Alles begann im Sommer, als mein 17jähriger Hannoveraner Wallach Washington auf einmal lahm war.

Nach einer Woche Hoffen und Bangen kam dann die Diagnose Fesselträgerschaden.
Er bekam eine Blutegelbehandlung und Weide verordnet und 8 Wochen später hatten wir die Aussage einer Klinik, dass wir wieder antrainieren könnten.
Es sah gut aus und wir begannen mit Schritt reiten geradeaus.
Aber bereits nach 5 Wochen war klar, dass das Bein nicht gehalten hat.
Am 23.09.2011 fiel die Entscheidung ihn in Rente zu schicken.
Und ich bekam eine RB in dem Stall, wo er untergebracht war.
Es dauerte keine Woche und mir war klar, ich würde mir wieder ein neues "Sportpferd" kaufen.
Die Suche begann.
Zunächst nur ein wenig luschern.
Ich hatte ja Zeit und auch noch keinen Rentenplatz für meinen Großen.
Und ich war mir noch nicht im Klaren, was ich überhaupt suche.
Fest stand eigentlich nur, groß muss es sein.
Der Vorsatz, es langsam angehen zu lassen war ruckzuck dahin und schwupp fuhr ich 100te km durch Deutschland.
Dabei habe ich mir verschiedene Pferde angesehen.
Kandidat Nummer 1: war in meiner Preisklasse + und ich total verliebt, aber die Vernunft hat gesiegt, denn er war sehr weich gefesselt
Kandidat Nummer 2: wurde einen Tag vor meinem zweiten ausprobieren verkauft
Kandidat Nummer 3: parkte beim 2. Probereiten vor einem Caveletti und war damit raus
Kandidat Nummer 4: Verkäufer und ich wurden uns nicht einig
Kandidat Nummer 5: Lady Suesi, 1. Probereiten 01.12.2011

Als ich sie da stehen sah, war sie groß (1,76) und mächtig, aber nicht wirklich schön.
Sie wurde uns vom Vermittler vorgeritten und meine Begleitung stellte gleich fest, sie ist das bis jetzt best gerittenste Pferd, was wir uns ansehen.
Sie wurde uns vorgesprungen und mir war schnell klar, da
MUSS ich rauf.
Also raufgeklettert und losgeritten.
Und was soll ich sagen?
Es hat "
klick" gemacht.
Niemals hätte ich gedacht, dass mir das nochmal passiert, habe ich doch erst vor ein paar Wochen mein Traumpferd auf die Weide in Rente gestellt.
Mir wurde aber auch schnell klar, dass sie mindestens 2-3 Nummern zu groß für mich ist.
Ich brauche auf jeden Fall Unterstützung in der "Erhaltung" der Rittigkeit.
Und sie war leider auch deutlich über meinem Preislimit.
Ich hatte gehofft, wenn ich mir ein gut ausgebildetes Pferd kaufe, dann könnte ich zumindest die ersten Monate mit weniger Unterricht und Beritt auskommen und dafür ein wenig über meinem Limit liegen.
Leider war sofort klar, dass das mit
dieser Stute nicht geht.
Ich war verliebt, sie aber nicht in der Größenordnung meines Geldbeutels.
Ich beschloss geradeheraus zu sein und genau dies zu sagen.
Die Reaktion war anders als ich erwartet hatte, bereits in diesem ersten Gespräch mit dem Vermittler kam mir dieser fast 1.000 Euro im Preis entgegen.
Die Begründung hierfür: Die Stute ist nicht das, was heute auf dem Markt gesucht würde (zu groß, zu massig, alter Schlag und zugleich nichts für Anfänger).
Wir teilten ihm mit, dass noch ein weiteres Pferd auf unserem Tourplan stünde und ich noch eine Nacht über alles schlafen müsse.
Bereits am gleichen Abend bekam ich einen Anruf von besagtem Vermittler, ob ich gut heim gekommen wäre und wie denn das letzte Pferd gewesen sei.
Wiederum war ich geradeheraus und sagte:
"Nett, aber nicht so toll wie die Stute."
Aber dass ich immer noch mit meiner Vernunft ringe und wenn er noch 1.000 weniger gesagt hätte, wäre sie sofort meine gewesen.
Aber so müsse ich eben noch eine Nacht drüber schlafen.
Er teilte mir mit, dass der
Besi beruflich in China sei bis Montag und er nicht wisse, ob die Frau ein niedrigeres Angebot machen dürfe.
Er aber versuchen würde, dort noch einen geringeren Preis auszuhandeln.
Ich antwortete, dass ich mich nicht bis Montag gegen sie entscheiden würde, wenn ich dann eine nähere Info bekäme.
Wir legten auf.
Am nächsten Morgen (02.12.11) bekam ich einen Anruf, dass die Besitzer sich auf den Preis einließen.
Ich konnte mein Glück kaum fassen.
Dann kam die
Ankaufsuntersuchung (08.12.2011).
Die lief allerdings nicht so, wie erhofft.
Bereits beim Abhorchen des Herzens wurde ein Doppelton gehört.
Zunächst bereitete das keinen Grund zur Sorge, denn wenn dieser Doppelton nach der Belastung weg wäre, wäre das nur eine Blutverwirbelung vorm Herzen, was nicht schädlich wäre.
Nun, es ging also zunächst weiter im Text.
Beugeproben und lostraben.
Meine Begleitung sagte, sie habe noch nie so eine gute Beugeprobe bei einem 9 jährigen Pferd gesehen, das sei eine 1 mit 3*.
Okay, nun die Belastung und danach das erneute Abhorchen des Herzens.
Weiter Doppelschlag.
Mir sank das Herz in die Hose.
Dann ging das beratschlagen über die weitere Vorgehensweise los.
Es wurde der Entschluss gefasst, dass in einer Klinik ein Doppler Ultraschall gemacht wird, der ausschließen muss, dass es sich hierbei um ein Problem an den Herzklappen handelt.
Denn dies wäre ein "no go" für mich.
Ein Defekt an den Herzklappen würde bedeuten, dass es passieren kann, dass das Pferd unter Belastung einfach tot umkippt. Muss nicht, kann aber.
Die Besis mußten diesem Vorschlag noch zustimmen, denn sie waren nicht bei der
Aku dabei.
Wir machten einen Vorvertrag fertig in zweifacher Ausfertigung, den ich unterschrieb und in dem festgelegt wurde, dass zusätzlich zur klinischen Untersuchung diese Zusatzuntersuchung ohne leistungseinschränkenden Befund sein muss, damit ich das Pferd kaufe.
Leider ist das noch nicht das Ende der Geschichte.
Der Vermittler versuchte einen Termin in einer Tierklinik zu bekommen, denn nur dort kann der Ultraschall gemacht werden.
Aber ...
Klinik 1: Gerät defekt
Klinik 2: Gerät heile, aber qualifiziertes Personal langfristig krank

