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Alt 26.07.2004, 18:50   traurige, aber wahre Pferdegeschichte Beitrag #1
Angel
Springreiterin
 
Benutzerbild von Angel
 
Registriert seit: 12.07.2004
?Ich habe grade nen Anruf gekriegt?, rief Silke mir aus dem Büro zu. ?Mach dich fertig, wir fahren sofort los.?
Ich stellte die Mistgabel an die Seite und spritzte meine Stiefel mit dem Schlauch ab. Obwohl ich jetzt schon öfter dabei war, wenn wir ein neues Pferd holen wollten, war ich trotzdem noch aufgeregt.
Silke saß schon im Auto und startete den Motor. Ich beeilte mich, da ich wusste, dass sie es hasste zu warten.
Schnell stieg ich in den Geländewagen und da fuhr Silke auch schon los.
?Wir müssen fast 30 Kilometer fahren?, sagte sie.
Na toll. Ich hasste lange Autofahrten. Besonders dann, wann man mit Pferdeanhänger fuhr und deshalb nur Schritttempo fahren konnte. Und Silke fuhr wirklich nicht viel schneller.
Ich war gespannt auf das neue Pferd. Seit ein paar Monaten arbeitete ich nun an Wochenenden und in den Ferien auf Silkes Pferdegnadenhof. Silke nahm alte, kranke und misshandelte Pferde auf und gab ihnen ein neues zu Hause.
Sie und ihre 3 Helfer kümmerten sich wirklich rührend um die Pferde. Oft gelang es ihnen, die Pferde wieder aufzupäppeln und an neue Besitzer zu vermitteln. Manchmal gab es allerdings auch Rückschläge, und niemand wollte die Pferde haben. Meistens blieben sie dann auf Silkes Hof, aber wenn sie zu krank oder schwach waren, würden sie eingeschläfert. Ich war erst einmal dabei gewesen, als ein Pferd getötet werden musste, und ich habe jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran zurück denke.
Silke erzählte was von dem Pony, dass wir abholen sollten.
?Er ist schon alt, vielleicht 20, vielleicht auch 30 Jahre. Vernachlässigt und ungepflegt haben sie mir gesagt. Ein Wallach.?
Sie sah auf das Ortsschild. ?Gleich sind wir da.?
Wir fuhren noch etwa einen Kilometer, dann hielt Silke an einer Koppel an. Wir stiegen aus dem Wagen. Die Koppel war matschig. Nicht ungewöhnlich für diese Jahreszeit, es war Herbst und regnete oft und viel, aber diese Koppel war so matschig, dass hier eigentlich keine Pferde mehr stehen sollten.
Ich sah keine Pferde auf der Koppel, nur einen alten, verkommenden Unterstand.
?Da muss er drin sein?, sagte Silke skeptisch.
?Und wo sind die Besitzer??
?Wollten gleich herkommen?, sagte sie nachdenklich und öffnete das morsche Tor.
Ich folgte ihr zum Unterstand. Der Unterstand war zu einer Seite offen und darin stand wirklich ein Pony.
Vorsichtig ging Silke auf den Kleinen zu. Ich erwartete, dass er zurück weichen würde, aber er sah sie einfach nur mit seinen großen braunen Augen an.
?Yoshi?, sagte sie. ?Das ist Yoshi.?
Yoshi war ca. 1,30m groß und sah wirklich heruntergekommen aus. Er hatte lange, zottelige Mähne und ungepflegtes schwarzes Fell. Die Rasse konnte ich nicht genau definieren, wahrscheinlich ein Mix, aber auf jeden Fall mit Shettyanteil.
?Wird Zeit, dass der alte Mann hier rauskommt?, meinte Silke.
Dann hörte ich, wie ein Auto an der Koppel anhielt.
?Das werden die Besitzer sein?, sagte Silke und ging wieder zurück zum Tor.
Ein älteres Ehepaar stieg aus dem Auto.
?Sind Sie Frau Bartel??, fragte die Frau Silke.
?Ja, das bin ich. Und das ist meine Gehilfin Julia.? Silke deutete auf mich.
?Sie wissen ja gar nicht, wie froh wir sind, dass Sie uns das Pferd abnehmen. Wissen Sie, unsere Tochter hat es früher geritten. Und wir kennen uns doch nicht mit Pferden aus.?
?Sie hätten ihn gleich verkaufen können?, sagte Silke in ihrer trockenen Art, ohne den alten Leuten gegenüber auch nur eine Spur von Mitleid auszudrücken.
?Haben sie vielleicht ein Halfter für ihn??, fragte Silke, um das Thema zu wechseln.
?Ein was??
?Ja einen Strick, damit ich ihn führen kann.?
Die alten Menschen schienen nicht zu verstehen.
?Okay, dann nicht.?
Silke beauftragte mich ein Halfter und einen Strick aus dem Geländewagen zu holen. Sie hatte immer etwas Ausrüstung für Notfälle dabei.
Dann gingen wir zurück zum Unterstand. Vorsichtig näherte Silke sich dem schwarzem Pony und halfterte ihn auf.
?Ich verspreche dir, ab jetzt geht?s aufwärts mit dir?, flüsterte sie ihm zu.
Sie ging aus dem Stall zum Koppeltor zurück. Yoshi folgte ihr gehorsam.
Silke sagte zu mir, ich sollte Yoshi festhalten, damit sie noch etwas mit den Besitzern besprechen konnte. Also nahm ich den Strick.
Ich kraulte Yoshi am Hals. Er stand ganz ruhig da und döste. Ich guckte ihn mir genauer an. Die Hufe sahen aus, als hätten sie jahrelang keinen Hufschmied mehr gesehen und Milben hatte er anscheinend auch. Trotz allem sah er nicht so schlimm aus, wie einige andere Pferde, die schon aus Silkes Hof untergebracht waren.
Nach etwa zehn Minuten war Silke mit ihrer Besprechung fertig. Kopfschüttelnd kam sie auf mich zu.
?So was kann ich ab. Erst das Pferd vernachlässigen und dann auch noch Mitleid erwarten. Das sind die Richtigen.?
Sie nahm mir den Strick aus der Hand und führte den kleinen Wallach zum Hänger. Silke war verärgert, sie hasste Leute, die sich nicht gewissenhaft um ihre Pferde kümmerten.
Sie lud Yoshi in den Hänger, er ließ sich anstandslos verladen. Dann fuhren wir wieder zurück nach Hause.
Kurz bevor wir bei Silkes Hof ankamen, klingelte ihr Handy. Ich verstand nicht fiel von dem Gespräch, aber was ich verstand reichte mir.
?Was, halbtot sagen Sie? Kann kaum noch gehen? Abdecker? Ich komme sofort vorbei.?
Silke hatte einen ernsten Gesichtsausdruck, anscheinend ging es schon wieder um ein neues Pferd.
?Wenn wir zu Hause ankommen, kümmerst du dich um Yoshi. Mach ihm eine schöne Box und gib ihm Heu. Ruf den Hufschmied an. Und den Tierarzt. Ich fahr gleich wieder los.?
?Kann ich nicht mit??, fragte ich. Ich war gerne dabei, wenn wir neue Pferde holten.
?Nein diesmal nicht. Ich nehme jemand von den anderen mit. Komme wahrscheinlich spät wieder. Ist nen schwieriger Fall.?
Silke duldete keine Widerrede. Sie hielt an und lud Yoshi aus. Dann drückte sie mir den Strick in die Hand.
?Ich kann mich doch auf dich verlassen??
Ich nickte. Natürlich konnte sie das.
Silke rief Kai, einen der Pferdepfleger, die sie eingestellt hatte.
Gemeinsam fuhren sie vom Hof.
Ich band Yoshi am Anbindeplatz an. Er schien keine große Interesse an seiner neuen Umgebung zu haben. Dann richtete ich eine Box für ihn her. Ich wählte eine große helle Box mit Fenster. Ich mistete gründlich aus und säuberte die Tränke und den Futtertrog. So schön hatte es der arme kleine Kerl bestimmt lange nicht mehr, dachte ich mir.
Anschließend rief ich den Hufschmied an. Er versprach, noch heute vorbei zu kommen. Yoshis Hufe hatten es ja wirklich nötig.
Ich brachte den kleinen Kerl in seine neue Box und gab ihm Heu.
?Hier, das kannst du fressen, das ist gut für dich.?
Als ob er mich verstehen würde, steckte er seine Nase in das frische Heu und fing an zu fressen.
Zufrieden verließ ich Yoshis Box, um mich jetzt um die anderen Pferde zu kümmern. Auf Silkes Hof standen im Moment 12 Pferde. Silke war erst 21, eigentlich kein Alter, in dem man einen Gnadenhof für alte Pferde eröffnet und sich um nichts anderes mehr kümmert, aber Silke war anders. Ich weiß nicht, ob sie überhaupt noch andere Hobbies hatte, von morgens bis abends war sie auf dem Hof und kümmerte sich um ihre Schützlinge. Vor knapp zwei Jahren hatte sie das Grundstück mit den zwei Ställen und den Koppeln von ihren Eltern geerbt und seit dem war der Hof aus Silkes Leben nicht mehr wegzudenken. Oft fragte ich mich, was sie wohl machen würde, wenn sie den Hof nicht hätte.
Ich arbeitete erst seit kurzem hier, kümmerte mich um die Pferde, half Silke und ihrem ?Trupp?, wie sie ihre drei Stallarbeiter immer nannte und war auch mit Leib und Seele dabei, aber ich denke ich habe mich nie so richtig den Pferden gewidmet, wie Silke es tat.
 
