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02.06.2012, 13:03
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Diskussion Reittherapie -Geldverschwendung oder ein Erfolgsrezept? Beitrag #1
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Fohlen
Registriert seit: 01.12.2011
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Hallo liebe Pferdeliebhaber und Pferdeliebhaberinnen!
Ich hab mich hier mal umgeschaut und keine Diskussion über Reittherapien gefunden. Also falls ein ähnlicher Thread schon da ist, bitte einfach löschen.
Also, wie schon gesagt möchte ich hier mit euch über Reittherapien diskutieren. Dieses Thema interessiert mich sehr, weil ich auch eine kurze Zeit lang bei einer Reittherapeutin ausgeholfen habe. Damals gab sie mir auch Reitunterricht (mit einem therapeutischen Touch würde ich mal sagen) und eines Tages sagte sie zu mir, dass ich ein sogenanntes "Angst-Problem" hätte, da mir mal ein Pferd durchgegangen ist. Irgendwann hörte ich bei ihr auf und suchte eine neue RB. Einmal ist bei mir beim Proberitt ein Pferd durchgegangen. Da merkte ich, dass ich gar kein Angst-Problem hatte. Ich war wie die Ruhe selbst. Danach rief ich die Reittherapeutin an und sagte ihr, dass ich die "Angst" losgeworden bin. Sie hörte mir ein paar Minuten zu, dann fing sie aber wieder an mit diesem Angst-Problem, das ich angeblich immer noch hätte. Ich wurde dann misstrauisch und dachte dann an die Patienten der Reittherapeutin (ich war ja nur eine RB). Dann fragte ich mich :"Ist eine Reittherapie eig. Geldverschwendung oder doch ein Erfolgsrezept?"
Was meint ihr dazu? Ist Reittherapie Geldverschwendung oder doch ein Erfolgsrezept? Sollten z.B. behinderte Kinder bzw. Erwachsene durch Reittherapien therapiert werden? Oder reichtes schon aus, wenn wir Menschen ohne Handicap sie einfach akzeptieren, so wie sie sind? Habt ihr irgendwelche Erfahrungen in Sachen Reittherapie gemacht?
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02.06.2012, 13:30
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Diskussion Reittherapie -Geldverschwendung oder ein Erfolgsrezept? Beitrag #2
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Gnadenbrotpferd
Registriert seit: 01.04.2006
Ort: Kiel
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Reittherapie ist definitiv eine tolle Sache. Allerdings hat das, was du mit der "Angst"-Dame erlebt hast, in meinen Augen mit Reittherapie nichts zu tun. Das ist eher typisch schlechte Psychotherapie, wo nach 5 Sekunden die erste Diagnose gestellt wird, an der dann auf Teufel komm raus festgehalten wird.
Therapeutisches Reiten findet ja nicht in erster Linie statt, um Ängste zu bekämpfen (gestärktes Selbstbewusstsein ist aber ein hübscher Nebeneffekt), sondern um die völlig verkrampften Muskeln zu lockern und den Kindern oder auch Erwachsenen mal völlig neue Bewegungserfahrungen zu ermöglichen. Das ist so ähnlich wie Schwimmtherapie und all die anderen Sachen, die man machen kann. Anders als bei Delphintherapie muss man aber nicht erst in den Flieger steigen und sich dann Gedanken über den Tierschutz intelligenter Meeressäuger machen, sondern man steigt eben mal ins Auto und fährt ein paar Minuten zum nächsten Therapeuten - umweltschonender und oft auch tierfreundlicher.
Ich habe mal eine sehr schöne Doku gesehen, die eine Reitstunde verfolgt hat, und es war krass, wie angespannt und nervös und angenervt das Kind (Mädchen von etwa 10 Jahren, geistig und körperlich behindert) am Anfang war und wie sie sich am Ende ganz selbstverständlich nach vorne lehnte, um strahlend das Pferd zu streicheln. Selbst wenn der Effekt daheim dann nicht lange anhält - wenn das Kind für eine halbe Stunde die Woche entspannt und glücklich ist, ist es das definitiv wert.
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02.06.2012, 14:02
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Diskussion Reittherapie -Geldverschwendung oder ein Erfolgsrezept? Beitrag #3
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Absetzer
Registriert seit: 20.03.2006
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Reittherapie Geldverschwendung? Ja.
Reittherapie Erfolgsrezept? Ja.
Man muß sehr genau unterscheiden, aufgrund welcher Indikationen welche Art der Reittherapie angewand wird und wer sie anbietet!
Reiten als Sport für Behinderte.
Das ist auf jeden Fall ein Erfolgskonzept. Es gibt hochkarätige Reiter aller Leistungsstufen, die körperliche Einschränkungen haben. Menschen ohne Beine, die wunderschön reiten, Menschen ohne Arme oder mit Lähmungen oder oder oder.
Das läuft auch unter Reittherpie offiziell und ich finde es genial.
Oder Reittherapie für Menschen nach Lähmungen. Das Bewegungsbild, das der Pferderücken auf das menschliche Becken im Schritt überträgt, entspricht dem Bewegungsmuster des menschlichen Beckens, wenn ein Mensch geht.
