Sache, zumal es auch die Durchblutung anregt. Ansonsten tut es Deinem Pferd auch gut,wenn Du einfach nur da bist, das ist auch eine Art der Abwechslung für das Pferd.
Ich weiss leider nicht wie alt Du bist, weil ich den kleineren Fragestellern immer den Rat gebe, sich einfach in die Box zu setzen und dem Pferd etwas vorzulesen, die nehmen dann meist eine kleine Geschichte mit, und legen los. Das klingt vielleicht für manche albern, aber das ist es nicht, das Pferd fühlt sich in dieser Zeit sehr wohl und für viele Pferde hat das auch eine entspannende Wirkung, nicht allein sein zu müssen.
Von sog. Bewegungsbällen rate ich Dir aber ab, da das Pferd evtl. zu sehr darauf reagiert und die Schonung gleich Null wäre.
Ich wünsche Dir in dieser schwierigen Zeit alles Liebe und hoffe, Deinem Pferd geht es bald besser.
Wenn Du noch Fragen hast, kannst Du Dich jederzeit melden.
Ganz lieben Gruss
Biggi
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