Alt 26.07.2004, 18:53   traurige, aber wahre Pferdegeschichte Beitrag #2
Angel
Springreiterin
 
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Registriert seit: 12.07.2004
Ich war grade dabei einige der alten und kranken Pferde auf den Auslauf zu bringen, als ich Silke auf den Hof fuhren sah.
Ich ging sofort zu ihr, schließlich wollte ich sehen, was für ein Pferd sie geholt hatte.
Silke und Kai stiegen aus dem Wagen. Sie sahen ernst aus, zu Ernst für meinen Geschmack.
?Lass die Ladeklappe runter?, sagte Silke zu Kai.
Ich stellte mich hinter den Hänger, um das Pferd zu sehen. Als die Ladeklappe unten war, traf mich fast der Schlag. Im Hänger lag ein Pferd, ich kann es nicht beschreiben, so was hatte ich noch nie zuvor gesehen. Ich wusste nicht, ob es noch lebte, aber wenn es noch lebte, dann wusste ich, dass es bald vorbei sein würde. Es war ein Schimmel, abgemagert bis auf die Knochen, blutige, aufgescheuerte Stellen am ganzem Körper. Ich fragte mich, wie sie das Pferd in den Hänger gekriegt hatten, es sah nicht so aus, als ob es noch gehen konnte.
?Ist es tot??, fragte ich besorgt.
?Nein?, antwortete Kai kurz. Dann rief er Michael und Sven, die beiden anderen Helfer, und sie zogen zu dritt das Pferd aus dem Hänger.
Als das Pferd vor mir auf dem Boden lag, find ich an zu heulen. Wie konnte man einem Tier nur so was antun? Das eine Auge war zu, total verklebt, verdreckt und verkrustet, das Pferd war sicherlich blind. Es hatte ein total verdrecktes, zerrissenes, viel zu enges Halfter um, die Hufe waren so lang, dass sie sich schon nach oben rollten, das Pferd hatte nur noch an einigen Stellen Fell und auch ansonsten sah es einfach schrecklich aus.
?Das willst du doch nicht etwa aufpäppeln, Mädel??, fragte Sven Silke.
?Ich weiß auch nicht. Ich glaub, ich habe mir da ein bisschen zu viel vorgenommen?, meinte Silke bedrückt.
?Nicht mit mir?, sagte Michael.
?Ich verschwende meine Kraft und Zeit nicht mit diesem Pferd. Silke, dass ist so gut wie tot.?
?Musst du ja nicht?, antwortete Silke.
?Ich kümmere mich um es. Kümmert ihr euch um die anderen Pferde.?
?Hey, du investierst deine Zeit, Liebe und Mühe in etwas, das hoffnungslos ist.?
Michael versuchte, sie von ihrem Vorhaben abzubringen, aber Silke war unerbittlich.
?Ich ruf den Tierarzt an. Kümmert ihr euch darum, dass er ne Box kriegt. Aber ne Große!?
Widerwillig machten Michael und Sven sich an die Arbeit.
Ich konnte verstehen, dass sie Zweifel hatten. Silke war stark und konnte kämpfen und wenn sie sich was in den Kopf gesetzt hatte, tat sie alles um ihre Wünsche wahr werden zu lassen. Trotzdem waren die Chancen dieses Pferd zu heilen 1.000.000 zu 1, und wenn sie es nicht schafft würde sie sicher sehr enttäuscht und traurig sein.
Am nächstem Morgen ging ich schon früh in den Stall. Ich mochte es, wenn ich die Erste war, es war so schön still.
Ich machte meinen üblichen Rundgang durch die beiden Ställe. Zuerst ging ich durch den großen Stall, in dem 8 Pferde untergebracht waren. Ich kontrollierte jedes einzelne Pferd, Silke hatte mir erzählt, wie wichtig das war. Keine Massenabfertigung, sondern individuelle Fürsorge.
Die Meisten der Pferde waren schon wach, standen oder dösten in ihren Boxen und knabberten Heu. Es war alles okay und so ging ich in den zweiten Stall, in dem auch Yoshi und das ganz neue, halbtote Pferd standen bzw. lagen.
Zuerst ging ich in Yoshis Box. Der kleine Wallach knabberte an seinem Stroh und sah schon viel besser aus als am Vortag. Heute sollte der Tierarzt kommen, um ihn zu untersuchen. Danach wollte ich ihn mal so richtig waschen, seine Mähne und den Schweif ordentlich schneiden und ihn ein bisschen verwöhnen. Danach würde er sicherlich schon viel besser aussehen. Ich war fest davon überzeugt, dass wir für Yoshi einen Käufer finden würden, denn er konnte durchaus noch ein paar Jahre leben, vielleicht sogar noch leicht geritten werden und er hatte einen liebenswürdigen Charakter, trotz seiner Vergangenheit.
Er stupste mich mit seinen weichen Nüstern an, als ob er sich bedanken würde. Yoshi war wirklich ein toller Kerl.
Meine gute Laune verflog sofort, als ich die Box des Schimmels betrat. Ich konnte echt nicht verstehen, warum Silke ihn behalten wollte. Der Tierarzt, der am Vortag da war, hatte nur die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und Silke dazu geraten, ihn einschläfern zu lassen. Doch wenn die sich was in den Kopf gesetzt hatte...
Der Schimmel lag im Stroh und sah nicht hoch, als ich die Box betrat. Silke hatte seine Wunden versorgt und ihn gestern sogar dazu gebracht, kurz was zu trinken. Sie gab sich wirklich Mühe, trotzdem war ich mir fast sicher, dass der Schimmel bald sterben würde.
?Moin Jule, was machst du denn schon hier??
Es war Sven. Ich hatte ihn nicht kommen gehört und deshalb erschrak ich ziemlich.
?Musst du mich so erschrecken??
?Muss ich.? Sven grinste. Ich mochte Sven, er verstand viel von Pferden und arbeitete hart. Ich hatte es noch nie erlebt, dass er mal schlecht gelaunt war. Wenn ich traurig war, schaffte er es immer schnell mich auf andere Gedanken zu bringen. Trotzdem war er nicht albern.
Er kniete sich neben den Schimmel ins Stroh und streichelte seinen Hals.
?Glaubst du, dass er es schafft??, fragte er mich kritisch.
Ich war ehrlich. ?Nein glaube ich nicht. Er sieht so fertig aus. Wenn ich Silke wäre, würde ich ihn wirklich erlösen.?
?Was haben die bloß mit ihm gemacht?? In Svens Stimme hörte ich sowohl Wut als auch Trauer. Ich fing fast wieder an zu weinen und Sven merkte das. Schnell wechselte er das Thema.
?Dem großem Schecken geht?s schon wieder richtig gut. Heute Nachmittag kommen Leute, die ihn vielleicht kaufen wollen.?
Sven redete von einem Pferd namens Devil, Svens Liebling. Devil stand schon länger auf dem Hof und er war Sven total ans Herz gewachsen.
?Schön?, ich freute mich für Sven. Er hatte schon lange Leute gesucht, die seinen Schützling kaufen wollten.
?Aber bist du dann nicht traurig? Ich meine, du siehst ihn doch vielleicht nie wieder.?
?Stimmt schon. Aber ich bin sicher, dass sie Leute sich gut um ihn kümmern würden. Und mir war ja klar, dass ich ihn nicht behalten kann.?
Ich bewunderte Sven, wie er mit diesem Thema umging. Ich hasste es, wenn wir Pferde weggeben musste, mit denen ich besonders viel zu tun hatte.
?Hilfst du mir, ein paar der Hottas auf den Auslauf zu stellen??
?Ja klar.?
Ja, Sven konnte einen wirklich immer auf andere Gedanken bringen.
 