Hier werden große Erfolge erzielt, weil das Gehirn diese Bewegungsimpulse empfängt.
Oder Therapie für Menschen mit Skoliose. Weil beim reiten die Wirbelsäule in die Länge gestreckt wird und zugleich die tiefen Muskelpartien rund um die Wirbelsäule gekräftigt werden, ist Reittherapie hier auch ausgesprochen hilfreich.
Oder bei Menschen mit Kommunikationsstörungen wie Autismus, Asperger oder ähnlichem, weil hier eine Kontaktaufnahme über das Tier mit der Umwelt erzielt werden kann. Das Öffnen einer Türe in die Welt der anderen.
Als vertrauensbildende Therapie nach Mißbrauchserfahrungen.
Oder als Lerntherapie die eigenen Bedürfnisse und Befindlichkeiten zügeln zu lernen. (ADS, ADHS...)
Schwierig wird es, wenn es in den "esoterischen Modebereich" abdriftet.
Dazu gehören "Therapeuten" die den Kunden / Patienten Ängste suggerieren oder für ängstliche Reiter oder späteinsteigende Reiter "Therapie" anbieten.
Hier sind viele Anbieter sehr drauf bedacht, den Kunden in steter Unselbständigkeit zu halten, um ja weiter an ihm zu verdienen.
Das ist schlicht Geldschneiderei.
Es steht und fällt alles mit dem Therapeuten und dessen Intention.
Es gab gestern oder vorgestern auf Arte im TV eine Doku über therapeutisches reiten, die sehr interessant war. Vielleicht kann man die noch irgendwo online gucken?
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02.06.2012, 14:02
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Diskussion Reittherapie -Geldverschwendung oder ein Erfolgsrezept? Beitrag #4
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Endlich ein Pferd :D
Registriert seit: 19.02.2012
Ort: Ostfriesland
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Hallo,
kann auch nur bestätigen das ich Reittherapie als Sinnvoll empfinde, bei körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen. Der mittlerweile 10 Jährige Tom, der Sohn bzw. Enkel unserer Bekannten, liegt seit er zwei Jahre alt ist im Wachkoma (schrecklicher Unfall in den USA im Hotelpool gehabt und falsche Behandlung der Ärzte - nicht nachweisbar aber vorstellbar).
Er hat dann vor vielen Jahren, glaube mit 4 Jahren, eine Delphintherapie gemacht in Florida, was schon einiges bewirkt haben soll damals, aber da die Delphintherapie sch...teuer ist, haben die Eltern es mit Reittherapie versucht und er hat sichtbare Fortschritte gemacht! Nach kurzer Zeit hatte er wieder eine Mimik, lachen, traurig, böse,... er nimmt seine Umwelt fast komplett wieder wahr. Er weiß genau wenn er Reittherapie hat und grinst dann richtig vor Freude, das war vorher undenkbar. Glaube ohne die Reittherapie wäre er niemals so weit gekommen wie er jetzt ist. Natürlich wird er durch das Wachkoma immer beeinträchtigt sein und niemals normal leben können, das ist klar. Aber es ist schon ein großer Schritt das er seine Umwelt überhaupt wahrnehmen kann, zudem kann er sich mittlerweile auch verständigen, zwar nicht richtig sprechen aber einzelne Wörter und Gesten schafft er.
Zu deiner Dame mit der Angst-Geschichte, ich selber habe das auch erst vor kurzem erlebt, da wollte mir eine Therapeutin einreden dass ich Panikattacken und Angststörungen hätte, hatte noch nie in meinem Leben nur annähernd Panikattacken oder Ängste (außer vor Spinnen aber würde ich jetzt nicht als krankhafte Angst bezeichnen). Diese Therapeutin arbeitet in einer psychiatrischen Tagesklinik die erst vor einigen Monaten eröffnet wurde und ich glaube mittlerweile, diese wollte mir dieses Krankheiten einreden um ihre Patientenzahl zu kriegen, vielleicht brauchen die eine gewisse Anzahl von Patienten damit sich die Klinik gelohnt hat. Die hat wirklich in jeder Sitzung auf mich eingeredet: Ja ihr Schwindel (der von meinen Herzrhythmusstörungen kommt, sobald mein Herz aus den Takt gerät wird mir leicht schwindelig was aber normal ist bei dieser Erkrankung) ist ein Zeichen auf Panikattacken.. gut dachte ich mir, also kriege ich egal ob ich Autofahre, auf dem Sofa liege, am PC sitze, am kochen bin, auf dem Klo,... also Panikattacken weil ich vor allen diesen Dingen angst habe?! Nein sowas kann in jeder Situation passieren, mein Psychologe hat mir was anderes gesagt, aber ok. Letztendlich habe ich nur eine leichte Depressionsphase gehabt und sonst nichts weiter! Aber man wollte mir sowas auch einreden und ich denke wirklich weil die neue Klinik ZAHLEN braucht...
