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Alt 09.01.2012, 00:20   Ein Bericht: Tragende Stute, Kolik / Kiefergelenksproblem Beitrag #1
Rough-Diamond
Bernhard Bespaßerin
 
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Zum Pferd:
Stute, im 8. Monat tragend, aufgrund eines TA Fehlers in der Aufzuchtstation nicht reitbar, da loses Gaumensegel. Bisher 1 Fohlen.

Freitag, 6. Januar
Nachts hingelegt (über Videokamera dokumentiert), Pferd ruhig. Morgends noch immer liegend auf gleicher Stelle und Blick zum Bauch, Ruhe aber Schmerzgesicht.
Sofort TA geholt. Behandlung mit Schmerzmitteln und Buscopan. Behandlung hat angeschlagen.

Samstag, 7. Januar
Morgends wieder Kolikerscheinungen. Pferd liegt ruhig - wie es ihre Art ist, sie schwitzt nicht und ist niemals panisch oder ängstlich. Sofort TA gerufen, dieser befand sich in einer OP. Die Stute wurde nach Anweisung des TA immer wieder im Schritt geführt und äppelte ein klein wenig. Äpfel hart. Sie legte sich nicht mehr hin und erschien etwas besser.
2 Std. später kam der TA trotzdem (dieser kennt die Stute seit ihrer Geburt-hat schon die Mutterstute versorgt). Er stellte eine Gasansammlung rechts (Nähe Blinddarm) fest. Katheterisierung der ca. halbgefüllten Blase. Der Urin war dunkel und stank.
Sofortige Überweisung in die Tierklinik
20 Min. später Ankunft in der Tierklinik. Blutwerte OK bis auf erhöhte Eiweißwerte, Temperatur OK, Puls OK. Pferd sehr lieb und ruhig - wie immer, sie ist sooooo vertrauensvoll.
Der Ultraschall ergab ein sehr großes Fohlen, welches dermaßen im Weg lag, dass eine Darmuntersuchung nicht möglich war.
Die Rektaluntersuchung ergab eine im Ultraschall nicht erkennbare Luftansammlung rechts (wie auch schon unser TA) und eine volle Blase (wie kann die denn schon wieder voll sein).
Es wurde ein Zugang gelegt. Die Stute erhiel über einen Tropf Kochsalzlösung, Elektrolytlösung, Buscopan und ein Schmerzmittel in niedriger Dosierung, worauf sie sehr gut ansprach.
Samstagnacht:
Plötzlich starke Krämpfe. Stute ruhig, ohne Schweiß, sehr lieb, daher erst erkannt als sie länger lag.
Die Stute wurde geschoren um ein besseres Ultraschallbild zu erhalten. Leider ergab auch dieses Bild nur das Riesenfohlen.
Die Rektaluntersuchung ergab keine Darmtätigkeit, die Blase war normal gefüllt. Nach Medikamentengabe und Kochsalzsösung mit Öl versuchte die Stute zu pressen. Das Fohlen kam hoch ins Becken, es schien als würde sie das Fohlen verlieren. Es wurde sofort Ventipulmin gegeben, welches neben der Bronchialerweiterung auch stark wehenhemmende Wirkung hat. Das Fohlen rutschte daraufhin wieder in seine normale Lage im Bauchraum.
Die Stute erhielt nachts nochmals Kochsalzlösung, Schmerzmittel und Buscopan.
Es wurde Wasser im Darm festgestellt - das ist mal gar nicht gut.