Alt 26.07.2004, 18:54   traurige, aber wahre Pferdegeschichte Beitrag #3
Angel
Springreiterin
 
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Nachdem wir die Pferde auf den Auslauf gebracht haben, begrüßten wir Silke, die grade auf den Hof fuhr.
Sie stieg aus ihrem Geländewagen.
?Gudden Tach.?
?Hi Silke.?
?Wie geht?s den Tierchens??
?Ganz gut soweit.?
?Was heißt soweit??
?Allen geht?s gut, bis auf deinem Schimmel.?
?War ja nicht anders zu erwarten.?
Silke ging in den kleinen Stall und öffnete die Boxentür des Schimmels. Sven und ich folgten ihr.
Sven ging in die Box.
?Der ist hin?, sagte er kühl.
?Wie meinst du das??
?Ja tot.?
?Der ist doch nicht tot?, ich wollte protestieren, aber da bemerkte ich, dass der Schimmel nicht mehr atmete.
Ich sah zu Silke. Ich hatte erwartet, dass sie total durchdreht, aber stattdessen sagte sie nur: ?Okay, dann war es nicht anders gewollt. Dann sollte es wohl so passieren.?
Ich ging aus dem Stall. Ich konnte den Anblick eines toten Pferdes nicht ertragen.
Sven kam mir hinterher.
?Schade?, sagte er. ?Aber war ja nicht anders zu erwarten. Ich kann nicht verstehen, wie Silke so viele Hoffnungen in dieses Pferd stecken konnte. War doch klar...?
?Bestimmt ist es besser, wenn er jetzt erlöst wurde.?
Ich versuchte mich, mit dem Gedanken anzufreunden.
?Glaubst du, Silke spielt ihre Gelassenheit nur??, fragte ich den jungen Pferdepfleger.
?Ich hab keine Ahnung. Sie ist eine starke Frau und kann noch klar denken, und jeder normale Mensch weiß, dass es dem Schimmel da wo er jetzt ist besser geht. Aber ich glaube, sie hatte eine Menge Hoffnungen in das Pferd gesteckt.?
Ich redete noch einige Zeit mit Sven, dann ging ich zu Yoshi. Der Tierarzt sollte bald kommen, um ihn zu untersuchen. Ich gab dem kleinem Kerl eine Möhre und halfterte ihn auf. Ich wunderte mich, dass er überhaupt nicht scheu war. Er war sogar richtig anhänglich. Sicher hatte er früher einen sehr lieben Menschen gehabt, der sich gut um ihn gekümmert hatte.
Ich ging mit dem kleinem Pony raus auf den Hof. Die Sonne schien, es war sehr friedliches Wetter, nicht so wie die letzten Tage, die voller Regen und Gewitter waren. Auf dem Hof lagen überall braune und gelbe Blätter verstreut, die von den Bäumen abgefallen waren. Ich mochte den Herbst gar nicht, oft sah alles so trostlos aus.
Yoshi stupste mich an, anscheinend wollte er Aufmerksamkeit. Ich band ihm am Anbindepfosten an und gab ihm noch eine Möhre. Er war immer noch Recht dünn, aber ich war mir sicher, dass sich das bald ändern würde.
Es fuhr ein Auto auf den Hof. Erst dachte ich es wäre der Tierarzt, aber als ich sah, wie Sven aus dem Stall gelaufen kam und auf das Auto zurannte, wusste ich, dass es nur die Leute sein konnten, die sich für Svens großen Schecken interessierten.
Die Leute stiegen aus, es waren eine ältere Frau und ein Mädchen, etwas jünger als ich, vielleicht 13 oder 14. Sven begrüßte sie freundlich und dann gingen sie gemeinsam zum Auslauf, auf dem der Schecke stand. Ich hoffte sehr für Sven, dass die Leute den Schecken kaufen, denn das wäre endlich mal ein positives Ereignis und Sven hätte erreicht, für was er so lange geschuftet hatte.

Der Wagen des Tierarztes fuhr auf den Hof. Er wurde sofort von den beiden Hofhunden Basko und Arco bellend begrüßt.
?Ist ja gut?, sagte der Mann lächelnd, als er aus dem Auto ausstieg. Er streichelte die beiden Hunde kurz und kam dann zu mir.
?Hallo Jule. Na wie geht?s es dir??
?Mir geht es ganz gut, danke.?
Der Tierarzt sah sich Yoshi an.
?Das ist er??
?Ja, das ist das neue Pony.?
?Geht ja noch?, sagte der Tierarzt. Er hatte viel Erfahrung mit Silkes Pferden und wusste, dass schon viel schlimmere Fälle hier waren.
Er ging zurück zum Auto und holte einen Koffer mit einem Stethoskop, Spritzen und Medikamenten.
Etwa eine halbe Stunde lang untersuchte er Yoshi ohne auch nur ein Wort zu sagen. Yoshi ließ sich alles gefallen und stand erstaunlich still.
?So, der ist soweit in Ordnung. Etwas unterernährt und die Gelenke sind nicht mehr die neusten, aber das heißt ja nichts. Den Zähnen nach zu urteilen ist er ungefähr 22 oder 23 Jahre alt.
Ich freute mich, dass es Yoshi gut ging. Der kleine Kerl war mir schon richtig ans Herz gewachsen.
?Ich impfe ihn jetzt und eine Wurmkur kriegt er auch. Er hat stellenweise sehr verklebtes Fell und so, wenn ich du wäre, würde ich ihn mal richtig waschen und schick machen.?
?Hatte ich sowieso vor?, entgegnete ich.
?Gut. So kleiner Mann, jetzt gibt?s lecker Wurmkur.?
Der Tierarzt gab Yoshi noch die Wurmkur und die Impfungen, dann verschwand er wieder und ich fing an Yoshi zu waschen.
Zu meinem Glück hatte das Pony keine Angst vor Wasser, denn sonst wäre es ein Riesen Kampf geworden, ihn zu baden.
Yoshi schien das Wasser sogar zu genießen. Ich wusch ihn gründlich mit einem extra Pferdeshampoo und auch die Mähne und der Schweif wurden sauber gemacht. Er war wirklich ziemlich dreckig.
Als ich fertig war führte ich Yoshi noch trocken, schnitt seinen Schweif grade und brachte ihn dann auf den Auslauf. Ja, er sah wirklich schon viel besser aus. Ich beobachtete ihn, wie er über den Auslauf ging. Als ich daran dachte, dass er bald jemand anderem gehören würde, wurde ich aber sehr traurig.

