Nicht nur in den großen Rennen laufen nur Vollblüter. Vollblüter sind die einzigen Pferde, die Rennen laufen. Ausnahme: In Niedersachsen und in kleinerem Umfang im Saarland werden auch
Halbblüter für die Rennbahn gezüchtet. Die sind aber von der Blutführung de facto keine
Halbblüter, sondern mindestens 31/32-Blüter, wenn nicht mehr, aber das Vorhandenseins eines Hannoveraners in der x-ten Generation sorgt dafür, dass diese Pferde und ihre Nachkommen bis ins letzte Glied keine Vollblüter, sondern
Halbblüter sind. Außerdem gibt es Rennen für Arabische Vollblüter, aber die spielen nur eine untergeordnete Rolle bei uns.
Das mit dem Pferd für 1000 € mag Glück für den sein, der einen Vollblüter als Reitpferd kauft, der nach ein paar erfolglosen Versuchen aus dem Rennsport ausscheidet. Für ein aktives Rennpferd bezahlst du meist deutlich mehr. Nach oben sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Ein aktives Rennpferd, das Ausgleich III oder IV läuft, dürfte zwischen 5000 und 15000 € kosten.
Ausgleich III, was ist denn das? Wie in deinem PC-Spiel hat jedes Pferd ein "Handicap": Wenn es dreimal gelaufen ist oder einmal gewonnen hat, teilt ihm der ausgleicher ein fiktives Gewicht zu, das dieses Pferd tragen müsste, wenn alle in Deutschland aktiven Rennpferde unter gleichen Bedingungen gegeneinander laufen sollten. Dieses Gewicht heitßt
GAG (Generalausgleichsgewicht) Ein Pferd, das mehrmals gewonnen hat, müsste dann z. B. 80 kg tragen, ein nach einigen Rennen immer noch unplaziertes nur 50 kg, so dass theoretisch auch das schwächere gewinnen könnte.
Natürlich trägt das gute Pferd keine 80 kg im Rennen. Dafür gibt es dann die Ausgleichsrennen, in denen Pferde mit ungefähr gleicher Rennklasse gegeneinander laufen. Im Ausgleich IV tragen die Pferde tatsächlich ihr
GAG - manchmal kommt auch für alle etwas dazu oder es wird für alle das Gleiche abgezogen -, im Ausgleich III werden davon 6 - 10 kg abgezogen, so dass unser 80kg-Pferd mit 70 kg starten müsste. Das ist immer noch zu viel. Also nennen wir es im Ausgleich II, wo etwa 12 - 20 kg abgezogen werden, oder gleich im Ausgleich I.
An sich ist der Rennsport für die Pferde nicht schädlich. Hier findet eine Zuchtauslese auf Härte und Geschwindigkeit statt, was eigentlich die der Natur nächststehende Selektion ist. Die Pferde tun dabei etwas, was sie gern tun und von Natur aus gut können, nämlich schnell rennen. Aber natürlich gibt es auch in diesem Sport Schattenseiten: Besonders zu nennen ist dabei der Zustand des Hindernissports in Deutschland, bei dem es doch recht oft zu traurigen Zwischenfällen kommt.
Außerdem werden die Pferde sehr früh in den Rennstall gebracht - oft schon als Jährlinge. Allerdings sind Vollblüter sehr viel frühreifer als andere Pferderassen. Ich staune immer wieder, wenn ich eins der - in Deutschland sehr wenigen - Rennen für Zweijährige sehe, wie entwickelt diese Pferde doch sind. Wenn ich das mit meinen Fjordfohlen vergleiche... Das soll aber nicht heißen, dass jedes Rennpferd zweijährig erstmals läuft. In Deutschland ist das inzwischen eher die Ausnahme.