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Alt 13.02.2012, 10:06   Erlernte Hilflosigkeit, Rollkur, Erziehung Beitrag #1
Ikke
Gnadenbrotpferd
 
Registriert seit: 21.08.2010
Bilder: 3
Hallo zusammen,

also, wenn nicht hier, wo dann. Sollte es hier dennoch falsch sein, dann bitte verschieben.

Es gibt ja nun einige Threats über Rollkur, über Erziehung und über Ausbildungsmethoden.
Nun habe ich mir mal ein paar (vielleicht unsinnige) Gedanken über all das gemacht und frage mich:

Es gibt fürchterliche Haue, wenn bei Pferden die Rollkur Anwendung findet. Zu recht, wenn sie gewaltsam herbeigeführt wird. Nun wurde LDR ins Leben gerufen, was besagt, daß ein tiefes, rundes Einstellen ohne reiterliche Gewaltausübung über kurze Zeit nicht in Tierquälerei einzustufen ist. Einerseits wird behauptet, es gymastiziert - andererseits spricht man von erlernter Hilflosigkeit - noch andere sprechen von "das Pferd unterwerfen".
Nun versuche ich mal meine wirren Gedanken in einem Bogen zur "Erziehung" zu lenken. Was tun wir denn da mit unseren Pferden? Ist das nicht auch erlernte Hilflosigkeit, wenn wir unserem Pferd immer wieder klarmachen (notfalls tun wir das ja nun auch mit Gewalt) daß es keinen Sinn hat, uns beim Führen zu überholen - daß es zwecklos ist zu versuchen, sich loszureißen. Wir fordern tausend Dinge von unserem Pferd - mit zich verschiedenen "Methoden" und wir sind eisern darauf bedacht, daß es sich nicht widersetzt. Zeigt sich das Pferd anschließend Gehorsam und folgt uns willig, interpretieren wir das als Vertrauen.
Ist es das? Oder ist es nur das Erkennen, daß Widerstand zwecklos ist?
Wie mache ich das beim Reiten?
Kann ich nicht auch da durch gezielte Übungen (ja, das spielt jetzt auf das LDR ab) erreichen, daß das Pferd sich nicht widersetzt und wir dennoch von Vertrauen sprechen können?
Warum muß das Pferd am Boden lernen, daß Widerstand zwecklos ist (teilweise auch mit sehr unfairen Mitteln) und warum darf es das unterm Reiter nicht?
Wobei ich jetzt bitte AUSDRÜCKLICH darauf verweisen möchte, daß die Anwendung der Methoden (gleich ob unterm Reiter oder am Boden), die letztlich zum Gehorsam führen selbstverständlich NUR da Anwendung finden dürfen, wo eine entsprechend geschulte Hand am Werk ist.
Der Totilas Thread hat mich auf diese Gedanken gebracht, weil ich überlegt habe, WARUM das Pferd unter Gal so gelassen war und freudig und voller Ausstrahlung - und warum er es jetzt nicht mehr ist.
Kann es daran liegen, daß sein vorheriger Reiter genau den gleichen Grat unterm Sattel beschritten hat, wie wir das täglich mit unseren Pferden an der Hand machen - und bei der Bodenarbeit? Das ganz ausgewogene Verhältnis zwischen: Nicht brechen, aber dennoch gefügig machen - gehorsam sein, aber dennoch die Freude am Miteinander behalten? Die dann letztendlich ihrem Reiter vertrauen? Weil sie ganz klare Grenzen gesetzt bekommen und gleichermaßen ihr Gehorsam ausreichend honoriert wird?




Ich weiß, daß das Thema sehr brisant werden könnte. Deshalb fände ich es toll, wenn trotzdem jeder versuchen könnte, sich freundlich zu äußern. Es wäre schade, wenn es in gegenseitigen Beschimpfungen ausartet.

Mich interessiert einfach, ob nur ich da Parallelen sehe, oder ob ich komplett falsch gewickelt bin - oder ob der Umgang mit dem Pferd an der Hand so viel anders sein darf, als unterm Reiter.
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Alt 13.02.2012, 10:42   Erlernte Hilflosigkeit, Rollkur, Erziehung Beitrag #2
Kyralina
Gnadenbrotpferd
 
Benutzerbild von Kyralina
 
Registriert seit: 16.05.2006
Ort: 63801
Bilder: 11
Du meinst also unter Gal war Totilas generell voller Freude bei der Arbeit ...
nun ist er das nicht mehr ?