Ich war auf der Suche nach Silke, um mit ihr über Yoshi zu reden, aber ich fand sie nirgends.

Ich setzte mich auf einen Strohballen, der am Stalleingang lag und streichelte Basko, den einen Hofhund, als Sven auf mich zukam.
?Und??, fragte ich gespannt. ?Kaufen sie das Pferd??
Eigentlich hätte ich nicht fragen müssen, denn an Svens Gesichtsausdruck sah ich schon, was Sache war.
?Jo?, antwortete er fröhlich. Und nicht nur das. Rate mal, wie viel sie bezahlen.
?Keine Ahnung, 1000 Euro vielleicht??
1000 Euro war schon etwas hoch gegriffen. Der Schecke war ein Schlachtpferd gewesen, als er hierher kam. Aber Sven hatte ihn schließlich gut aufgepäppelt.
?Nein?, sagte er stolz. ?2300!?
?Was?? Ich konnte es nicht glauben. ?So viel??
?Japp. Klasse, was? Silke wird in die Luft springen vor Freude.?
?Wann wird er abgeholt??
Ich wurde traurig, als ich daran dachte, dass ich den großen Schecken bald nie wieder sehen würde.
?Übermorgen. Das Mädchen war ganz begeistert von ihm. Aber er ist ja auch wirklich super artig.?
?Hast du toll gemacht.?
Ich freute mich sehr für Sven, er hatte wirklich ein Händchen für heruntergekommene Pferde.
Sven umarmte mich.
?Ich bin sicher, mit deinem Pony wird das genauso gut klappen.?
?Ja, das hoffe ich auch. Aber es wird bestimmt schwer, ihn wegzugeben.
Sven wollte grade noch etwas sagen, als Michael, der andere Pferdepfleger, aus dem Stall kam, vor dem wir saßen.
?Silke hat mich grade angerufen. Sie fährt für drei Wochen mit ihrer Freundin in den Urlaub nach Südfrankreich. Sie hat gefragt, ob wir hier alleine klar kommen.?
Sven guckte Michael ungläubig an.
?Muss die jetzt wegfahren? Wir haben hier so viel zu tun, und dann auch noch um diese Jahreszeit.?
?Muss sie anscheinend. Und nun stell dich nicht an, kriegst bestimmt extra bezahlt.?
?Wann fliegt sie??, fragte ich. Es waren zwar Ferien und ich hatte sowieso nichts zu tun, aber ich sah mich schon die gesamten nächsten drei Wochen auf dem Hof schuften.
?Die haben Last Minute gebucht.?
?Also??, Sven war ungeduldig geworden.
?Morgen.?
?Willst du mich verarschen??
?Nein wirklich.?
?Fett. Und ich hab wieder die ganze Arbeit am *****.?
?Jetzt gönn ihr doch den Urlaub?, sagte ich.
Silke machte wirklich sehr selten frei. Es sah ihr auch nicht ähnlich, den Hof einfach so für drei Wochen alleine zu lassen, aber der Tod des Schimmels, den sie retten wollte, hatte ihr wohl mehr zu schaffen gemacht als sie zugeben wollte.
?Alter hör auf zu meckern, und hilf mir mal die Ställe auszumisten. Labern kannst du wann anders. Das sieht schon wieder nach Regen aus. Komm beeil dich.?
Michael verschwand wieder im Stall.
?Okay Mädel, fahr nach Hause und ruh dich aus. Die nächsten drei Wochen werden hart, vor allem, wenn das mit dem Wetter so weiter geht. Ich muss arbeiten, wie du gehört hast.?
Ich beschloss, wirklich erst einmal nach Hause zu fahren. Die würden schon ohne mich klar kommen.
?Ey du ***** beweg dich?, rief Michael aus dem Stall heraus.
?Ja ja du Sklaventreiber, bin schon unterwegs.?
Sven nahm sich eine Mistforke und ging in den Stall.

Am nächstem Tag fuhr ich gegen 10 Uhr zum Hof. Es hatte die ganze Nacht über geregnet und nun standen überall Pfützen.
?Ey Jule, du kommst auch noch??, begrüßte mich Michael.
?War Silke schon da??, fragte ich besorgt. Ich hatte Angst, sie verpasst zu haben und ihr nicht mehr Tschüß sagen zu können.
?Ja bist genau drei Stunden zu spät, Kleine. Die sitzt schon im Flieger nach Frankreich.?
?Mist.?
Ich war sauer. Sauer auf Silke, weil sie sich gar nicht mehr bei mir gemeldet hatte. Und furchtbar sauer auf mich, weil ich erst jetzt zum Hof gefahren war.
?Svenni, deine Freundin ist hier?, rief Michael Sven zu, der grade mit einem Pferd am Strick zu Michael und mir rüber kam.
Ich mochte es gar nicht, wenn Michael mich Svens Freundin nannte. Schließlich war ich das nicht, und das wusste er genauso gut wie ich.
?Freundin, häh??
Sven boxte Michael scherzhaft in die Rippen.
?Ich geb dir gleich Freundin. Seh zu, dass du dich nützlich machst. Die Pferde müssen alle raus.?
?Ja, denn bring sie raus. Ich unterhalte mich, wie du siehst.?
Michael und Sven kannten sich schon jahrelang und konnten sich stundenlang gegenseitig provozieren und necken. Ich hatte noch nie gehört, dass sie sich ernsthaft über eine Sache unterhalten haben.
?Sicher. Seh ich so aus oder was? Und wo ist Kai?
?Bei seiner Freundin.?
?Ey....? Sven begann sich aufzuregen.
?Der kriegt genauso viel Kohle wie wir und ist den ganzen Tag bei seiner Flamme. Wann hat der vor wieder zu kommen? Der Typ regt mich auf.?
?Ja nicht nur dich. Guck dir den Himmel an, das fängt gleich wieder an zu pissen. Komm, lass mal beeilen.
Sven sagte nichts mehr und brachte das Pferd, das er am Strick hatte auf den Auslauf.
Michael ging zurück zum Stall und machte sich ebenfalls nützlich.
Ich schnappte mir einen Besen und fegte die Blätter vom Hof. Echt schlimm der Herbst, dachte ich mir.
Michael hatte Recht gehabt, es fing tatsächlich an zu regnen.
Ich verzog mich in den Stall. Wie ich Regen hasste...
 
Alt 26.07.2004, 18:55   traurige, aber wahre Pferdegeschichte Beitrag #4
Angel
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Registriert seit: 12.07.2004
Es regnete nun schon stundenlang und es sah so aus, als würde es von Minute zu Minute mehr regnen.
Wir hatten alle Pferde bis auf die kerngesunden wieder in den Stall geholt. Sven sagte, dass sie bei diesem Wetter nicht raus sollten, da die Gefahr einer Erkältung zu groß war.
Auf dem Hof stand schon zentimeterhoch das Wasser. Wenn das so weiterregnet, gibt es sicher Hochwasser, dachte ich.
Mir war langweilig und so beschloss ich, in Yoshis Box zu gehen. Der alte Wallach guckte mich treu an, als ich die Box betrat und ihm eine Möhre gab.
?Na alter Mann? Tut mir Leid, dass du im Stall stehen musste. Aber dieses Wetter ist ja nicht zum aushalten.?
Yoshi sah mich an, als würde er mich verstehen.
Die gesamte nächste Woche lang passierte nicht viel, außer dass es fast ununterbrochen regnete. In den Nachrichten redeten sie teilweise schon von Hochwasser, aber das hatte ja nichts zu bedeuten, die redeten ja immer viel, wenn der Tag lang war.