Sonntag, 8. Januar
Frühmorgends wurde die Stute von 2 Mitarbeiterinnen geputzt - sie mögen das liebe Mädel sehr und dachten, dass ihr sanftes Putzen und ein wenig persönlicher Kontakt einfach in der Seele gut tun. Die Stute hat das Putzen ihrer Ausage nach sehr genossen und sich entspannt - ist logisch, sie ist sehr menschenbezogen und vertraut vollkommen.
10:00 Uhr Mein Besuch. Die Stute war nichtmal interessiert, dass ich einen Apfel in der Tasche hatte - natürlich habe ich diesen auch nicht angeboten. Schmerzgesicht.
Nachdem ich 5 Min. da war, hat sie sich gelegt. Sofort kam eine Mitarbeiterin, das Pferd wurde aufgerichtet und bekam einen Slinky an (damit der Zugang nicht verrutscht oder verschmutzt).
Ich ging mit der Stute auf einen Paddock. Sie schrieh entsetzlich und war sehr aufgeregt, da sie ihre Weidegruppe stark vermisst.
Auf dem Paddock dann raste sie schreiend los. Dann Ruhe.
Ich ging zu ihr und lockte sie wie immer zu mir (freundliche Ansprache und klopfen auf meinen Oberschenkel). Sie kam und ging mit ohne Strick am Halfter los. Nach ca. 15 Metern kam ein Ton aus ihrem Bauch, der mich stark an einen enormen Rülpser erinnerte. Sie folgte mir ca. 15 Min. Häufig wieherte sie.
Sie hat dann einen Apfel herausgedrückt, dieser war zwar geformt, jedoch sehr weich und bestand aus quasi unverdautem Heu. Der Darm arbeitete offensichtlich nicht.
Dann legte sie sich hin und wollte liegen bleiben. Ich habe sie ca 2 Min. (gefühlte 15 Min.) liegen lassen, danach habe ich sie am Halfter mit sanfter Ansprache hochgenommen weil sie halb geschoren nicht im Kalten liegen sollte.
Sie ging dann frei neben mir her. Wenn sie schrieh oder stehen blieb konnte sich sie mit den gewohnten Kommandos wieder zu mir locken - sie suchte offenbar meine Nähe und Hilfe.
Nach weiteren 10 Min. laufen warf sie sich hin und wälzte sich sofort. Eine Mitarbeiterin der Tierklinik war schneller am Paddock als ich heraus war.

Ich lockte die Stute also wieder hoch und wir brachten sie in den Stall.
Eine Tierärztin wartete schon. Die Stute kam sofort wieder an den Tropf und bekam Buscopan und ein Schmerzmittel in niedriger Dosierung. Sie reagierte darauf sofort und entspannte. Sie war völlig fertig und ruhte ihren Kopf auf dem Anbindestrick aus.
Die Tierärztin in der Klinik riet mir zur OP um mal nachzusehen was denn wirklich los ist.
Wir riefen unseren TA an und dieser riet uns von einer OP ab.
Dann holten wir uns die Meinung einer zweiten Tierärztin ein, diese spach erst mit den Ärzten der Klinik. Sie kennt unsere Pferde seit Jahren sehr gut. Auch sie riet von einer OP ab, da die Stute diese vermutlich nicht überstehen würde. Sie bot an - trotz, dass sie derzeit im Urlaub ist- die Stute bei weiteren Problemen zu Akkupunktieren. Da sie in der Klinik bekannt ist, hat man dort natürlich nichts dagegen.
Beide Tierärzte rieten uns, das Pferd noch weiter unter Buscopan und Schmerzmitteln zu halten, so lange diese in so niedriger Dosierung anschlagen, und abzuwarten.

Sonntagabend:
Die Stute ist ruhig, sie ist weg vom Tropf. Sie läuft in der Box herum - bei Schmerz steht sie nur. Sie war unleidlich und eifersüchtig als andere Pferde Futter bekamen.

Ein kleiner Lichtblick. Ihre Cancen sind damit von 10 auf 30% gestiegen.

Morgen wissen wir mehr. Der Darm muss anfangen zu arbeiten.

Falls die Stute überlebt haben wir schon Pläne für den sofortigen Umbau des Stalles (mit dem Verpächter schon abgesprochen), so dass sie nicht mehr nachts eingestallt wird, sondern wir einen Aktivstall bauen, in dem sie sich permanent bewegen kann. Es bleiben dann nur noch 2 Abfohlboxen (falls diese benötigt werden, seltsamerweise fohlen alle unsere Stuten gern tagsüber auf der Wiese in der Herde ab, trotz dass sie nachts absolute Ruhe haben und wir nur über die Videoüberwachung zusehen).
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Alt 09.01.2012, 01:24   Ein Bericht: Tragende Stute, Kolik / Kiefergelenksproblem Beitrag #2
Rough-Diamond
Bernhard Bespaßerin
 
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Diese Nacht wird wohl keiner schlafen. Weder ich, noch mein Freund, noch die armen Mitarbeiter der Tierklinik, die pausenlos von uns angerufen werden.
Aufgrund des Zustands der Stute wurden die Besuchtszeiten für uns aufgehoben - wir können jederzeit kommen. Mein Freund hat für Morgen schon Urlaub und ich muss nur einen halben Tag arbeiten - wurde noch heute am Sonntag mit dem Chef (die waren echt nett) geregelt.

