Zum Pferd:
Stute, im 8. Monat tragend, aufgrund eines
TA Fehlers in der Aufzuchtstation nicht reitbar, da loses Gaumensegel. Bisher 1 Fohlen.
Freitag, 6. Januar
Nachts hingelegt (über Videokamera dokumentiert), Pferd ruhig. Morgends noch immer liegend auf gleicher Stelle und Blick zum Bauch, Ruhe aber Schmerzgesicht.
Sofort
TA geholt. Behandlung mit Schmerzmitteln und Buscopan. Behandlung hat angeschlagen.
Samstag, 7. Januar
Morgends wieder Kolikerscheinungen. Pferd liegt ruhig - wie es ihre Art ist, sie schwitzt nicht und ist niemals panisch oder ängstlich. Sofort
TA gerufen, dieser befand sich in einer OP. Die Stute wurde nach Anweisung des
TA immer wieder im Schritt geführt und äppelte ein klein wenig. Äpfel hart. Sie legte sich nicht mehr hin und erschien etwas besser.
2 Std. später kam der
TA trotzdem (dieser kennt die Stute seit ihrer Geburt-hat schon die Mutterstute versorgt). Er stellte eine Gasansammlung rechts (Nähe Blinddarm) fest. Katheterisierung der ca. halbgefüllten Blase. Der Urin war dunkel und stank.
Sofortige Überweisung in die Tierklinik
20 Min. später Ankunft in der Tierklinik. Blutwerte OK bis auf erhöhte Eiweißwerte, Temperatur OK, Puls OK. Pferd sehr lieb und ruhig - wie immer, sie ist sooooo vertrauensvoll.
Der Ultraschall ergab ein sehr großes Fohlen, welches dermaßen im Weg lag, dass eine Darmuntersuchung nicht möglich war.
Die Rektaluntersuchung ergab eine im Ultraschall nicht erkennbare Luftansammlung rechts (wie auch schon unser
TA) und eine volle Blase (wie kann die denn schon wieder voll sein).
Es wurde ein Zugang gelegt. Die Stute erhiel über einen Tropf Kochsalzlösung, Elektrolytlösung, Buscopan und ein Schmerzmittel in niedriger Dosierung, worauf sie sehr gut ansprach.
Samstagnacht:
Plötzlich starke Krämpfe. Stute ruhig, ohne Schweiß, sehr lieb, daher erst erkannt als sie länger lag.
Die Stute wurde geschoren um ein besseres Ultraschallbild zu erhalten. Leider ergab auch dieses Bild nur das Riesenfohlen.
Die Rektaluntersuchung ergab keine Darmtätigkeit, die Blase war normal gefüllt. Nach Medikamentengabe und Kochsalzsösung mit Öl versuchte die Stute zu pressen. Das Fohlen kam hoch ins Becken, es schien als würde sie das Fohlen verlieren. Es wurde sofort Ventipulmin gegeben, welches neben der Bronchialerweiterung auch stark wehenhemmende Wirkung hat. Das Fohlen rutschte daraufhin wieder in seine normale Lage im Bauchraum.
Die Stute erhielt nachts nochmals Kochsalzlösung, Schmerzmittel und Buscopan.
Es wurde Wasser im Darm festgestellt - das ist mal gar nicht gut.
Sonntag, 8. Januar
Frühmorgends wurde die Stute von 2 Mitarbeiterinnen geputzt - sie mögen das liebe Mädel sehr und dachten, dass ihr sanftes Putzen und ein wenig persönlicher Kontakt einfach in der Seele gut tun. Die Stute hat das Putzen ihrer Ausage nach sehr genossen und sich entspannt - ist logisch, sie ist sehr menschenbezogen und vertraut vollkommen.
10:00 Uhr Mein Besuch. Die Stute war nichtmal interessiert, dass ich einen Apfel in der Tasche hatte - natürlich habe ich diesen auch nicht angeboten. Schmerzgesicht.