Es war nachts gegen ca. 3 Uhr, als ich vom Telefonklingeln geweckt wurde. Was das wohl für ein ***** ist, der mich mitten in der Nacht stört, dachte ich. Verschlafen ging ich ans Telefon.
Es war Sven.
?Tut mir leid, ich weiß, es ist mitten in der Nacht. Aber du musst unbedingt zum Hof kommen.?
?Was? Wieso??
?Es steht alles unter Wasser, es hört einfach nicht auf zu gießen. Das Wasser ist in den großen Stall gelaufen und die Pferde stehen teilweise knietief in der Pampe. Die Futterkammer ist auch voll gelaufen und fast das ganze Futter ist im *****. Bitte komm schnell vorbei, du musst mir helfen, ich erreiche die anderen einfach nicht!?
Ich sagte zu, warf mir schnell ein paar Klamotten und eine Regenjacke über, schnappte mir eine Taschenlampe und lief los zum Stall. Das Wasser lief mit oben in meine Gummistiefel rein, so hoch stand es. Fragen über Fragen spukten in meinem Kopf rum. Wohin mit den Pferden aus dem großem Stall? Was war, wenn es so weiter regnete? Warum war Silke ausgerechnet jetzt im Urlaub?

Ich war total außer Atem als ich nach 15 Minuten den Hof erreichte. Ich sah Sven, der total erschöpft auf mich zu kam.
?Endlich bist du da?, sagte er keuchend. ?Bei Michael und Kai geht natürlich keiner ans Telefon. Frag mich, warum die überhaupt so ein Teil haben, wenn es sie eh nicht interessiert, wenn es klingelt. Den werde ich erstmal ein paar Takte erzählen, wenn sie sich wieder blicken lassen.... Ich habe vier der Pferde aus dem großen Stall in den kleinen Stall gebracht. Die Pferde müssen sich jetzt halt zu zweit eine Box teilen. Zwei Pferde können wir noch auf der Stallgasse unterbringen, aber ich habe echt keine Ahnung, wo die anderen beiden hin sollen.?
Mir fiel nicht ein, was ich dazu sagen sollte, also versuchte ich das Positive zu sehen.
?Gut, dass der kleine Stall etwas weiter oben liegt?, sagte ich.
Doch Sven war pessimistisch: ?Nur eine Frage der Zeit, bis der auch noch voll läuft. Und was machen wir dann? Wohin mit den Pferden, verdammt?!?
Ich versuchte ihn zu beruhigen doch es gelang mir nicht.
Nach kurzer Zeit gingen wir in den großen Stall, um zwei der verbliebenen Pferde auf die Stallgasse des kleinen Stalls zu bringen.
Das Bild, das sich mir bot, war schlimmer, als ich gedacht hatte. Das Wasser stand wirklich sehr hoch und im Dach waren große Löcher, durch die das Wasser literweise einfach so durchlief.
Sven schnappte sich den großen Schecken und noch ein Pferd und war auch schon wieder aus dem Stall verschwunden.
Die beiden übrigen Pferde sahen irritiert und verängstigt aus. Sie konnten nicht verstehen, was los war.
?Jule, komm mal her?, hörte ich Sven rufen und ich wartete durch das etwa knietiefe Wasser zum kleinem Stall.
?Ich glaub, Arcoss geht es nicht gut.?
Arcoss war das älteste Pferd, das auf dem Hof stand, etwa 40 Jahre alt. Er hatte stark Arthrose und Atemprobleme und war sehr anfällig für Erkältungen und der Gleichen.
?Er hustet schon die ganze Zeit. Bitte hol eine warme Decke aus der Sattelkammer. Ich versuche, den Tierarzt zu erreichen. Husten ist bei so alten und kranken Pferden nicht lustig, wie du weißt.?
Ich ging in die Sattelkammer. Als ich die Tür aufmachte, bemerkte ich, dass das Wasser auf hier schon etwa 20 cm hoch stand. Ich rettete das Sattelzeug, das noch zu retten war, legte es in die Regale und Schränke. Dann suchte ich eine trockene Decke für Arcoss und ging zurück zu Sven.
?Wenn das noch weiter so gießt, dreh ich durch.? Sven war dabei mit irgendwelchen Planen und Hölzern das Dach abzudecken. ?Irgendwie muss man diesen verdammten Stall doch dicht kriegen.?
Ich wickelte Arcoss in die warme Decke ein. `Nur eine Frage der Zeit, bis die auch durchnässt ist`, wusste ich.
Sven konnte wohl Gedanken lesen. ?Jule, tu mir mal nen Gefallen. Hol alle Thermodecken und sonstiges regendichtes und warmes Zeugs aus der Sattelkammer und rüste die Pferde damit aus. Besonders die, denen es sowieso nicht so gut geht. Und dann hilf mir mal hier!?
Ich ging zurück in die Sattelkammer und kramte vier Thermo- und drei Regendecken zusammen. `Silke hat zu Hause bestimmt noch welche, so ein Mist, dass sie nicht da ist`, dachte ich mir.
Ich deckte die Pferde von denen ich dachte, dass sie es am nötigsten haben ein, dann half ich Sven bei der Reparatur des Daches. Es war aussichtslos. Kaum hatten wir ein Loch zu, tropfte es woanders durch. Was hätte ich dafür gegeben, dass der Regen aufhörte, doch diesen Gefallen tat er mir leider nicht.
?Es ist doch alles *******!? Sven schien der Mut verlassen zu haben. ?So wird das nichts. Dass Kai und Michael auch ausgerechnet dann nicht zu erreichen sind, wenn man sie mal braucht.?
Sven stieg von der Leiter. Das Wasser prasselte unaufhörlich in den Stall. Es stand jetzt bestimmt schon 15 Zentimeter hoch, ich mochte gar nicht daran denken, wie hoch es in dem großem Stall war, in dem ja immer noch zwei Pferde standen.
?Verflixte *******?, fluchte ich. In dem Moment sah ich, dass Arcoss zusammen klappte. Es schien, als hätten seine Beine einfach nachgegeben.
?So ein ******?, rief Sven und lief zu Arcoss, um seinen auf dem Boden liegenden Kopf über Wasser zu halten. ?Der kann doch jetzt hier nicht verrecken!?
Ich geriet langsam aber sicher in Panik. Ich war ja einiges gewohnt, aber das hier war dann doch zu viel. ?Jule, er muss aufstehen, koste es was es wolle. Ich kann ihn nicht mehr lange halten!?
?Wie denn, mensch was soll ich denn machen?? ?Es ist mir ****** egal, und wenn du ihn in den ***** treten musst. Wenn er liegen bleibt säuft er ab.?
Sven redete auf Arcoss ein und versuchte ihn hochzuziehen, doch dieser konnte anscheinend seine Beine nicht richtig unter sich ordnen. Ich holte einen Führstrick und band ihn ihm um den Bauch. Nun zog ich dran, so doll ich konnte. Ich legte mein ganzes Gewicht in den Strick. Normalerweise konnte ich nicht so ruppig mit Pferden umgehen, aber dieses Mal blieb uns keine andere Wahl. Und Arcoss stand tatsächlich auf. Seine völlig durchnässte Decke hing an einer Seite runter und Arcoss schien dieses nervös zu machen, aber zum Glück stand er jetzt und einigermaßen ruhig war er auch.
?Nun aber ab in den anderen Stall, sonst saufen uns da die Pferde ab. Und dann wird hier alles verriegelt und verrammelt, bis kein Tropfen mehr rein kommt. Du Jule, du weißt wo die anderen beiden Idioten wohnen. Lauf da hin und klingel? sie aus dem Bett. Es ist mir ****** egal was sie dazu sagen, aber sie müssen herkommen. Du schaffst das schon. Ich bring die beiden anderen Pferde in den kleinen Stall. Irgendwie muss das passen, und wenn ich sie stapeln muss.?
Als ich mir ausmalte, wie Sven die Pferde stapeln würde, musste ich grinsen, dann wurde mir aber schnell wieder der Ernst der Lage klar. Ich nickte nur kurz und rannte dann so schnell mich meine voll Wasser gelaufenen Stiefel trugen in Richtung Stadt. Ich glaube, ich bin noch nie in meinem Leben so schnell gerannt.
In der Stadt hielt sich das Chaos noch in Grenzen. Einige Leute rannten durch die Nacht und versuchten verzweifelt ihr Hab und Gut ins Trockene zu bringen. Die Feuerwehr hatte anscheinend Großeinsatz, überall wurden Häuser und Keller leer gepumpt. `Hoffnungslos`, dachte ich mir `Genauso hoffnungslos, wie unser Versuch, den Stall trocken zu kriegen. Es läuft doch sowieso wieder alles voll.` Ich ging jetzt langsamer. Irgendwo hier war das Haus von Michael. Ja Hausnummer 18, das war es, ich war mir ziemlich sicher. Und dann begann das große Sturmklingeln. Ich klingelte bestimmt 5 Minuten ununterbrochen, bis mir endlich eine verschlafene Gestalt öffnete.
?Hä? Hmmmmm.... mhpf?, hörte ich es nur murren. Dann erkannte er mich wohl. ?Meine Fresse Jule was machst du denn hier?? Es ist mitten in der Nacht!?
Ich fragte mich, ob er wirklich dachte, dass ich das noch nicht wusste.
?Michal du musst unbedingt mit zum Stall kommen, da ist der Horror los.?
?Was, jetzt? Du tickst wohl nicht mehr ganz richtig.?
Ich nahm mir vor, mich nicht abwimmeln zu lassen. Er musste einfach mitkommen, und wenn es noch 3 Stunden dauerte, bis ich es ihm verklickert hatte.
?Der ganze Hof steht unter Wasser. Die Pferde in dem großem Stall saufen fast ab, und du willst weiterpennen? Bitte Michael tu?s für mich, oder für Sven oder für die Pferde, meinetwegen tu?s für die heilige Maria aber bitte komm mit.?
?Grmpf mach doch nich? so Theater... ich komm ja schon. Moment, ich zieh mir eben was an.?
?Super.? Ich freute mich, ihn überredet zu haben.
?Ich hol jetzt Kai, geh bitte schon zum Hof und beeil dich!?