Das das Pferd die letzte Zeit immer irgendwie orientierungslos wirkte finde ich auch ... was ich auch verständlich finde, wenn ein Pferd permanent durchaus "zusammengeknebelt" wird und sich natürlich freut wenn das mal für 5 Minuten nicht der Fall ist ... Ich kan nmir schon vorstellen, das ein Pferd, das es ausscließlich kennt, so geritten zu werden, dann auf einmal hektisch und unsicher wird und total unzufrieden ... auch wenn die Zielrichtung der Reiterein eigentlich besser war ...

Eine Stallkollegin hatte mal angedacht für ihre Physiotherapeuten-Prüfung etwas zum Thema Rollkur zu machen ... mein test zu diesem Thema war: nett bekam ich meinen Wallach (der sich als ich ihn kaufte bis zur Brust aufrollte um sich zu entziehen) max ganz leicht hinter die Senkrechte und das fand er doof und wurde dann auch krätzig. Gerollt hätte ich den nur mittels richtig Kraft bekommen - Schlaufzügel oder Kandare und wahrscheinlich gegen massiven Wiederstand ...

Den hätte man sicher dann auch brechen können ... aber alleine der notwendige Aufwand und die Reaktion des Pferdes fand ich interessant und eindrücklich ... das Pferd wollte partout nicht in diese Position, die es sogar mal als bequemen Ausweg empfand und was ihm anatomisch sogar leicht fällt (sehr viel Ganaschenfreiheit, Hals nicht zu massig, normal angesetzt) ...

Aber das hatte für mich schon was von: will ich garnicht ...
Das Pferd ist in dieser Position m.E sehr wehrlos ... wenn sie es nicht anders kennen, kann ich mir aber vorstellen, das ein Pferd so dann sehr zufrieden läuft ... es kann alles dem Reiter überlassen und gute Führung ist bei Pferden ja oft gerne genommen ....

Das ist dan sicher so ein Effekt: wenn ich ein Pferd ausreite, das es gewohnt ist, immer rundherum von Hilfen eingerahmt zu sein und ich lasse es einfach am langen Zügel dümplen ... da kann man sein blaues Wunder erleben wonach ein pferd dann auf einmal glotzt, weil es sich alleine gelassen fühlt und dem nicht gewachsen ist
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Alt 13.02.2012, 10:48   Erlernte Hilflosigkeit, Rollkur, Erziehung Beitrag #3
Quoth_the_Raven
Lehrpferd
 
Benutzerbild von Quoth_the_Raven
 
Registriert seit: 04.04.2010
Ort: Steinfurt
Zitat:
Es gibt fürchterliche Haue, wenn bei Pferden die Rollkur Anwendung findet. Zu recht, wenn sie gewaltsam herbeigeführt wird. Nun wurde LDR ins Leben gerufen, was besagt, daß ein tiefes, rundes Einstellen ohne reiterliche Gewaltausübung über kurze Zeit nicht in Tierquälerei einzustufen ist. Einerseits wird behauptet, es gymastiziert - andererseits spricht man von erlernter Hilflosigkeit - noch andere sprechen von "das Pferd unterwerfen".
Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich mein Pferd gewaltfrei "tief einstellen" sollte. Ich denke, kein Pferd "stellt sich einfach mal tief ein", es ist vielmehr der Versuch den Schmerzen zu entfliehen, die duch dieses "tief einstellen" verursacht werden. Letztenendes erfolgt dieses ja über Gebisseinwirkung auf die Zunge, dies ist unangenehm und das Pferd weicht. Das hat für mich nichts mit Gewaltfreiheit zu tun.

