Uff, habt ihr viel geschrieben

Also, noch mal zur Klarstellung in allgemeiner Form, weil ich nicht auf jeden einzelnen Beitrag eingehen will.
Ich habe nicht gefragt, ob man ein Pferd maßregeln muss. Ja, ein Pferd soll nicht alles dürfen, es muss seine Regeln kennen und beachten, ist doch klar.
Ich wollte aber feststellen, dass ich dieses Totschlag-Argument, eben dieses "das machen die doch auch so untereinander" nicht leiden kann.
Also, noch mal ein kurzes Beispiel, was ich meinte.
Hier im Forum fragt Jemand:
Ich putze mein Pferd. Das hampelt rum, zieht am Strick, knabbert an meiner Jacke usw.
Dann kommt garantiert irgendwann die Antwort "Da würd's bei mir einmal richtig knallen und dann wäre Ruhe."
Ich behaupte aber mal, dass es bei den meisten, die das so handhaben, nicht SOFORT so passiert. Das Pferd zappelt rum. Mensch putzt erst mal weiter. Pferd knabbert am Strick. Mensch sagt Lass das. (Kriegt Pferd vielleicht gar nicht mit, da gerade ins Strickknabbern vertieft.) Pferd knabbert an Jacke. Mensch lacht Hey du Schlingel. Pferd erwischt den Arm. Polen ist offen und Mensch schlägt dem Pferd auf den Kopf, weil es ihn einfach so gebissen hat!
Und das wird dann rechtfertigt mit "Ach, beim Fressen schubsen sich die Pferde ja auch gegenseitig, wenn sie ans Heu wollen." Wenn dann so - wie ich finde - unlogisch - argumentiert wird, fehlt mir das: Pferd knabbbert am Strick, Mensch macht einen drohenden Schritt auf das Pferd zu. Pferd sucht die Jackentasche - Mensch "legt drohend die Ohren an". Pferd schubst ungeduldig an Menschs Bauch, Mensch schnappt drohend. Pferd beißt in Arm, Mensch beißt zurück.
Das wäre die für ein Pferd logische Reihenfolge. Jaaaaaaa, ich weiß, dass Pferde und Menschen anatomisch anders sind.



Wenn hier Jemand ein Problem postet, gibt es in der Regel verschiedene Antwort-Schubladen (Achtung, jetzt wird's etwas überspitzt und ironisch, nicht beleidigt sein, egal, in welcher Schublade ihr seid ;-) ):
1. Die Verständnisvollen haben Mitleid mit dem Tier und schreiben in der Regel, dass das arme Pferd sicherlich eine schwere Kindheit hatte und nun ganz viel Leckerli, Weide und Streicheleinheiten braucht.
2. Die Pragmatischen finden es zwar bedauerlich, dass das Pferd ein Problem hat, aber es soll halt zusehen, dass es dieses woanders auslebt. Sie erklären dem Pferd einmal geduldig, wie es sein soll und so wird's dann gemacht.
3. Die Egoisten freuen sich, dass Jemand die Sprache auf das bringt, was sie selbst gerade so beschäftigt, schreiben daher als Einleitung "Das kenne ich auch" und dann folgt eine 500-spaltige Schilderung ihres eigenen Problems.
4. Die Offtopicer haben keinen Plan, wollten aber unbedingt mal loswerden, dass sie das Avatarbild der Threaderstellerin so süß finden.
5. Die (pseudo?) Energischen sind eben die, die ich eingangs meinte. Anfangs kann man sie leicht mit den Pragmatischen verwechseln. Während die Pragmatischen aber in der Regel viel Pferdeverstand haben und diesen auch nutzen, haben die Energischen nur mal irgendwo aufgeschnappt, dass man dem Pferd immer zeigen muss, wer der Boss ist. "Solange du die Hufe in meine Box stellst..." Da tut es dann nicht zur Sache, ob der im Forum um Rat fragende Mensch vielleicht noch Anfänger ist und daher manche Sachen gar nicht richtig umsetzen kann, da spielt es keine Rolle, ob das Pferd ein Dreijähriger oder ein 20-jähriges Schuli ist. Es gibt ein Problem? Nix da, ich bin Chef und ich bestimme. Dass sie das Problem an sich dabei oft nicht erkennen, sondern nur "Widerstand" registrieren, merken sie nicht. Daher reagieren sie auch nicht der Situation angepasst, sondern einfach immer mit Härte.
Ich betone, dass ich hier nicht von der Situation schreibe, dass ein Pferd mit angelegten Ohren, aus denen schon der Dampf kommt, im Jagdgalopp direkt auf mich zurast. (Jemand schrieb hier schon verwundert, ob es denn so viele gefährliche Pferde gebe, die man ständig rigoros zurückhalten muss. Kenne ich so auch nicht, jedes Pferd hat Macken, aber so viele gefährliche Pferde können doch gar nicht durch die Gegend traben???) Sondern von Pferde-Alltagsproblemen.
Und unter dieser Prämisse kann ich es nicht leiden, wenn Mensch nicht in der Lage oder nicht willens ist, sich in sein Pferd einzufühlen oder einzudenken und es sich dann eben mit diesem Totschlagargument einfach macht. Ich finde, Pferde, die wirklich so viel für uns tun, haben es einfach verdient, dass wir zumindest versuchen herauszufinden, warum sie wie reagieren.
Wenn der Mensch nur sagt, "Untereinander gehen die auch grob miteinander um, also kann ich das auch. Ich wiege sowieso weniger als mein Pferd." finde ich, dass die Hälfte fehlt. Nämlich, wie schon geschrieben, eine konsequente Übernahme aller pferdischen Kommunikation.