Nachdem ich auch Kai überredet hatte liefen wir zusammen zum Hof zurück. Ich schaute kurz in den großen Stall und konnte mit Beruhigen feststellen, dass hier keine Pferde mehr waren. Sven hatte es also tatsächlich geschafft.
Etwas beruhigt ging ich in den kleinen Stall. Die Pferde in der Stallgasse erdrückten sich fast gegenseitig, so dicht waren sie aneinander gequetscht. Michael und Sven waren schon voll dabei, das Dach zu reparieren und irgendwie schien es ihnen auch zu gelingen, jedenfalls sahen die Wassermassen, die in den Stall strömten schon nicht mehr ganz so furcht erregend aus. Vielleicht würde ja doch noch alles gut werden.
 
Alt 26.07.2004, 18:58   traurige, aber wahre Pferdegeschichte Beitrag #5
Angel
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Es war jetzt mittlerweile 7 Uhr. Es wurde es schon etwas heller, jedenfalls konnte man jetzt frühzeitig erkennen, wenn man drohte irgendwo gegen zu laufen. Wir waren alle total erschöpft, aber der Stall war nun wirklich fast dicht und es regnete auch nur noch ein bisschen.
Ich ging in Yoshis Box, in der er zusammen mit Svens großem Schecken stand. Ich freute mich, dass der alte Wallach so ruhig geblieben war und auch jetzt ganz entspannt da stand. Er war wirklich ein liebes Pony. Auch der Schecke war den Umständen entsprechend gelassen. Wir hatten echt tolle Pferde hier. Ich konnte echt nicht verstehen, dass manche Menschen diesen Tieren so wenig Würde entgegen brachten.
?Juhuuuuu!? Ein Jubelschrei riss mich aus meinen Gedanken. Es ist trocken, die Sonne ist da!?
Diese zwei Sätze nahmen mir meine ganze Anspannung. Freudestrahlend ging ich nach draußen, wo ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte, als ich Sven in dem knietiefen Wasser über den Hof tanzen sah. Er rannte auf mich zu, nahm mich hoch und wirbelte mich herum. ?Ich glaube dieser ganze ****** ist vorbei.? Mir fiel ein Stein vom Herzen. Auch ich vermutete nicht, dass es noch mal anfing, zu regnen. Das Wasser würde sicher bald abfließen, und dann war wieder alles normal.