Ich gebe auf solche Menschen gar nichts, ich belächel die einfach nur. Jeder weiß doch eigentlich selber wie er bei gewissen Situationen empfindet, beispiel beim Reiten und ein Therapeut kann das nicht nachvollziehen, weil er nicht so empfindet wie wir in dieser Situation. Wenn man jetzt einmal vom Pferd gefallen ist weil es vielleicht durchgegangen ist, dann hat man vielleicht Kurzzeitig ein ungutes Bauchgefühl wenn man wieder drauf geht, ich würde sowas aber nicht gleich als ein Angst-Problem bezeichnen.
Hatte mal ein Mädchen in meiner Anfängergruppe die bei der Kollegin vom durchgegangenen Pferd gefallen ist, die hat sich auch erstmal gar nicht mehr drauf getraut. Sie kam aber immer noch mit zum Stall, aber reiten wollte sie nicht. Habe ihr dann ein sehr braves Pferd von uns aus der Box geholt und gesagt: Du der ist sooo dreckig, magst den nicht mal richtig schön sauber machen? Na klar und dann habe ich eigentlich schon gemerkt, sie will reiten, nur wird sie von ihrer Angst blockiert. Also Voltigurt drauf, Kind drauf und los, nach 15 Min. galoppieren lassen und die Angst war weg. Nächste Stunde ritt sie wieder richtig mit, mit Galopp und allem. Das würde ich aber auch nicht als Angst-Problem bezeichnen, das war eine kurzzeitige Angst und danach war wieder alles in Ordnung.
Wenn ich an meine Ex Therapeutin denke, die hätte das Mädchen wahrscheinlich gleich in die Klinik gesteckt
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02.06.2012, 17:22
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Diskussion Reittherapie -Geldverschwendung oder ein Erfolgsrezept? Beitrag #5
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Gast
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reittherapie finde ich grundsätzlich eine schöne sache, kenne diesen zweig der reiterei von beiden seiten.
für mich persönlich war es absolut nichts. ich sehe reiten als sport der mir zwar auch ne menge gibt aber im endeffekt sport ist und an meinen sonstigen problemen nichts ändert.
ich war in einer klinik in der das angeboten wurde und jeder der durfte hat sich riesig gefreut. ich kam damals auch in den genuss und fand für mich unsinnig. ich verbinde mit dem reiten einfach andere dinge,fühlte mich unterfordert,hatte das gefühl jemandem den platz wegzunehmen und konnte im therapeutischen sinne damit einfach nichts anfangen.
ich hab ein angstproblem auch beim reiten dabei hilft mir der schafige norweger dort allerdings null.
die meißten anderen die durchweg keine pferdeerfahrung hatten fanden es toll, entspannend aber auch anstrengend wesswegen ichs grundsätzlich nicht als negativ bezeichnen würde.
im endeffkt ist jede therapieform egal zu welchem zweck für irgendjemanden geeignet aber eben nicht für jeden, genauso wie der therapeut!
ich habe schon welche erlebt die mir probleme einreden wollten die ich nicht habe und dinge nicht sehen wollten die für mich einfach da waren.
ich persönlich habe auch beim reiten panikatacken seiddem ich einen schweren reitunfall hatte bei dem ich unters pferd geraten bin.
das ist jetzt 3 jahre her, seid 1,5 jahren darf ich wieder aufs pferd und es geht.
anfangs konnte ich nichtmal entspannt ein wirklich ruihges schulpferd schritt reiten. mitlerweile springe ich meinen unfallpartner sogar wieder.
geholfen hat mir dabei aber keine therapie sondern eine fäige rl die mich getreten hat, die nichts auf tränen und zittern gab ,der ich vertrauen konnte weil sie mich nie überforderte und der wille die panik los zu werden.
ich wollte um jeden preis wieder freude am reiten haben!
ich dneke so verhält es sich auch bei vielen anderen dingen die heute therapiert werden. dafür braucht es oft hilfe aber das muss kein therapeut sein. das wichtigste ist der eigene wille
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02.06.2012, 19:58
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Diskussion Reittherapie -Geldverschwendung oder ein Erfolgsrezept? Beitrag #6
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Gnadenbrotpferd
Registriert seit: 30.12.2007
Ort: 49076 Osnabrück
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Therapeutisches Reiten, wenn es gut, also den Bedürfnissen des zu therapierenden entsprechend, gemacht wird, ist mehr als sinnvoll.
Als Therapie bei Verhaltensgestörten bringt es am ehesten etwas in Verbindung mit einem täglichen Umgang und Übernahme der Verantwortung für das Pferd.
Angsttherapie nach Reitunfällen machen eigentlich keinen Sinn. Diese Problematik gehört an einen versierten RL abgegeben, denn die meissten Therapeuten sind in ihrer eigenen Reiterei eher begrenzt und können Probleme, die in der sportlich angelegten Reiterei entstanden sind, oft nicht aus eigener Sicht nachvollziehen, dadurch fehlt ihnen auch die Möglichkeit, sinnvolle Hilfestellung für Reiter und! Pferd zu geben.
MfG birdie
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