Wozu soll die Übung denn gut sein?
Ganz grundsätzlich empfinde ich (das ist meine Meinung) ein relativ kurzes und kurzwegiges abwechselndes Annehmen und Nachgeben des rechten und linken Zügels als Riegeln.
Ich verwende selber das einseitige !und extrem behutsame! Annehmen eines Zügels zur vorsichtigen Dehnung der Halsmuskulatur, dabei lass ich erst die eine Seite und dann die andere dehnen. Dabei darf man aber nie grob am Zügel ziehen, sondern nur vorsichtige Impulse geben, bis das Pferd den Kopf von (fast) alleine beugt.
Aber das, was du beschreibst, scheint einen anderen Zweck zu haben, der sich mir nicht ganz erschliesst! Klär mich mal genauer auf, dann kann ich dir sagen, was ich davon halte.
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Mir kommt gerade der Gedanke, dass deine
RL damit evtl. den Versammlungsgrad erhöhen will. Aber wenn das so ist, dann "zäumt sie das Pferd verkehrt herum auf"!
Um den Versammlungsgrad zu erhöhen, muss das Pferd zunächst taktrein laufen, dann bringt man das Pferd mit Gymnastik, Sitz und Schenkelhilfen dazu, immer mehr mit der Hinterhand unterzutreten. Wenn man das richtig macht, klappt das auch hervorragend ohne oder mit hängenden Zügeln (siehe Klassische Reitweisen). Leider wird es meistens falsch gemacht (auch und gerade im Dressursport) und man versucht das Pferd zu versammeln, in dem man es "gegen den Zügel treibt" Damit erreicht man aber keine echte Versammlung (auch wenn
FN-Richter das oft anders sehen) sondern nur eine Mischung aus halbherziger Versammlung und Aufrollen.
Schau dir mal ein altes Reiterstandbild aus dem Barock oder ein Stierkampfpferd (ich befürworte nicht den Stierkampf!!) an, die sind vorne (am Wiederrist) viel höher als an der Kruppe - das ist echte Versammlung. Und in diesem Stadium beugt das Pferd völlig ohne Zutun des Reiters den Hals, weil seine Statik das ermöglicht und notwendig macht. Und nur so ist das Pferd in der Lage, das Reitergewicht vollständig und dauerhaft ohne Schäden für seine eigenen Gelenke zu tragen, weil die Hinterhand flexibel ist und das Gewicht gut abfedern kann, die Vorderhand kann das nicht und es kommt auf Dauer zu Gelenkschäden. Dieses Stadium erreicht man aber nur mit Geduld - und die haben die meisten Reiter eher nicht.
In der Hohen Schule gilt ein Pferd erst so mit 15-20 Jahren als voll leistungsfähig, da gehen viele Sportpferde schon in Rente und
Arthrose und
Spat machen sich bemerkbar. Aber welcher ambitionierte Reiter macht schon gerne 20 Jahre Bodenarbeit und Gymnastik, bevor er sein Pferd beim Grand Prix vorstellt!
Vergleich mal (nur so zum Spass) eine barocke Pferdeabbildung mit einem erfolgreichen Dressurpferd! Da sieht man deutlich den Unterschied zwischen echter und von vorne erzwungener Versammlung.