Geändert von Rough-Diamond (08.03.2012 um 22:48 Uhr)
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Alt 09.01.2012, 07:37   Ein Bericht: Tragende Stute, Kolik / Kiefergelenksproblem Beitrag #3
Jim.Knopf
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Berichte bitte weiter. Das muss schlimm für euch sein. Ich drücke euch ganz feste alle Daumen das Stute und Fohlen die Koliken überleben.

LG
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Alt 09.01.2012, 07:39   Ein Bericht: Tragende Stute, Kolik / Kiefergelenksproblem Beitrag #4
Thommy
Jährling
 
Registriert seit: 03.12.2009
Hallo,

ich hoffe Ihr und Eure Stute haben die Nacht gut überstanden. Ich drücke gaaaanz
fest die Daumen, das alles gut geht.
Wir erwarten auch im April ein Fohlen, kann mir aslo sehr gut vorstellen, wie Ihr
Euch im Moment fühlt.
Viel, viel Glück, vielleicht gibt es ja heute schon Entwarnung. Berichte bitte weiter.
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Alt 09.01.2012, 19:04   Ein Bericht: Tragende Stute, Kolik / Kiefergelenksproblem Beitrag #5
whenever
Fohlen
 
Registriert seit: 24.12.2011
Wie geht es deiner Stute? Ich habe den ganzen Tag an euch gedacht, hoffentlich wird alles gut.

lg whenever

Geändert von whenever (09.01.2012 um 19:25 Uhr)
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Alt 09.01.2012, 22:53   Ein Bericht: Tragende Stute, Kolik / Kiefergelenksproblem Beitrag #6
Rough-Diamond
Bernhard Bespaßerin
 
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Heute morgen Anruf in der Klinik.
Die Stute ist stabil und hatte in der Nacht keine großartigen Krämpfe mehr. Da sie ja immer sehr ruhig ist, nie in Panik oder Angst gerät oder gar schwitzt, sondern Schmerz einfach erträgt, ist immer schwer zu sagen, ob sie sich ausruht -sie ist völlig fertig- oder ob sie Schmerzen hat.
Alle 2 Std. wird nach wie vor Fieber gemessen, der Bauch kontrolliert, gezählt wie oft sie Kot oder Urin abgesetzt hat.
Gegen 2 Uhr begann sie zu Koten. Na ja, was man Koten nennt. Den ganzen Tag lang kam kotschwarzes Wasser (eine Fontäne bis 1,50m) aus dem Pferd geschossen. Sie setzt normal Urin ab.
Gegen 6 Uhr hat sie randaliert, da die anderen Pferde gefüttert wurden und sie nichts bekam. Sie hatte Hunger - ein sehr gutes Zeichen.
Die ganze Nacht war sie nicht am Tropf. Die Temperatur und die Vitalwerte sind stabil. Auch das Fohlen zeigt Vitalwerte. Es wurden noch 2x Blutwerte (Kopfblut) entnommen.
Der Eiweißwert ist wieder normal, so wie die anderen Blutwerte auch.
Gegen 10 Uhr die erste Fütterung mit aufgeweichten Heucobs und sehr weichem Kleiepäppchen.
Die Stute hasst Päppchen und mag lieber kauen. Sie hat die Kleie jedoch sofort gefressen und die Heucobmatsche halb.

Abends ab 17:00 Uhr dann Besuchszeit - endlich. Meine 'Schöne', hat sich richtig ein wenig gefreut. Das Auge war wach und klar als ich zu ihr kam. Sie wollte auch am Kopf berührt werden, was sie bei Schmerzatacken ablehnt (da mag sie nur am Hals/Widerristberech gekrault werden und dreht dezent den Kopf nach wenigen Streichlern weg). Bei Schmerz lehnt sie ihren Kopf sonst nur bei mir an, will aber dort nicht gestreichelt werden. Das Schmerzgesicht hat sich in Unmut gewandelt - sie will halt gern ihre Riesenportion Heu, was jedoch unmöglich ist. Beim Koten noch immer die 1,50 Spritzwasser, tja, das Wasser kommt aus dem Darm. Beim Koten kein Schmerzgesicht oder extreme Anstrengung, eher Kampf. Die Kleine war schon immer eine richtige Kämpferin, wenn sie motiviert wird durchzuhalten, ist sie allein, gibt sie auf. Sie hat dieses Verhalten schon häufiger gezeigt und überträgt das auch auf andere Pferde - sehr deutlich damals als mein alter Wallach und ihr Freund nach schwerer Krankheit verlor. So lange noch ein Funken Hoffnung war, wollte sie helfen und griff ihn und uns sogar mit Scheinangriffen und kleinen Zwickern an um ihn zum Aufstehen zu bewegen. Als keine Hoffnung mehr war und auch er aufgegeben hatte, hat sie das sofort bemerkt und ihm das Hinterteil zugedreht als wir kamen. So lange wir nicht da waren, stand sie nur mit tiefer Nase bei ihm und leistete einfach nur Gesellschaft (kommt mir im Nachhinein vor wie Sterbehilfe).
Ach, ich bin abgeschweift. Stundenlang könnte ich über die verschiedenen Charaktere unserer Pferde erzählen, da ich sie durch jahrelange stundenlange Beobachtungen sehr gut kenne. Durch unsere Haltung (außer die Stuten mit Fohlen) haben die Pferde auch in ihren Boxen absoluten Kontakt zum Nachbarn.

