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Alt 09.03.2010, 22:41   Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern ! Beitrag #1
Barbie
Jährling
 
Registriert seit: 08.10.2005
Ort: Bonn
Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern !

Hallo liebe Pferdebesitzer,


sicherlich habt ihr es fast alle schon einmal erlebt: Das Pferd verletzt sich und der Tierarzt spritzt - ob vorbeugend oder weil tatsächlich schon eine Infektion vorliegt - Penicillin und einen Entzündungshemmer.Genau das ist auch bei meinem Pferd so geschehen und mein Pferd wäre daran fast eingegangen.

In der Fachsprache heißen diese Entzündungshemmer "nicht-steroidale Antiphlogistika". "Nicht-steroidal" bedeutet "ohne Cortison", "Antiphlogistikum" heißt nichts anderes als "Entzündungshemmer". Sie haben unterschiedliche Produktnamen, im Falle meines Pferdes war es "Finadyne"(Wirkstoff: Flunixin). Bekannt dürfte wohl allen "Equipalazone"sein (Wirkstoff: Phenylbutazon), ein "Pülverchen", zu dem aus meiner Erfahrung von den Tierärzten schnell gegriffen wird, besonders bei Einschussphlegmonen. Bei dem, was meinem Pferd passiert ist, kann ich mich allerdings nur wundern, wie leichtfertig seitens der Tierärzte mit diesen Medikamenten umgegangen wird, wo doch die Nebenwirkungen so verheerend sein können. Und dann vom Tierarzt bedauerlicherweise nicht einmal - obwohl genauso aufgetreten wie im "Beipackzettel" beschrieben - erkannt werden.

Mein Pferd hatte sich beim Toben im Auslauf eine Wunde unterhalb des Ellenbogens zugezogen. Daraufhin wurde neben Penicillin besagter Entzündungshemmer gespritzt. Am nächsten Tag zeigte mein Wallach ein gestörtes Allgemeinbefinden. Er war apathisch, depressiv, schien "in sich gekehrt", hatte Fieber und fraß kaum noch. Ich habe den Tierarzt gerufen. Der spitzte noch einmal dasselbe. Am nächsten Tag keine Veränderungen, dazu auch noch kein Äpfelabsatz mehr. Wieder habe ich den Tierarzt geholt. Er kam, meinte das Pferd sei "verstopft" (warum hat er aber nicht hinterfragt!), Nasenschlundsonde gesetzt, Paraffin eingeführt und noch einmal Finadyne gespritzt. All meine mehrfach geäußerten Zweifel (Pferd hat noch nie gekolikt, zeigte kein Kolikerverhalten, sondern war "wie sediert") wurden in den Wind geschlagen.

Heute weiß ich: Mein Pferd war längst in einem Nierenversagen, ausgelöst durch die immerwährende Gabe von Finadyne. Niemand ahnte das. Am wenigsten offensichtlich der behandelnde Tierarzt, von dem man annehmen sollte, dass ihm die Nebenwirkungen der von ihm verabreichten Arzneimittel geläufig sind.
Weil ich nicht an "Pest und Cholera" gleichzeitig geglaubt habe, habe ich eine Freundin angerufen, die als Amtstierärztin tätig ist. Sie hat sofort Alarm geschlagen. Eine Stunde später war mein Pferd in der Klinik. Diagnose: Akutes Nierenversagen, ausgelöst durch den nicht-steroidalen Entzündungshemmer. Die Nierenwerte (Kreatinin, Harnstoff) waren katastrophal hoch, das Pferd war dehydriert. Mein Pferd war dabei von innen auszutrocknen und sich selbst zu vergiften. Der Tierarzt, kein Neuling, sondern ein schon lange praktizierender, hatte überhaupt keine Ahnung davon gehabt.

Mein Wallach war fast drei Wochen in der Klinik. Davon stand er über eine Woche am Tropf und sie haben täglich 60 Liter Infusionslösung durch ihn durchgejagt, um seine Nieren wieder in Gang zu bringen. Er war ein Häufchen Elend, aber er ist immer ein Kämpfer gewesen. Er hat es geschafft und wird wohl wieder vollständig gesund werden. Das haben wir den kompetenten Ärzten in der Klinik zu verdanken, die schnell die richtige Diagnose gestellt und sofort die richtigen Behandlungsmaßnahmen ergriffen haben.

Viele von euch werden jetzt denken: War eben Pech, so eine Nebenwirkung kann immer mal - wenn auch selten - auftreten. Selten vielleicht, aber nicht so selten, wie man annimmt. In der Pferdeklinik kannte man die Probleme mit nicht-steroidalen Entzündungshemmern gut. Zeitgleich mit meinem Pferd war ein weiteres Pferd mit derselben Diagnose aufgrund desselben Medikaments in der Klinik. Soviel Glück wie wir hatten, haben nicht alle. Wir waren noch rechtzeitig da (dank meiner Freundin) und sind an einen Klinikarzt geraten, der genau wusste, was er tat. Manche Pferde schaffen es nicht und müssen eingeschläfert werden oder sie behalten einen chronischen Nierenschaden zurück.