Nachdem ich 5 Min. da war, hat sie sich gelegt. Sofort kam eine Mitarbeiterin, das Pferd wurde aufgerichtet und bekam einen Slinky an (damit der Zugang nicht verrutscht oder verschmutzt).
Ich ging mit der Stute auf einen Paddock. Sie schrieh entsetzlich und war sehr aufgeregt, da sie ihre Weidegruppe stark vermisst.
Auf dem Paddock dann raste sie schreiend los. Dann Ruhe.
Ich ging zu ihr und lockte sie wie immer zu mir (freundliche Ansprache und klopfen auf meinen Oberschenkel). Sie kam und ging mit ohne Strick am Halfter los. Nach ca. 15 Metern kam ein Ton aus ihrem Bauch, der mich stark an einen enormen Rülpser erinnerte. Sie folgte mir ca. 15 Min. Häufig wieherte sie.
Sie hat dann einen Apfel herausgedrückt, dieser war zwar geformt, jedoch sehr weich und bestand aus quasi unverdautem Heu. Der Darm arbeitete offensichtlich nicht.
Dann legte sie sich hin und wollte liegen bleiben. Ich habe sie ca 2 Min. (gefühlte 15 Min.) liegen lassen, danach habe ich sie am Halfter mit sanfter Ansprache hochgenommen weil sie halb geschoren nicht im Kalten liegen sollte.
Sie ging dann frei neben mir her. Wenn sie schrieh oder stehen blieb konnte sich sie mit den gewohnten Kommandos wieder zu mir locken - sie suchte offenbar meine Nähe und Hilfe.
Nach weiteren 10 Min. laufen warf sie sich hin und wälzte sich sofort. Eine Mitarbeiterin der Tierklinik war schneller am Paddock als ich heraus war.
Ich lockte die Stute also wieder hoch und wir brachten sie in den Stall.
Eine Tierärztin wartete schon. Die Stute kam sofort wieder an den Tropf und bekam Buscopan und ein Schmerzmittel in niedriger Dosierung. Sie reagierte darauf sofort und entspannte. Sie war völlig fertig und ruhte ihren Kopf auf dem Anbindestrick aus.
Die Tierärztin in der Klinik riet mir zur OP um mal nachzusehen was denn wirklich los ist.
Wir riefen unseren
TA an und dieser riet uns von einer OP ab.
Dann holten wir uns die Meinung einer zweiten Tierärztin ein, diese spach erst mit den Ärzten der Klinik. Sie kennt unsere Pferde seit Jahren sehr gut. Auch sie riet von einer OP ab, da die Stute diese vermutlich nicht überstehen würde. Sie bot an - trotz, dass sie derzeit im Urlaub ist- die Stute bei weiteren Problemen zu Akkupunktieren. Da sie in der Klinik bekannt ist, hat man dort natürlich nichts dagegen.
Beide Tierärzte rieten uns, das Pferd noch weiter unter Buscopan und Schmerzmitteln zu halten, so lange diese in so niedriger Dosierung anschlagen, und abzuwarten.
Sonntagabend:
Die Stute ist ruhig, sie ist weg vom Tropf. Sie läuft in der Box herum - bei Schmerz steht sie nur. Sie war unleidlich und eifersüchtig als andere Pferde Futter bekamen.
Ein kleiner Lichtblick. Ihre Cancen sind damit von 10 auf 30% gestiegen.
Morgen wissen wir mehr. Der Darm muss anfangen zu arbeiten.
Falls die Stute überlebt haben wir schon Pläne für den sofortigen Umbau des Stalles (mit dem Verpächter schon abgesprochen), so dass sie nicht mehr nachts eingestallt wird, sondern wir einen Aktivstall bauen, in dem sie sich permanent bewegen kann. Es bleiben dann nur noch 2 Abfohlboxen (falls diese benötigt werden, seltsamerweise fohlen alle unsere Stuten gern tagsüber auf der Wiese in der Herde ab, trotz dass sie nachts absolute Ruhe haben und wir nur über die Videoüberwachung zusehen).