Ich habe früher auch Voltigiert, bis Klasse S (Damals hieß es noch A). Damals war das noch ok, klar ist es eine hohe Belastung für die Pferde, aber sie wurden gründlich ausgebildet, gut geritten und der Tagesform entsprechend trainiert. Dann war das auch tragbar und die Pferde bleiben genauso lange gesund wie andere auch.
Leider hat sich das mittlerweile gewandelt. Die früheren Pferde wurden zu alt, also musste schnell neues Material her. Die müssen dann innerhalb von einem Monat Galoppgruppen tragen können und artig laufen, sonst sind es Mistböcke. Wenn ein Pferd noch nicht genug Kraft hat, in ordentlicher Selbsthaltung zu laufen, werden eben die
Ausbinder kurz geschnallt. So läuft dort jetzt ein total zierlicher Englischer Vollblüter Volti unter einer L-M Gruppe, muss also drei Leute im Galopp tragen. Das Pferd hat ständig Rückenprobleme und geht nur noch Schaukelpferdegalopp, auch beim Reiten. Meine damalige
RB wollten sie auch nehmen, aber der hat ihnen ganz schnell nen Strich durch die Rechnung gemacht und angefangen, zu treten (Muss man sich mal vorstellen, der brave Schluffen). Kein Wunder, wenn man ein Pferd, dass nichtmal unterm Reiter richtig galoppieren konnte, knalleng ausbindet und dann versucht, unter zwei Leuten galoppieren zu lassen. Wäre man das ordentlich und in Ruhe angegangen, wäre er sicher ein perfektes Voltipferd gewesen, weil kräftig, ruhig, ein sehr weicher Galopp und dazu noch eine imposante Erscheinung.
Und was hier auch schon angesprochen wurde, ist auch ein Problem, dass ich auch oft sehe: Zu dicke Mädchen. Beim Reiten ist das noch die eine Sache, bei einem guten Reiter mag das ok sein, wenn er gut sitzt und das Pferd gut trainiert ist. Aber doch nicht, wenn drei Leute auf dem Pferd sind, und der schwerste noch auf dem Hals des Pferdes sitzt! Das gabs damals bei uns nicht, da war unsere Trainerin knallhart, entweder Idealgewicht oder nicht aufs Pferd.
Was ich auch traurig finde ist, dass viele Mannschaften es immer noch nicht mitgekriegt haben, dass es pferdeschonender ist, auf Kappzaum zu longieren. gerade, wenn ein Pferd ständig longiert wird.
Ein weiteres Problem ist, dass Der Fokus nur noch auf die Akrobatik gelegt wird, nicht auf das 'reiterliche'. Alle Voltis, die ich in meine Longenstunden bekomme, Sitzen unglaublich steif auf dem pferd, weil sie eine viel zu hohe Grundspannung haben. Denn beim
Voltigieren lernen sie nicht, locker auf dem Pferd zu sitzen. Wenn man nicht aussitzen kann, zieht man sich am Gurt ins Pferd und klammert sich mit dem Beinen fest. Natürlich ist das bei schwierigen Übrungen nötig, aber ich finde, jeder Voltigierer sollte auch im Trab sicher aussitzen können.
Wichtig finde ich auch für Voltipferde, wie für alle Turnierpferde, Abwechslung. Dressurmäßige Arbeit ist natürlich wichtig, aber die Pferde sollten auch etwas anderes sehen, ausgeritten werden etc. Springgymnastik finde ich auch wichtig, damit die Pferde das Vorwärtsgehen und Sprünge verlängern im Galopp nicht verlernen. Höhere Sprünge natürlich nur sehr maßvoll, da das Votli eh schon eine hohe Belastung für die Vorderbeine darstellt.
Sicherlich gibt es auch Mannschaften, die ordentlich mit ihren Pferden umgehen, wo die Pferde so gut geritten werden, dass sie der Belastung standhalten, und wo Rücksicht genommen wird. Aber vielerorts hat es sich leider gewandelt wie in den meisten Sparten des Reitsports - Möglichst hohe Leistung möglichst schnell, egal wie. Und das betrifft nicht nur den Voltisport.