Zwei Tage waren seit dem Unwetter vergangen. Ich war in diesen zwei Tagen kaum auf dem Hof gewesen, da ich viel Stress mit meinen Eltern hatte, weil ich in der einen Nacht so einfach zum Hof gegangen war, ohne ihnen Bescheid zu sagen. Nun freute ich mich natürlich um so mehr, den ganzen ?Trupp? und natürlich die Pferde, nicht zuletzt Yoshi, wieder zu sehen.
Als ich auf dem Hof ankam wurde ich natürlich gleich stürmisch von den beiden Hofhunden empfangen. ?Na ihr beiden?, begrüßte ich sie fröhlich.
Von dem Hochwasser war kaum noch was zu sehen, nur der matschige Boden deutete darauf hin. Ich hoffte, so was nicht noch einmal erleben zu müssen. Dann wurde ich auch schon von Sven und Michael begrüßt. ?Na Kleine, da bist du ja endlich wieder?, sagte Sven fröhlich und umarmte mich. ?Ich dachte, du kommst gar nicht mehr.?
Ich erzählte ihm von dem Stress mit meinen Eltern und er schaffte es wieder mal, mich aufzuheitern. ?Vergiss deine Alten, die haben doch keine Ahnung. Ich hab megageile Neuigkeiten für dich.?
Nun war ich aber gespannt. ?Der Tierarzt war gestern mal wieder hier und hat alle Pferde durchgecheckt.? ?Ja und?? Ich platze fast vor Neugier. ?Zu Yoshi hat er gesagt, dass er in einem erstaunlich gutem Zustand ist. Normalerweise wäre er schon verkaufsbereit.? Ich bekam etwas Angst. Wollte Sven mir jetzt etwa erzählen, dass Yoshi jetzt schon verkauft werden sollte? ?Ja, und??
?Ich habe dann vorhin mit Silke telefoniert. Sie freut sich natürlich, aber sie sagt, dass sie ihn noch nicht verkaufen will. Ich soll dich fragen, ob du nicht Lust hast, ihn zu reiten.?
?Was? Ich soll Yoshi reiten? Kann er denn überhaupt... ich meine...?
Sven konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. ?Ja, der Tierarzt meint, dass er fit genug ist. Er hat auch den Rücken durchgecheckt und er hat echt überhaupt keine Probleme. Natürlich musst du es langsam angehen lassen.? Ich freute mich total. Erstens, weil es ?meinem? kleinem Pony so gut ging und zweitens natürlich, weil ich ihn jetzt reiten durfte. Die nächste Zeit würde sicherlich supertoll werden.
Ich ging mit Sven und Michael zu den Ställen. ?Ist nicht viel zu tun heute?, erklärte Michael. ?Wenn du Lust hast, kannst du die Büroarbeit übernehmen. Da liegt soviel Kram rum seit Silke weg ist und du weißt ja, wie viel Ahnung wir davon haben.? ?Äh ich weiß nicht ob ich das schaffe?, versuchte ich zu protestieren. Eigentlich hatte ich ja wirklich überhaupt keine Lust auf Papierkram und Telefonate, obwohl ich mich insgeheim sehr darüber freute, dass mir soviel Verantwortung zugeteilt wurde. ?Schaffst du schon. Und wenn du was nicht verstehst, lässt du es halt liegen. Bitte!? Michael sah mich mit seinen großen Augen an. ?Jaja, schon verstanden. Aber kann Kai...? ?Kai hat genauso wenig Ahnung wie der Dicke und ich. Der weiß nicht mal, wie Papierkram geschrieben wird.? Ich sah ein, dass es keinen Sinn machte, was dagegen zu sagen und ging ins Büro. Es sah nicht so schlimm aus, wie erwartet. Ein paar Briefe, Rechnungen und Zettel lagen rum und der Anrufbeantworter war bestimmt auch schon kurz vorm explodieren, aber dafür, dass ich das totale Chaos erwartet hatte, ging es.
Als ich grade angefangen hatte, aufzuräumen, klingelte das Telefon.
?Pferdegnadenhof Silke Bartel, Julia Lehrke am Apparat?, meldete ich mich. ?Guten Tach?, erklang eine dunkle Männerstimme. ?Ich habe hier zwei Pferde, kann ich die Ihnen vorbei bringen?? Dieser Mann redete wirklich ohne jede Umschweife. ?Um was für Pferde handelt es sich denn?? ?Zwei Klepper, ein Brauner und ein goldfarbener. Sind nichts mehr wert, der eine läuft nicht richtig und der andere spinnt total. Meine Frau möchte nicht, dass sie zum Abdecker kommen.? Ich staunte. Es gab also doch noch Männer, die auf ihre Frauen hörten. ?Klar, bringen Sie sie vorbei.? ?Okay ich bin gleich da, tschüß.? Und dann ertöne nur noch ein langes ?Biiiiiiiiiiiiiieb?. Ich fragte mich oder Mann Angst vor einer zu hohen Telefonrechnung hatte oder immer so kurz angebunden war. Nicht einmal seinen Namen hatte er verraten.
Ich ging raus und teilte Kai die Nachricht mit. Er sagte ich habe das gut gemacht und versprach, zwei Boxen herzurichten. Ich war gespannt auf die neuen Pferde, was das wohl für welche sein mochten?
Kurze Zeit später fuhr ein Pferdetransporter auf den Hof. Ich rannte sofort nach draußen. Das mussten die neuen Pferde sein. Auch Sven und Michael kamen.
Der Besitzer, ein etwa 50 jähriger, schmierig aussehender Mann mit Glatze und Bierbauch stieg mühevoll aus dem Auto.
Wir hätten uns auf den Boden schmeißen können vor Lachen doch dann riss sich Sven zusammen und begrüßte den Typen so freundlich es ging.
?Ja ja ich habe keine Zeit für dieses Getue. Machen Sie die Klepper raus?, entgegnete er nur mit unfreundlicher Stimme.
Michael ließ sich das nicht zweimal sagen und ließ die Ladeluke des Hängers runter. Das eine Pferd war wohl nicht angebunden. Es erschrak, stieg und rannte dann rückwärts von der Rampe. Michael konnte das völlig verstörte Pferd grade noch am Halfter packen, bevor es wegrannte.
?Das Pferd ist irre, sehen Sie ja. Ich wünsche Ihnen viel Spaß damit?, giftete der dicke Mann. Michael drückte mir das Pferd, eine braune Stute in die Hand, ging dann auf den Hänger und holte das andere Pferd, einen Palominowallach. Nachdem er mir auch dieses Pferd in die Hand gedrückt hatte, schloss er die Ladeluke wieder. Ohne sich zu verabschieden oder ein Wort des Dankes zu hinterlassen quälte der Mann sich wieder in sein Fahrzeug und raste vom Hof.
Sven sah ihm kopfschüttelnd hinterher. ?Wenn hier einer irre ist, dann der?, war sein Kommentar, dann nahm er mir den Palomino ab und betrachtete ihn genauer. ?Der scheint lahm zu sein, ich denke wir rufen gleich mal den Tierarzt, der rennt ja nur noch auf drei Beinen. Ansonsten sieht er ja noch ganz gut aus.? Ich musste Sven wirklich zustimmen. Das Pferd war hochbeinig gewachsen und hatte eine wunderschöne, goldschimmernde Fellfarbe und schneeweiße Mähne. Er hatte wache Augen und wäre bestimmt rumgetänzelt, wenn er noch dazu in der Lage gewesen wäre.
?Der Irre hat mir nen paar Papiere in die Hand gedrückt?, sagte Sven und sah auf die Bögen Papier in seiner Hand. ?Abstammungsnachweise und so?n Zeug, hat er gesagt.? Sven knickte die Papiere auseinander. ?Ich hätte es nicht gedacht, aber die Pferde scheinen tatsächlich Papiere zu haben.? Er sah sich kurz die Papiere an, dann sagte er: ?Der Wallach heißt ?Flying on golden Wings?, ah ja.? Sven schien sich erst über den Namen lustig machen zu wollen, dann redete er jedoch weiter. ?Er ist ein reinrassiger Palomino und soweit ich das beurteilen kann, ist seine Abstammung gar nicht so schlecht. Die Stute heißt ?Ghana Morena? und ist ein Hispano Araber. Òlala, ich frag mich, wie dieser schmierige Irre an so edle Pferde kommt.?
Ich begutachtete die Stute genauer. Sie war ziemlich aufgeregt und tänzelte um mich herum. Ihr Araberblut ließ sich nicht verleugnen, sie war sehr zierlich gebaut und hatte einen wunderschönen Kopf. Groß war sie nicht, vielleicht 1,50m. Sie war dunkelbraun und auf der Stirn hatte sie einen kleinen, glänzend weißen Stern. Ich fand sie sehr hübsch und wusste sofort, dass sie nicht auf einen Gnadenhof gehörte. Lange würde sie sicher nicht hier bleiben.
?Ich ruf mal den Tierarzt an?, sagte Michael. ?Der wird sich sicherlich freuen, war ja lange nicht mehr hier.? ?Ja, schon fast vier Stunden nicht mehr?, entgegnete Kai. ?Eigentlich kann der doch gleich hier einziehen.?
Michael verschwand im Büro. ?Denkst du, die Stute lässt sich reiten??, fragte ich Sven hoffnungsvoll. ?Sicher, krank scheint sie nicht zu sein. Ein bisschen temperamentvoll vielleicht. Bin gespannt, was Silke wohl zu der sagen wird. So edles spanisches Blut hatten wir hier noch nie. Frag mich wie der Irre darauf kommt, das Tier an einem Gnadenhof abzuliefern.? Ja, das fragte ich mich auch.
Etwa eine halbe Stunde später kam der Tierarzt. Wir hatten Ghana Morena und Fly, wie wir den Palomino kurz nannten, am Anbindeplatz angebunden. Ghana Morena hatte sich etwas beruhigt. Ich hoffte, dass sie eine Untersuchung durch den Tierarzt zuließ.
?Na ihr beiden, wieder mal neue Pferde??, begrüßte der Tierarzt uns. ?Ja und was für welche?, entgegnete Sven stolz.
?Meine Fresse, was haben die denn auf einem Gnadenhof verloren?, wunderte sich der Tierarzt, als er sich die beiden näher angesehen hatte. Er untersuchte zuerst den Palomino. Ich war ziemlich aufgeregt. Ob das mit seinem Bein wohl was Schlimmes war?
?Joa Leute, wisst ihr was??, fragte der Tierarzt ernst.
?Sehnenriss? Knochenbruch?? Sven war besorgt. ?Fast richtig Junge. Stein im Huf!? ?Was bitte??? Ich konnte es nicht glauben. ?Das Tier ist kerngesund.? Sven prustete los. ?Einen Stein im Huf? Woll?n Sie mich verar.... äh auf den Arm nehmen? Das kann ja wohl nicht angehen!? ?Stell dir vor, er wäre deswegen beim Schlachter gelandet?, sagte der Tierarzt während er den Stein aus dem Huf pulte. Ich wollte es mir lieber nicht vorstellen.
 
