Kennt Ihr anderen Pferdebesitzer das auch, daß kein Sattel paßt?
Mein erster Friese bekam vor über 20 Jahren seinen Sattel maßgefertigt, weil es damals noch keine Dressursättel mit dieser Kammerweite gab. Dieser Sattel paßte dann zwar seinerseits auf alles, was 4 Beine hatte, aber umgekehrt paßte auf meinen Friesen nur dieser eine Sattel.

Nun habe ich ja vor über 10 Jahren einen neuen Friesen bekommen, dem Gott sei dank ebenfalls dieser Sattel paßte, aber wiederum leider auch kein anderer. Dummerweise entdeckte ein Sattler vor 4 Jahren bei einer Routine-Reparatur, daß der Sattelbaum gebrochen war, worauf ich mich entschloß, meinem Ibo einen neuen Sattel angedeihen zu lassen. Während meiner Suche ritt ich immer noch mit dem defekten Sattel weiter, denn diese Suche dauerte endlos lange und ist leider noch lange nicht abgeschlossen.

Inzwischen habe ich glaube ich alle gängigen Marken an Dressursätteln durch. Mehrere verzweifelte Sattelverkäufer haben schon meinen Hof erzürnt bis frustriert wieder verlassen.
Der Sattel sollte bestimmte Voraussetzungen erfüllen, was eh nur bei wenigen Sattelmarken gegeben ist.
- er darf auf jeden Fall kein Keilkissen haben (wegen dem kurzen Rücken des Pferdes)
- er muß am Vorderzwiesel weit zurückgeschnitten sein
- die Sattelblätter müssen ganz senkrecht angebracht sein (Schulterfreiheit)
Und dann noch als Wunsch von mir persönlich
- keine, oder nur ganz wenig Pauschen
- kurze Strippen für langen Sattelgurt (da Bandscheibenschaden)
Eine dieser Marken, wo man das alles so kriegen kann, ist z.B, Passier. Ich also bei Passier nach Händlern nachgefragt und eine Liste erhalten. Den erstbesten angerufen, ob er mal mit einigen Passiersätteln zur Anprobe kommen könne. Ja denkste. O-Ton Sattelhändler:
- wo denken Sie hin? Meinen Sie ich lege mir sooooo teure Sättel auf Lager?. Wenn, dann muß ich einen bei Passier anfordern, den müssen Sie aber dann auch nehmen......

Egal, die Liste, die ich bekommen habe, ist ja lang. Nehmen wir doch einfach den nächsten Händler, der eben etwas weiter weg wohnt.
O-Ton Händler:
-ja, ich habe einen Passier auf Lager, aber der hat ein 29er Kopfeisen. Wenn ich den zur Anprobe ändern muß, bzw. wenn ich von Passier einen anderen bestellen soll, müssen Sie den dann aber auch nehmen.

Mehrere verschiedene Passier-Sättel auszuprobieren erwies sich geradezu als total unmöglich. Nachdem ich die ganze Liste abgearbeitet hatte (und über 100,- € vertelefoniert) war klar: keiner will mir einen Passier verkaufen, wenn ich den im Vorfeld Probereiten will.
Nachfragen bei Passier selbst bestätigten diese Vorgehensweise als durchaus üblich und man könne mir dann eben nicht weiterhelfen.

Nach weiterer Suche war dann klar: ich lasse wieder einen Sattel anfertigen. Zufällig fiel mir ein Prospekt der Firma Cobra in die Hand und in mir reifte die Überzeugung: der isses!

Es kam auch zügig ein Mitarbeiter dieser Firma, der meinen Friesen milimetergenau ausmaß, mir erzählte, daß mein alter Sattel eh eine qualitätslose Billigmöhre gewesen sei, und daß ich demnächst mit Cobra in den höchsten Reitsphären schweben würde, auf einem total dankbaren Pferd, daß durch diesen Sattel in all seiner Körperlichkeit unterstützt würde.

Der Sattel war auch pünktlich fertig. Leider hatte ich gleich beim Probereiten "so ein diffuses komisches Gefühl". Naja, der muß halt erst eingeritten werden. Während der folgenden 2 Wochen verweigerte mir das Pferd jegliche Arbeit. Angefangen mit fliegendem Wechsel, danach ließ er sich plötzlich nicht mehr aussitzen. Im Gelände weigerte er sich plötzlich, berg-runter zu gehen. Nach meiner Reklamation wurde der Sattel dann noch 2 Mal nachgebessert, wobei auch nach den Änderungen das Pferd immer noch weiter unrittig wurde. Zuguterletzt verweigerte er mir sogar aufzusteigen, und in späterer Folge gab er auch keine Hinterhufe mehr zum Auskratzen.

Das ganze Reklamationsspiel zog sich dann noch über ein halbes Jahr hin, bis ich mein Geld zurückhatte, um weiter nach einem neuen Sattel zu suchen.
Die THP, die meinen Friesen wegen der, wegen dem Sattel aufgetretenen Rückenprobleme behandelte, wußte einen tollen Sattler in Warendorf, der "alles möglich machen kann". Mein letzter Ausweg.
Sattler kam, und meinte, mein "Alter" würde ja hervorragend passen. Unwahrscheinlich, sowas mit einem anderen Sattel nochmal so gut hinzukriegen. Deshalb schlug er vor, er könne den Baum einfach reparieren und dann einen neuen Sattel drumherum bauen, nach genauen Maßen des Alten.
Hm.........Zwickmühle. Wenn ich den Alten mitgebe, kann ich natürlich in der Zeit nicht reiten. Andererseits hört sich diese Alternative verlockend an. Er versprach mir, nur ca. 4 Wochen zu brauchen (vielleicht auch eine Woche länger). Das ganze war mitte Juli. Heute, 4 Monate später, habe ich ihn immer noch nicht zurück. Mein Pferd konnte ich die ganze Zeit natürlich nicht reiten (hier und da mal ohne Sattel ins Gelände, naja). Nachdem ich schlußendlich vermehrt Druck gemacht hatte, kam gestern die Nachricht, daß er meinen Sattel wohl am letzten Samstag an mich versandt hatte und daß er nun auf dem Postweg verschwunden sei.

Ich weiß nicht, ob einer von Euch nachvollziehen kann, wie mir im Moment zumute ist. Mein Friese ist jetzt 11 Jahre. Ich befürchte einfach, zu seinen Lebzeiten keinen passenden Dressursattel mehr für ihn zu finden.
LG fuexjen