Im I-Net sind nur sehr wenige Berichte zu finden. Hoffe, dass der ein oder andere seine Erfahrungen beiträgt.
Werde hier mal in lockeren Abständen über Benina (Schimmel, Ponymix von 1,35 m, 9 Jahre alt, ca. 350 kg Lebendgewicht, eher hippig und bewegungsfreudig) berichten.
Benina

Am
Sonntag, den 17.07.2011 um 1:10 Uhr sind auf einem Turnier sämtliche Übernachtungs-Hottis aus ihren Paddocs entfleucht und durch die Lüner Innenstadt gerast. Benina raste mit 2 anderen Pferden ca. 4 km im teilweise sehr hohem Tempo über den Asphalt. Die Polizei hat bis zu 60 km/h gemessen!
Ca. 1 h nach dem Einfangen war sie hinten links stockelahm.
Sofortige Untersuchung von dem TA ergab, dass es was unterhalb des Fesselgelenkes ist.
Zu Hause wurde sie im OS separat mit Paddoc und Weidestück gestellt. Die Beine wurden gekühlt und sie bekam stündlich Traumeel.
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Montag
Ninchen lahmt sehr stark und belastet h. l. kaum das Bein.
Schwellungen sind nicht zu entdecken. Abdrücken der Sehnen war ergebnislos.
Sie hat nicht gelegen, macht aber insgesamt einen fitten Eindruck.
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Dienstag
Ninchen stöhnt, wenn sie h. l. belastet, kurz vor dem Abfußen, nimmt aber Ballast auf, wenn der Huf unter dem Körper steht.
Sie macht aber ansonsten keinen leidenden Eindruck und humpelt durch ihr Reich. Sie ist schon recht hart im Nehmen...
Ansonsten unverändert: Keine Schwellungen und nix, was auf eine bestimmte Verletzung hinweisen würde. Ich kann nur ausschließen, was es ist.
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Mittwoch
Benina belastet nur die Zehenspitze und kann/will die Fessel nicht durchdrücken, außerdem sind die Gallen dick geworden.
Sie hat aber nachts in der Box gelegen... endlich!
Die THP musste den angekündigten Besuch leider absagen. Auf Grund meiner Schilderung rat sie mir aber dringend sofort zum Röntgen zu fahren, da sie einen Hufbeinbruch oder Sehnenab-/-anriss befürchtete.
Mittags wurde Benina dann hängend (um das Bein zu entlasten) im Anhänger zum Notfall-Ta - der auch schon Sonntagnacht da war - zum Röntgen gefahren. Ich hatte mich für ihn und nicht meiner TÄin entschieden, da ihm Zustand von direkt nach dem Unfall bekannt war.
Diagnose: Eindeutig kompletter Bruch des Strahlbeins von oben nach unten (sagittal), ungefähr zu 1/3 nach innen gelegen (also nicht mittig).
Leider habe ich die 4 Röbis nicht.
Mit Gipsbinden wurde ihr ein Keil unter dem Huf anmodelliert und mit Castverband - super eng um den Huf gelegt - fixiert. Drüber kam noch ein Wattepolster und Teertape. Der Huf steht jetzt so steil, dass er fast überkötet. Hiermit humpelte sie sofort deutlich besser und stöhnte auch nicht mehr auf.
Der TA erklärte: Dieser "Stöckelschuh" ist notwendig, damit die tiefe Beugsehen keinen Druck auf das Knöchelchen des Hufrollenkomplexes ausüben kann. Nur so kann der Bruch überhaupt abheilen und ohne dass er sich verschiebt.
Seine
Prognose: Sehr ungünstig!
Behandlung, bzw. Anordung vom TA (classischer Sportpferde-TA):
- Stramme Boxenruhe in gut eingestreuter Boxfür ca. 3 Monate,
- Gipsverband ca. 2 - 3 Wochen drunter lassen, danach Spezialbeschlag mit Keil
- keine Medikamente
- in 3 Tagen noch mal zur Kontrolle kommen (wegen Überlastung des anderen Beines!).
oookkkeyyy... 
Durch meine jahrenlagen Erfahrungen mit diversen Erkrankungen, bei denen (nach Meinung vieler TAs) die Boxenruhe unabdingbar ist (zu letzt Kreuzbandanriss), habe und werde ich mich aber daran nicht halten!
Homöophatika scheinen ihm gänzlich unbekannt zu sein, außer Traumeel.
Ebenso findet er Kräuter sehr zweifelhaft.
Zum Aufbau und Lage des Strahlbeins und weitere Infos:
http://www.gnhcp.de/Podotrochlose_Strahlbeinzyste.pdf
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Donnerstag, 21.07.
Morgens hang ich am Telefon...
THP angerufen: Sie erstellte eine Liste von Homöos und Biomineralien für Ninchen. Wurde sofort bestellt.
Mein Hufschmied (war allerdings schon seit 2 Jahren nicht mehr zum Beschlagen da gewesen) war nicht erreichbar...
Telefonierte dann mit Andreas (Ausbilder der BESW und erfahrener Hufschmied) und Iris (meine HPfin, auch BESW). Beide bestätigten mir, dass diese extreme Steilstellung absolut notwendig ist und auch das Ausschalten des Hufmechanismus, welcher sich aber schon durch die Steilstellung fast ganz erledigt.
Iris erklärte mir noch einmal ausführlich Aufbau und Wirkungen in dem Strahlrollenkomplex.
Meine langjährige TÄin, die meine Tiere, Haltung und vor allem mich kennt, bestätigte meinen Entschluss zu No-Box. Schließlich hatte ich erst vor kurzem einen Kreuzbandanriss mit No-Box auskurriert! Wir besprachen noch Risiken und weitere Behandlungen (Hufeisen vs. alternative Möglichkeiten, Hufbearbeitung, "Verbandswechsel" usw.).
Nachmittags:
Benina´s linkes Bein ist durch die Stöckelschuhstellung rund 5 cm länger!