Alt 26.07.2004, 18:59   traurige, aber wahre Pferdegeschichte Beitrag #6
Angel
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Als der Tierarzt mit Flys Untersuchung fertig war, und auch bei Ghana Morena keine Krankheit feststellen konnte, fuhr er wieder davon. Mir fiel ein Stein vom Herzen, dass die Pferde gesund waren.
?Da haben wir ja mächtig Schwein gehabt. Ich glaube, ich stelle die beiden erstmal raus auf die Koppel. Die Stute scheint noch ziemlich nervös zu sein und da kann sie sich erstmal abregen.?
Wir brachten also die beiden Pferde auf eine der riesigen Weiden. Ghana Morena schien sich sehr zu freuen und als ich ihr das Halfter vom Kopf nahm, ließ sie sich nicht mehr aufhalten und rannte im gestrecktem Galopp über die Koppel. Fly schien sich noch etwas unschlüssig zu sein und guckte Sven etwas verdutzt an, dann trabte er aber mit hoch aufgestelltem Schweif der Stute hinterher.
?Lassen wir sie laufen?, meinte Sven und wir verließen die Koppel und gingen zurück zum Hof. Als ich mich noch einmal umsah war Fly schon am Grasen, Ghana Morena lief aber immer noch mit hoch erhobenem Kopf ihre Runden. ?Verrücktes Volk?, sagte ich nur und Sven stimmte mir zu.

Ich hatte nicht mehr viel zu tun auf dem Hof. Ich putzte noch Yoshi und zwei andere Pferde, dann brachte ich sie auf den Auslauf und wollte mich grade aus dem Staub machen, als Sven auf mich zu kam. ?Jule wart mal.? Erwartungsvoll drehte ich mich um und blieb stehen. ?Die beiden Blöden und ich gehen heut Abend auf die Party von Kais Bruder. Hast du nicht Lust mitzukommen?? Natürlich hatte ich Lust, und wie. Kais Bruder war für seine Spitzenpartys fast schon berühmt. ?Klar, was für eine Frage!? ?Super, ich hol dich dann heut Abend ab, sagen wir so gegen neun?? ?Ja, neun ist gut. Ich freu mich. Bis heute Abend.?

Ich freute mich wirklich auf den Abend. Freute mich, mal was anderes zu sehen, freute mich, was mit Sven zu unternehmen und freute mich, meinen Eltern mal was anderes erzählen zu können, als ?Ich gehe jetzt zum Hof?. Sie hielten mich wirklich schon für verrückt und waren der Meinung, es wäre nicht normal für ein 16 jähriges Mädchen, sich jeden Tag `mit so alten kranken Tieren` rumzuschlagen.
Ich machte mich fertig und Punkt neun Uhr stand dann auch Sven mit seinem Auto vor meiner Haustür. ?Na Kleine.? Er begutachtete mich. ?Boah, ich wusste gar nicht, dass du noch was anderes zum anziehen hast als Reithosen und alte Jeans. Sieht aber gut aus, wirklich.? Sven sah auch gut aus. Ganz anders als in zerrissenen Arbeitsklamotten und Stallschuhen.
Etwa eine viertel Stunde später kamen wir bei dem Haus von Kais Bruder an. Wir hatten Schwierigkeiten zwischen den ganzen parkenden Autos und Motorrädern noch einen Parkplatz zu ergattern. Es war wirklich voll hier. Die Musik tönte bis nach draußen und das ganze Haus war bunt beleuchtet. Ich war mir sicher, dass die Party megageil werden würde.
Wir gingen ins Haus und wurden gleich von der guten Stimmung erfasst. Die Partys von Kais Bruder waren wirklich immer klasse. Keine sinnlosen Massenbesäufnisse, sondern wirklich super.
Ich sah mich um. Sah, dass Kai grade wild mit seiner Freundin tanzte, dass Michael grade vergeblich versuchte eine hübsche Frau anzubaggern und dass auch viele Freundinnen und Bekannte von mir hier waren. Sven und ich gingen zu Michael und rieten ihm, die Frau in Ruhe zu lassen. Enttäuscht gucke er uns an. ?Wieso krieg ich nie eine ab?? ?Du hast keinen Stil Alter?, sagte Sven ironisch, aber als er sah, dass er Michael damit verletzt hatte fügte er schnell hinzu, dass er heute Abend sicher noch eine finden würde.

Die Zeit verging wie im Fluge. Nachdem ich etwa 2 Stunden getanzt hatte und weitere zwei Stunden mit meinen Freundinnen geredet hatte, ließ ich mich erschöpft auf ein Sofa fallen. Ich hatte wohl auch etwas über den Durst getrunken, denn mir war schon leicht schummerig im Kopf. `Nur noch schlafen`, dachte ich, aber daraus würde wohl nichts werden. Alleine konnte ich nicht nach Hause kommen und Sven dachte wahrscheinlich nicht mal im Traum daran, jetzt schon zu gehen. Amüsiert beobachtete ich die Leute auf der Tanzfläche. Manche konnten nun wirklich nicht tanzen und blamierten sich total.
Kurze Zeit später setzte sich Sven zu mir aufs Sofa. ?Na, schon keinen Bock mehr?? ?Bin ziemlich fertig?, entgegnete ich. ?Ach, jetzt schon? Ist doch nicht mal zwei Uhr!? Ich sah ihn entgeistert an und hoffte, dass er nur Spaß machte, aber er schien wirklich noch voller Energie zu sein. ?Ich will dich mal zwei Stunden lang tanzen sehen?, forderte ich, aber er winkte ab. ?Willst du nicht wirklich.? Ich lehnte mich an Svens Schulter, da ich kaum noch in der Lage war, vernünftig zu sitzen. ?Wirst ja wohl nicht schlapp machen??, fragte er skeptisch. Ich konnte nur noch ein gegrummeltes ?Hrmpf? rauskriegen. ?Na denn woll?n wir wohl mal nach Hause fahren?, sagte er plötzlich ziemlich laut und viele Leute sahen zu uns. Sven stand auf und ehe ich mich versah warf er mich über seine Schulter. ?Klein Jule ist müde?, meinte er entschuldigend zu den verwunderten Partygästen. ?Ich muss sie jetzt nach Hause bringen.? Mir war das ziemlich peinlich und ich zappelte und hämmerte mit meinen Händen gegen seinen Rücken aber Sven schien das nicht zu interessieren. Erst in seinem Auto ließ er mich wieder runter. ?*****?, murmelte ich. Er erzählte mir noch was, an das ich mich nicht mehr erinnern kann und dann fuhren wir los.
?Muss ich dich noch reintragen oder schaffste es alleine??, fragte er fies, als wir bei mir zu Hause ankamen. Ich ging nicht auf seine Frage ein. ?Danke Sven?, sagte ich. ?Es war ein toller Abend. Tut mir Leid, wenn ich ihn dir versaut habe.? ?Quatsch, mir hat?s auch gefallen?, meinte er und sah mir in die Augen. Dann passierte es, es war das erste Mal, dass wir uns küssten.
 
 

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