So jetzt wieder zum Moppelchen:
Sie schaut schon besser aus. Sie hat wohl den ganzen Tag über immer wieder geschrien, da sie ja allein ist. Das kennt sie ja so gar nicht - sie war noch nie allein.
Ich durfte mit ihr spazieren gehen und wir gingen ca. 200m. Danach war sie völlig fertig. Total KO. Sie hat sich in der Box gleich ausgeruht.
Lt. TA ist sie aus dem Gröbsten heraus.
Sie bleibt jedoch noch 2-3 Tage in der Intensivbetreuung der Klinik. Erst wenn jegliches Futter wieder normal verwertet werden kann, ist klar, dass der Darm nicht abgestorben ist - das ist ja auch schmerzfrei und schmerzt erst, wenn sich Teile des Darms aufgelöst haben und der Kot in den Bauchraum tropft und sich dort entzündet.
Diese Gefahr besteht in sehr geringem Maße nach wie vor. Sie hat jedoch kein Fieber, trinkt nicht extrem viel (da sie keine Selbsttränke kennt, kann am Wassereimer kontrolliert werden wie viel sie trinkt, das machen wir daheim ja auch), noch weisen die Blutwerte auf Annormalien hin.

Unsere damalige Entscheidung eine OP abzulehnen wird zwar mit einem Verziehen des Mundwinkels quittiert aber unser Haus-TÄ hatten mal wieder recht. Sie hätte operiert nur wenig Chancen gehabt, da BlinddarmOP's noch immer mehr als riskant sind.

Die Stute ist noch matt. Wenn die Nacht gut wird, darf sie ab Morgen festere Nahrung zu sich nehmen.

Es sieht jedenfalls alles sehr positiv aus.
Wir sind müde und glücklich.
Wenn die nächsten Tage gut verlaufen wird mit den Ärzten in der Klinik besprochen, ob wir sie gleich mit heim nehmen oder ob sie in einen Normaltrakt verlegt wird um ihre Wiedereingliederung in unsere Haltungsform vorzubereiten.

Wir machen derzeit Pläne unseren Stall zu verändern. Statt der bisherigen Haltung - Sommer Tag und Nacht Weide, Winter tagsüber Weide, nachts Box - soll geändert werden. Wir wollen zu einem Offenstall mit 2 Abfohlboxen ändern, so dass die Stute zukünftig wenn sie tragend ist, keinerlei Stehzeiten mehr hat und sich immer bewegen kann und muss.
Der große Stall (derzeit 6 große Boxen, die alle als Abfohlbox genutzt werden können) wird dann in 3 Abteilungen geteilt.
2 Boxen mit variablen Wänden, die je nach Bedarf herausgenommen werden können. Eine halb in den großen Bereich reichende Trennwand um auch rangniederen Pferden Ruhezonen bei schlechtem Wetter zu bieten. Bei gutem Wetter sind unsere Pferde sowieso lieber draußen. Unsere Stuten (selbst die gepachtete Stute, die immer zum Abfohlen eingestallt wurde) haben in den letzten 3 Jahren sogar auf der Wiese abgefohlt (haha, und wir haben extra eine schwenkbare Stallkamera, die Mädels haben und ganz schön zum Narren gehalten).

So soll ein Aktivstall entstehen. Zum Füttern können dann einfach kleine Futterabteile mit weißem Band gezogen werden.

Der Verpächter ist einverstanden. Jetzt muss nur noch die Statik geprüft werden.

Geändert von Rough-Diamond (09.01.2012 um 23:20 Uhr)
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