Die Hüfte stand dermaßen schief... :nein: Kein Wunder, dass der TA da eine Überlastung oder Überlastungsrehe des gesunden Beines befürchtet. Ich befürchtete von Anfang an, dass diese "Hüft-Schrägstellung" für den ganzen Rumpf Kacki ist. Dieser Längen-/Höhenunterschied belastet den gesamten Körper extrem und verursacht zusätzlich noch eine verstärkte Gewichtsbelastung des kaputten Beins. :shock:
Das sah man nun ganz deutlich. Benina war auch nach nur einer Nacht komplett verspannt!
So geht das nicht!
Da musste ganz schnell Abhilfe her.
Einer ihrer Easyboots (Gr. 00, Modell 2007) mit Trotters und Keilen (hatte ich grad zur Hand - Leihgabe von Stallkolleginda) versehen, so dass ein Plateau-Hufschuh von 3 cm Höhe entstand. Da sich der Polsterverband bereits verabschiedete, bekam das kaputte Bein auch ein Hufschuh verpasst. Das wurde etwas komplizierter... Der Easy (Gr. 1/2005) von Netty passte über den Cast-Gips-Stöckelschuh. Ein Gaiter (Gr. 2/2007) von Asti passte daran und verleiht so dem Ganzen zusätzlich Halt und Sicherheit vorm abflutschen. Der Cast-Gipsverband saß schon nicht mehr so pralle fest, wie der TA auf Grund der geringen Trachtenhöhe (normal bei Barhufpferden!) befürchtet hatte.
Wie dem auch sei... nun sitzt der C-G-V sicher im Easy und der gesichert am Huf. :mrgreen:

Fast grader Hüftstand...

Behandelt wird Ninchen mit Wasser-Angüssen,
25%igem Isoprophylalkohol mit Arnika, Ruhs Tox. und Syphitum Umschlägen halbtags,
das heile Bein wird zwischendurch auch eingelegt.
Außerdem sofort mit Traumeel, Arnika D6 und C30 und Schaette Aufbaupräparat (gut, wenn man einiges parat hat

).
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---------- Beitrag hinzugefügt: 22:58 ----------
Freitag:
Benina hat sich gewälzt... :fröhlich:
Mein Opa sagte immer, wenn Pferde sich wälzen... dann geht es ihnen gut.
Wie auch immer... ich hatte endlich mal ein richtig gutes Gefühl.

Hatte Stunden im I-Net verbracht... Vet-Literatur, Berichte von
HS und HPf, Erfahrungsberichte gesucht.
Leider nicht sehr viel gefunden.
Zusammenfassend:
- traumatische Frakturen sind was anderes als "hufrollengeschädigte" Frakturen
- habe lediglich 1 Erfahrungsbericht mit traumatischer
Fraktur gefunden
- betroffen sind überwiegend Rennpferde (die gehen meistens direkt in die Wurst),
-sind Sportpferde betroffen, wird meistens der Nervenschnitt bevorzugt, der das Pferd für einige Zeit nutzbar macht
- Nutzung als Zuchttier noch möglich
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Samstag, 23.07.2011
Endlich war die THP da.
Leider kann ich Ninchen im Moment nix weiter Gutes tun.