1 Tag später dann der Anruf.
Bei Klinik 1 kommt Montag (12.12.11) ein Techniker und wir haben schon mal für Donnerstag (16.12.11) 10.30 Uhr einen Termin.
Jetzt ist also 1.) das Bangen, dass das Gerät wirklich okay ist 2.) bitte, bitte nichts mit dem Herzen ist.
Und es hieß warten, warten, warten ...
Dienstag (13.12.11) dann der Anruf vom Vermittler, das Gerät wäre nicht reparabel in der Woche.

Aaaaaaaaaaaaabeeeeeeeeeeeeerrrrrrrrrrrrrrrr das Personal aus Klinik 1 war bereit in Klinik 2 zu
fahren, um dort die Untersuchung zu machen. Terminverschiebung allerdings auf 12.00 Uhr.
Nun, 90 Minuten, was soll´s.
In der Klinik also das große Zittern.
Wir waren deutlich zu früh da und sind dann noch einen Kakao trinken gefahren.
Suesi war noch nicht da.
Wir sind dann um 5 vor zwölf zurück zur Klinik, 2 nach zwölf kam Suesi und 5 nach die Ärztin.
Wir luden Suesi ab und los gings, erstmal abhören.
Der Doppelschlag war auch in der Klinik noch da.
Mäuschen war aufgeregt und zappelte ein bisl.
Im großen Behandlungsraum war sie schon ein bisl zappelig und zitterte am ganzen Körper, sie bewegte sich auch ein wenig, ich fand sie dennoch tapfer.
Zwischendurch wurde nach ein narkotisierter Hund an uns vorbeigeschoben und im Hintergrund kam ein gerade kastrierter Wallach aus dem OP (ich fragte mich, ob ich das wirklich sehen wollte

).
Stuti brachte aber mit einer mini-mini Beruhigungsdröhnung (mehr hätte den Herzton verändert) alles hinter sich.
Als das grüne Licht kam hatte ich sofort Pippi in den Augen.
Ich lehnte mich gegen Püppis Kopf und flüsterte Ihr zu, dass sie jetzt bald
mein sein würde.
Die Verkäuferin hatte ebenfalls Tränen in den Augen (mir schien, aus wirklicher Erleichterung, dass Hotti ein gesundes Herz hatte), sie nahm mich spontan in den Arm und sagte mir, dass sie froh sei, einen tollen Käufer gefunden zu haben, denn ihr wäre nun klar geworden, dass Suesi es gut haben würde bei mir. *schnief*
Wir haben dann das Mädel verladen.
Meine Begleitung hat sie festgehalten, die noch Besitzerin und ich haben sie angezogen und ich habe sie dann verladen.
Sie trottete brav mit mir mit.
Dann noch die Formalitäten und zum Schluss habe ich mich von "
meinem" neuen Pferd verabschiedet.
Sagte ich schon?
Ich habe mir ein Pferd gekauft.