Hallo ihr Lieben,
kennt ihr sie auch, die Montagspferde? Die das Unmögliche möglich machen und sogar an einem Schaumgummiball eine spitze Ecke finden würden, an der sie sich verletzen?
Ich musste gestern wieder feststellen, dass ich stolze Besitzerin eines solchen Exemplars bin

Und immer wieder schwanke ich zwischen Erstaunen, Hochachtung und Verzweiflung.
Vorab: Eigentlich ist meine 11jährige Stute kerngesund. In der Blüte ihrer Jahre. Gehört als Araber angeblich zu den robusten, harten Vierbeinern.
Nunja, "eigentlich" und "angeblich" sind scheinbar dehnbare Begriffe.
Als Fohlen hat sie es geschafft, sich den hinteren rechten Huf zu spalten. Kein Problem, ist gut verheilt und nur ein Schönheitsmanko geworden (wildes Horn bis über den Kronrand). Wir sind ja alle nicht perfekt.
Ich habe sie 9jährig übernommen. Wenig später zeigte sie mir, dass sie mit eiweißhaltigerem Heu nicht gut klar kommt. Wir sind knapp an einer Rehe vorbeigerutscht. Gut, kein Thema, da kann man ja drauf achten.
Wenige Wochen später hat sie es auf der Weide geschafft, sich die vordere Fesselbeuge (mit ihrem unbeschlagenen Hinterhuf) durchzutreten. Kann ja mal passieren, ist ja auch nicht uninteressant, dem
TA beim Nähen zuzusehen und das eigene Pferd mal sediert zu erleben.
Eine weitere Besonderheit meines Exemplars ist die Emfindlichkeit VOR der Gurtlage. Sobald das Bäuchlein etwas dicker wird, kommt es VOR der Gurtlage zu Scheuerstellen. Trotz "weiter-hinten-Sattelns", verschiedener Gurte, salben, ölen, schmieren.... Gut, auch egal, dauert meist nur 2-4 Wochen, bis man sie wieder reiten kann. Und so eine Bodenarbeitsphase kommt ja bekanntlich dem Pferd-Mensch-Team sehr zu Gute.
Da ich selbst zu der "Stolpern- Gegenlaufen- Hinfallen-Fraktion" gehöre, nehme ich es ihr auch nicht übel, dass sie JEDE Gelegenheit nutzt, um irgendwo vorzusemmeln (Boxenschiene auf dem Boden - jeden Tag, Schiene der Führanlage - jedes Mal), auszurutschen (meist vor Aufregung, wenn sie vergisst, dass sie 4 Beine hat, die sortiert werden wollen) oder hinzufallen (wenn sie zum Beispiel an einem vorbeistürmen möchte und man die Dreistheit besitzt, ihren Kopf zu einem zu drehen, was bei ihr leider scheinbar zu Gleichgewichtsverlust führt)

