Er vermutet, dass man es nicht kann. Er führt weiterhin als Hypothese (!) an, die Töltmechanik käme aus einem "anderen" Muskelsystem als die anderen Gänge ("autochtones System"). Zusammen mit ein paar eindeutigen Irrtümern (keine überlieferte Reitlehre bei den Iberern, stundenlanges Gebrauchsreiten zum Viehtrieb als Standardaufgabe für Islandpferde) droht er den gleichen stragegischen Fehler zu begehen wie schon einmal: Aus seinen an sich sinnvoll-kritischen, da zum Nachdenken anregenden, Gedanken wird wieder implizit eine Gegnerschaft an der Start gebracht: Nach der Dressur (Akteure: Philippe Karl und Heuschmann gegen "den" Sport und "die"
FN) kommt nun die Gangpferdeszene dran. (Nichts gegen die Argumente, nur gegen das unglückliche Agieren der Beteiligten).
Ein paar eigene Gedanken zum Argument: keine HDV12 für Isländer
- die Reitlehre geht prinzipiell von einer enormen Heterogenität des "Pferdematerials" aus, sie wurde schon gar nicht für den HEUTIGEN Typ Warmblüter "geschrieben". Wer die Texte liest, stolpert doch geradezu über Differenzierungen zwischen langen, kurzen, leichten, schweren, tiefen, hohen Hälsen, ferner über lange und kurze Rücken, hohen und niedrigen
Tonus etc..
-Wer ein Pferd klassisch ausbilden kann, kann auch einen Isländer klassisch ausbilden. Wenn er sein Handwerk wirklich versteht, und nicht nur ein Popelscheinchen der
FN vorweisen kann, das ihn gerade dazu befähigt, Stangenpferde vom Typ "Sport-Warmblut" in Haltung zu zwirbeln - und das meist noch mit bescheidenen Erfolgen.
- das Problem liegt nicht an "unpassenden" Reitvorschriften, sondern unqualifizierten "Trainern". Das haben die
FN und der
IPZV gemeinsam verbaselt, weil sie die Verfreizeitlichung der Reiterei nicht besser begleitet haben.
Es ist ein Witz, dass heutige Freizeitreiter Unsummen für Mittelchen und mechanisches Zeug ausgeben und fast niemand ein Bewusstsein für eine gezielte Reitlehrerwahl hat. Ich betone "Lehrer" und nicht die Trainer-Pappfiguren, die aufgrund von ein paar Kürschen und gewonnenen Turnieren auf Pferd und Reiter losgelassen werden.
Wer ein Pferd solide 2-3 Jahre als Grundschulung in den Grundgangarten als Gebrauchspferd ausbildet, kommt UNWEIGERLICH (wenn es an das Schulterhervor etc. geht) auf die Gangveranlagung. Dann entscheidet sich ganz schnell, ob das Pferd genügend Tölt hat oder nicht. Wenn es genügend Tölt hat, ist der auch reell zu erreiten. Wenn nicht, halt nicht. Dann hat man ein schönes Freizeitpferd aus einer rustikal-charmanten Robustrasse. Wie bei jedem anderen Pferd muss man sich eben erst nach dieser Grundschulung entscheiden, wo man es fördern kann. Vielleicht springt es gerne? Hat Sehnsucht nach Distanzen? Macht gerne Trailaufgaben mit seinem Menschen?
Sorry, wurde etwas lang.