Hatte gedacht, iwelche gymnastischen Übungen, Massagen, Dehnungen oder so, könnten ihr unterstützend helfen.
Besser ist aber, nix zu machen und abwarten (kann ich gaaanz schlecht!).
:weißnicht:
Zufällig mussten wir noch mal für ein anderes Hotti am Stall auf den Notfall-
TA zurück greifen, weil meine TÄin kein Wochendedienst hatte.
Er schaute auch nach Ninchen und... war überrascht!
Er schaute sich alles an: Stall und Hufschuhe und wie sie ging... und meinte:
"Die läuft aber erstaunlich gut! Gutes Gesamtpaket!"
Ich bemerkte, dass Ninchen - natürlich - Schmerzen hat: Sie zieht den Bauch ein und wölbt den Rücken auf.

Da kann ich aber leider nix gegen tun :cry: :
1. weiß ich nicht, ob es aus dem Bruch kommt oder durch die höher gestellte Hinterhand oder aus dem kaputten Bein, dass jetzt ja super steil steht und das Hufkronen- und Fesselgelenk unnatürlich belastet, und
2. wenn ich ihr Linderung durch Schmerzmittel verschaffe, springt sich nachher lustiger durch die Gegend, als gut für sie wäre... :?
Allerdings guckt sie verschmitzt wie immer aus.

Da sie sich z. Z. im und auf dem Anbindeplatz bewegen darf, ist sie ständig am schäkern, um sich Leckerchens zu erbetteln und sich den Hals kraulen zu lassen (ihre Lieblingsstelle). Sie durchsucht in unbeobachteten Momenten die Taschen der Kids, verfolgt einen fast bis in den Bauwagen rein und durchstöbert neugierig dem für Hottis ausgezäunten hinter-dem-Stall-Bereich.
Insgesamt macht sie also keinen leidenden Eindruck eher das Gegenteil: Sie ist lebensfroh und aufgeweckt wie immer. Mental ist sie also gut drauf!
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Sonntag, 24.07.2011
Alles unverändert.
Keine Scheuerstellen am Gaiter. C-G-V sitzt.
Ninchen ist allgemein gut drauf, zeigt aber noch Schmerzen.
Gallen sind noch immer angelaufen, andere Beine o. B.
Bino (rangniedriges, ruhiges Shetty und auch angeschlagen vom Unfall beim Ausbruch) war heute bei ihr.
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Montag
Volles Paket an Homöos:
Arnika D6 + C 30
Rhus tox. D6
Symphytum D6
Citrokehl
Schüsslersalze: Calzium carb., Silicea, Calzium phos.
und bis auf weiteres noch Traumeel.
Die Schmerzen scheinen seeehr erträglich geworden zu sein. Benina zeigte heute Abend nur einmal durch Baucheinziehen an, dass was zwackt.
... und sie ist rossig... da läuft sie weniger rum und macht mehr die Hottis auf der anderen Zaunseite an.

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Mittwoch, 27.07.
Benina verhält sich ruhig und scheint sich mit der Einzelhaltung abgefunden zu haben. Sie ging heute ohne zu humpeln.
Sie ist aber seeeehr neugierig und aufdringlich geworden.
Sobald was am Anbindeplatz los ist, steht sie da und guckt zu.
Sobald jemand ihr Reich betritt kommt sie an und gibt Küsschen (Leckerchenbetteln ).
Sie hat am heilem Fuß mit dem Easyboot einen Stinkefuß... wie Menschen in Gummistiefel (habe ich aber schon mit gerechnet). Hufsubstanz sieht aber gut aus. Im Strahl hatte sie zwei Löcher (hatte anderes Hotti auch vom Ausbruch). Beim Ausschneiden musste ich dann auch bei ihr feststellen, dass diese Löcher recht großflächig, aber nicht tief sind. Kann nur vermuten, dass sich der Strahl durch die Belastung iwie schält.
Gründlich die Sohle noch abgewaschen und sicherheitshalber mal ´ne halbe Stunde zum Abtrocknen am Anbindeplatz stehen gelassen (man, ist das eine Schrägstellung im Becken, wenn der Plateau-Hufschuh am heilen Huf fehlt!) und dann mit Klausan eingesprüt.
Wie es unter dem Gips aussieht...