Ich weiss ja nicht, welche Methoden am Boden du explizit meinst, die unfair sein sollen. Klar kann man einem Pferd auch mit Kappzaum weh tun. Aber ich finde trotzdem, dass die Zunge viel empfindlicher ist( Schleimhäute, dichtes Nervengeflecht) und deswegen das Gebiss NIEMALS dazu benutzt werden soll, das Pferd zu maßregeln, oder zu "erziehen", wenn man das so nennen will.
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Alt 13.02.2012, 10:58   Erlernte Hilflosigkeit, Rollkur, Erziehung Beitrag #4
Ikke
Gnadenbrotpferd
 Threadersteller 
 
Registriert seit: 21.08.2010
Bilder: 3
Kyralina - ich meine eben nicht permanent.
Wenn solche Dinge übertrieben werden (sowohl unterm Reiter, als auch an der Hand) habe ich solche Zappelphillips, die einfach nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht.
Wenn ich ein Pferd ständig nur mit Kette führe, dann habe ich auch ein sehr explosives Exemplar, sobald die Kette ab ist.
Aber Gal konnte doch durchaus sein Pferd "loslassen" ohne daß er explodierte. Im Gegensatz zu dem, was wir jetzt zu sehen bekommen. DA wird meines Erachtens nach etwas, was man vom Hörensagen kennt versucht ohne daß man den Punkt x kennt, der das Ding ins Gegenteil wandelt.

Ich denke da eher daran, das tief-rund zu nutzen um eine Grenze deutlich zu machen, wenn es notwendig erscheint. Anstatt die Sporen oder die Gerte zu nehmen (oder den Ruck am Zügel) - wie auch gerne gesehen.
Könnte das nicht genauso zu Vertrauen führen, wie das "Grenzen zeigen" am Boden? Als konsequente Maßnahme, wenn Widersetzlichkeiten sich anbahnen?
Immer vorausgesetzt, es wird nicht mit Gewalt herbeigeführt.
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Alt 13.02.2012, 11:29   Erlernte Hilflosigkeit, Rollkur, Erziehung Beitrag #5
Kyralina
Gnadenbrotpferd
 
Benutzerbild von Kyralina
 
Registriert seit: 16.05.2006
Ort: 63801
Bilder: 11
@Ikke: die meisten Pferde bekommst du aber ohne richtig Kraft da garnicht einfach hin ... ausser du fängst das m.E gezielt mit dem Jungpferd an, das oft ja noch dazu neisgt sich freiwillig in die Richtung zu entziehen ...

Ein Pferd, was da weiter ist, sträubt sich dagegen ... und das muss ja einen Grund haben ... aber du bekommst es da "nett" nicht hin ... laut Zeugenaussage kam ich mit feundlichem Nachfragen und selbst mit Hand mal stehen lassen aus Nase auf Buggelenkshöhe max auf leicht hinter die Senkrechte ... und das fand Pferd nicht gut ... das müsste man also dann auch erst mal tranieren, das diese Haltung gewünscht ist und belohnt wird ... offenbar ist die nicht so toll un dbequem das ein PFerd sich drüber generell freut ...
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Alt 13.02.2012, 12:36   Erlernte Hilflosigkeit, Rollkur, Erziehung Beitrag #6
Lobel
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Benutzerbild von Lobel
 
Registriert seit: 26.11.2009
Blog-Einträge: 22
Zitat:
Zitat von Kyralina Beitrag anzeigen
Gerollt hätte ich den nur mittels richtig Kraft bekommen - Schlaufzügel oder Kandare und wahrscheinlich gegen massiven Wiederstand ...
Die Krux ist, dass man diesen Kraftaufwand nur ein paarmal hat und braucht, danach haben die schon gelernt, wo sie den Schädel hinstellen sollen, damit es "angenehm" wird und dann kann man "gewaltlos" rollen.

Ikke, ich denke allerdings, dass Du in der Tat einen entscheidenden Denkfehler in Deinen Überlegungen drin hast.

Nämlich die anatomische Gegebenheiten des Pferdes und die Auswirkungen der jeweiligen Maßregelungen. Wenn ich ein Pferd bei drängeln/überholen 5x rückwärts schicke, dann wirke ich da nicht gegen die Anatomie. Was ich bei der Rollkur aber in der Tat mache.

Dies ist meiner Meinung nach dementsprechend nicht miteinander zu vergleichen.
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