Sie mag übrigens Hänger mit Frontausstieg. Gibt es diese Vorrichtung nicht, dann nutzt sie dennoch die kleine Öffnung vorne, indem sie auf die Größe eines Shettys schrumpft, unter der Stange (in Ponyhöhe!) durchrutscht und vorne raushüpft. Wer nicht daneben stand, glaubt es eh nicht. Macht nichts, sie trägt den Beweis (trotz Transportgamaschen) an den Vorderbeinen.
Man gewöhnt sich an vieles, auch daran, dass sie sehr solidarisch anderen Pferden gegenüber ist. Frei nach dem Motto "Hustet eins, hustet auch meins", leidet sie mit ihren vierbeinigen Kumpeln.
Und manchmal - jaaa, manchmal - da schafft sie es, ALLES innerhalb kurzer Zeit anzuziehen.
Nehmen wir als Beispiel dieses Jahr:
Anfang des Jahres: Pony hustet. Arme Maus.
TA spritzt, verordnet Equimucin, und 1 Woche später ist der Husten Gott sei Dank weg. Eine weitere Woche schonend reiten, Pony ist wieder gesund.
3 Wochen später: Pony guckt mich an, schüttelt sich, und ich denke "Bah! Jetzt hab ich deinen Schnodder im Gesicht!", um eine Sekunde später festzustellen: War kein Schnodder. War Blut. Ein Blick auf ihr rechtes Ohr zeigt: Das Ohr saftet wie Hulle. Ermittlungen von Samford-Holmes ergaben, dass sich sich wohl mit ihrer Boxennachbarin in die Wolle bekommen hat und diese ihr während des Zoffs das Ohr angeknabbert hat.
Armes Pony. Verarztet. Ist gut verheilt, jetzt ist das Ohr zwar etwas verkrüppelt, aber Nobody is perfect.
Wenige Wochen später: Der Matsch draußen legt sich, die Pferde kommen auf die Weide. Pony bekommt
Mauke. Gefahr erkannt - Gefahr gebannt. Direkt behandelt,
Mauke verschwindet.
3 Wochen später (wir sprechen mittlerweile übrigens von Anfang Juni - also von diesem Monat!): Pony hustet. Direkt
TA gerufen. Gespritzt - Equimucin - Pony nach einer Woche wieder gesund.
1 Woche nach Hustenbeginn: Pony steht mit 4 dicken Beinen in der Box und läuft klamm. Armes Pony. Gekühlt. Am nächsten Tag sind die Beine noch angelaufen, aber nicht mehr heiß. Pony läuft klar. Sattel drauf, um sie leicht zu bewegen. Resultat. Hurra! Beine sind wieder klar!
Blöd nur, dass sie nun wieder eine offene Stelle VOR der Gurtlage hat. Armes Pony. Scheuerstelle wird täglich geschmiert.
Vor 4 Tagen: Hurra! Die Krusten der Scheuerstelle sind weg, jetzt kann das Fell nachwachsen! Aber dafür hat das Pony den Hintern offen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Irgendwie hat sie es geschafft, sich die rechte Hinterbacke aufzureißen. Kurz mit ein paar Stallleuten beratschlagt und zu dem Schluss gekommen, dass nicht genäht werden muss. Also verarztet und Silberspray drauf.
Gestern: Der Hintern sieht ganz gut aus. Die Wunde ist zu. Weiter verarzten und schmieren, damit es schnell ganz abheilt. Blöd nur, dass das Pony beim Putzen plötzlich den Rücken ruckartig durchdrückt, wenn ich dran komme. Noch 2-3x mit den Fingern entlang der Wirbelsäule gestrichen, und es wurde bestätigt: Pony hat Schmerzen im Rücken.
Gut, das werde ich jetzt 1-2 Tage weiter beobachten, bevor ich überlege, ob ich dafür besser
TA und/oder Osteopath kommen lasse.
Ansonsten ist Madame wirklich kerngesund

Blutbild ist super, sie kommt in ihrer Herde prima klar und steht von morgens bis abends draußen, wird täglich gemistet, bekommt gutes Futter, das Sattelzeug passt und so weiter, und so fort.
Und ich weiß, dass es hier Pferdebesitzer gibt, die wirklich allen Grund zur Verzweiflung haben, weil ihre Pferde ERNSTHAFT krank sind und ich im Vergleich zu denen weder meckern darf noch will.
Aber manchmal möchte ich einfach schreiend im Kreis laufen!
Madame ist ja nun weiß Gott nicht mein erstes Pferd. Aber so häufig war noch nie eins meiner Pferde außer Gefecht. Zumal wir uns meist abwechseln. Ist das Dickerchen gesund und vital, bin ich entweder beruflich so eingespannt, dass ich kaum zu was komme, oder aber ich liege selbst flach. Herrlich.
Und jetzt beruhigt mich bitte, indem ihr mir mitteilt, dass ich nicht alleine bin mit meinem Montagspferdchen

Welche Kleinigkeiten (oder auch nicht) lassen sich eure Pferde einfallen, um euch bei Laune zu halten?