Hallo zusammen,
ich stecke im Moment in einer Zwickmühle und es würde mich interessieren,
was die eingefleischten Spezialisten dazu sagen, bzw. mir raten können...
Ich hoffe, ich bin im richtigen Unterforum, weil es um Erziehung nach Monty Roberts,
Parelli,
Tellington oder so geht.
Ich habe meinen Wallach Torrance als Jährling bekommen und nun ist er mittlerweile 5 ½ Jahre alt. Seit 2 ½ Jahren ist er unter dem Sattel. Beim Reiten und dem allgemeinen Umgang gab es keine Probleme. Nur mit dem Verladen haperte es irgendwie. Anfangs ging es noch und ich bin regelmäßig zum Reitunterricht gefahren. Dann wurde das Einsteigen irgendwie immer schlimmer, dauerte länger und Torrance ging immer öfter rückwärts. Beim letzten Seminar, das wir besuchten, dauerte es zwei Stunden ihn für die Rückfahrt in den Hänger zu kriegen....
Ich wußte, so kann das nicht weiter gehen und ich besorgte mir professionelle Hilfe.
Ein Monty-Roberts-Trainer hat sich unser angenommen (ein namhafter Trainer, dessen Namen ich aber aus political correctness natürlich nicht öffentlich in einem Forum nennen möchte.)
Seine „Diagnose“:
Ich mache eigentlich alles falsch, was man falsch machen kann.
Ich vermenschliche das Pferd zu sehr, ich verhätschele das Pferd zu sehr, ich rede mit ihm, ich schaue ihn an und füttere sogar aus der Hand, ich bin kein Anführer, für mein Pferd bin ich nicht der Chef!
OK, also arbeiteten wir hart daran. Wir haben bisher 6 bis 8 Stunden Einzeltraining gemacht, ich war danach jedesmal erschöpfter als das Pferd, weil ich ja diejenige bin, die ihr Verhalten komplett ändern mußte.
Ich habe meinen ganzen Umgang mit Torrance umgestellt.
Der Erfolg spricht für sich: brav latscht Torrance hinter mir her in den Hänger.
ABER:
Unsere gesamte Beziehung ist auf den Kopf gestellt, wir haben nicht mehr das freundschaftliche Verhältnis, das wir hatten (oder von dem ich glaubte, das wir es gehabt hatten..)
Mustergültig trottet Torrance beim Führen hinter mir her, den Kopf gesenkt mit gebührendem Abstand. Bleibe ich stehen, steht er auch wie eine Eins. Bei sämtlichen Arbeiten (Putzen, Gamaschen anlegen, etc.) steht er da wie angenagelt und bewegt sich keinen Zentimeter – den Kopf gesenkt starrt er ins Leere....
Das ist kein lebendes Pferd mehr, das ist eine Reitmaschine – er hat genauso viele Regungen wie ein Motorrad.
Früher hat er mich geneckt, hat mir von hinten an der Gesäßtasche rumgenippelt, mir den Reißverschluß aufgezogen oder die Schnürsenkel vom Schuh aufgemacht. Immer mit diesem wachen neckischen Blick in den Augen, der den Schalk im Nacken verriet. Er war frech, aber nie wirklich ungezogen. Er bewegte sich beim Putzen zwar, aber er achtete auf mich und wo ich gerade war – säuberte ich z. B. den Schlauchbereich oder brachte Fliegenmittel auf stand er auch bewegungslos bis ich fertig war um dann gleich mit dem Kopf herumzukommen und mit den Augen zu fragen: „Hattu Möhrchen ??“ Schließlich habe ich früher auch die Todsünde begangen, ihn aus der Hand zu füttern, sogar mit Leckerlie!
Aber wir hatten SPASS zusammen. Ich vermisse das!
Wenn ich ihn früher gestreichelt habe, hat er sich mir zugewendet, die Ohren fallen lassen und tief ausgeschnaubt, jetzt dreht er den Kopf weg.
Er steht da, macht seine „Arbeit“ und wartet auf seinen „Feierabend“
Wenn ich Torrance früher von der Koppel holen wollte und er stand zufällig gerade genau am anderen Ende der Wiese, dann warf er den Kopf hoch, machte einen Buckler und kam mir dann freudig wiehernd entgegengaloppiert um dann direkt vor mir einen Sliding-Stop hinzulegen. Mit wachen Augen und gespitzen Ohren schien er zu fragen: „Und, was stellen wir heute an??“
Wenn ich ihn jetzt holen will, steht er da, kommt aber nicht. Ich merke, wie er sich anspannt und beginnt sich langsam abzuwenden. Er läuft zwar noch nicht weg, aber er denkt dran und setzt schon die ersten ein, zwei Schritte in die andere Richtung. Wenn das so weiter geht, habe ich zwar ein Pferd, das sich problemlos verladen läßt, das ich aber nicht mehr von der Koppel holen kann.
Nach dem Reiten lasse ich ihn normalerweise immer noch wälzen.
Früher hat er sich direkt vor meinen Füßen hingeschmissen, drehte sich ausgiebigst links und rechts rum, sprang auf und kam dann wieder zu mir. Mit leicht gesenktem Kopf stand er dann bei mir und schnaufte tief. Ich habe ihm dann die Ohren gekrault oder irgend so was, bevor wir aus der Halle gegangen sind.
Lasse ich ihn jetzt los zum Wälzen, geht er als allererstes so weit wie möglich weg. Am besten ans andere Ende der Halle. Dann macht er rum und macht rum, legt sich aber nicht mehr hin. Zu mir kommt er auch nicht mehr. Ich latsche dann also durch die ganze Halle und hole ihn wieder, noch bleibt er stehen....
Das erinnert mich an mich selber bei meiner Arbeitsstelle.
Dort habe ich auch einen Chef.
Ich bin höflich und ich bin freundlich, weil es mein Job ist und weil ich dafür bezahlt werde, nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich aber abgestempelt habe, dann habe ich Freizeit und dann interessiert mich mein Job nicht mehr.
Will ich wirklich so ein Pferd?
Jetzt fängt er auch noch an zu kränkeln. Ich hatte die letzten Jahre ein topgesundes Pferd (klopfaufholz). Wenn er sich irgendwo geschrammt hatte oder echt auch richtig aufgerissen hatte, kein Problem – ein bißchen Salbe drauf, am nächsten Tag war´s so gut wie weg! Jetzt entzündet sich plötzlich jeder kleine Kratzer, schwillt an und beginnt ein Einschuss zu werden,
Mauke kommt aus heiterem Himmel....
Der Trainer meint, Torrance wäre ein unsicheres Pferd mit wenig Selbstbewußtsein gewesen. ICH meine er war ein aufgeweckter rotzfrecher Strahlemann, der vor Selbstbewußtsein nur so strotzte. Die lapidare Antwort des Trainers: Dann kennen Sie ihr Pferd nicht, Sie wissen überhaupt nichts über ihr Pferd.
Was mache ich jetzt? SOOO habe ich keine Lust auf Pferde und Reiten. Dann kann ich auch in eine x-beliebige Reitschule gehen und irgendein x-beliebiges Pferd reiten. Ich habe im Moment überhaupt keine Lust überhaupt nur zum Stall zu gehen. Gibt es denn keine andere Erziehungsmethode, bei der ich mein Pferd verhätscheln darf und er trotzdem in den Hänger geht?
lg torrance