Deshalb meine Bitte zur Vorsicht an alle: Seid nicht so unbekümmert im Umgang mit Equipalazone und anderen Entzündungshemmern. Sie sind unter Fachleuten bekannt dafür, bereits nach der ersten Anwendung, auch bei kerngesunden Pferden ein Nierenversagen auslösen zu können. Dies steht bei all diesen Medikamenten in den Fachinformationen. Bei längerer Anwendung sollten unbedingt Blutbildkontrollen durchgeführt werden. Hinterfragt auch die Behandlung durch den Tierarzt. An jeder Spritze kassiert er gut 30 €. Zieht notfalls einen zweiten Tierarzt zu Rate.

Wenn ihr aber dennnoch um einen Entzündungshemmer einmal nicht herumkommt: Beobachtet eurer Pferd. Zeigt es plötzlich Fressunlust, hat es die Ohren abgeklappt, das Mäulchen verkniffen und wirkt es "in sich gekehrt" und fast so als wäre es sediert, lasst sofort ein Blutbild machen, notfalls fahrt gleich in die Klinik. Ein akutes Nierenversagen kann nur in der Pferdeklinik behandelt werden, da das Pferd mehrere Tage Infusionen bekommen muss, um die Nieren wieder in Gang zu bringen. Der Klinikaufenthalt kostet in solchen Fällen mehrere Tausend Euro. Der Erfolg der Behandlung ist nicht sicher. Wir haben sehr viel Glück gehabt. Das muss nicht immer so sein...

Viele liebe Grüße

Barbie
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Alt 09.03.2010, 22:47   Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern ! Beitrag #2
daggy
Weiter so!
 
Registriert seit: 25.09.2009
Schön, dass dein Pferd es geschafft hat.
Spannende Geschichte mit gutem Bauchgefühl deinerseits!

Dass Equi auf die Nieren geht, wusste ich allerdings und mir wird auch immer schlecht, wenn TÄ den Eigentümern von kranken Pferden mal eben 15 und mehr Beutelchen in die Hand drücken!

Bei deinem Benutzerbild habe ich mich eben gefragt, wer da wem die Möhre klaut...

daggy
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Alt 12.03.2010, 16:04   Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern ! Beitrag #3
Barbie
Jährling
 Threadersteller 
 
Registriert seit: 08.10.2005
Ort: Bonn
Hallo daggy,

ich bin auch sehr froh, dass es meinem Kleinen wieder richtig gut geht. Ich habe große Angst um ihn gehabt.

In dem Beitrag geht es mir in erster Linie darum, den doch sehr unbekümmerten Einsatz dieser Entzündungshemmer zu hinterfragen. Es sollte immer eine Risiko-Nutzen-Abwägung sein und es gibt sicherlich viele Fälle, wo der Nutzen überwiegt. Das Risiko sollte man jedoch kennen und im Auge haben. Leider erhält man als Pferdebesitzer selten einen „Beipackzettel“ zu den vom Tierarzt verabreichten Arzneimitteln, leider klären die Tierärzte einen selten auf, sofern sie sich der möglichen Nebenwirkungen überhaupt selbst bewusst sind.

Ich kann mir gut vorstellen, dass ein Nierenversagen aufgrund nephrotoxischer Medikamente oft unerkannt bleibt, da eine andere Krankheit, die die Ursache für die Medikamentengabe war, regelmäßig im Vordergrund der Behandlung steht und der dann die recht unspezifischen Symptome des Nierenversagens gerne zugeschrieben werden.

Deshalb würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Pferdebesitzer den Beitrag lesen. Vielleicht ist es dem einen oder anderen doch einmal nützlich und er kann in derselben Situation wie ich noch schneller handeln und seinem Pferd das Leben retten.

P.S. Wer da auf meinem Benutzerbild wem die Möhre klaut, möchte ich auch gerne wissen...

Viele Grüße
Barbie
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Alt 27.05.2010, 14:28   Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern ! Beitrag #4
IloveMyShetty
Shettybändigerin
 
Registriert seit: 04.03.2010
Bilder: 2
meine geht lahm weil sie sich im zaun verhedert hat ( was mir erst gestern aufgefallen ist) . jedenfalls war uns schon von vornherein klar dass das keine hufrehe sind, sondern die lahmheit von weiter oben kommt. gestern sah der tierarzt sich ihr hinterbein an, wir hatten also recht. nun soll ich ihr auch täglich einen beutel equipalazone zufüttern. hoffe sie bekommt nicht solche nebenwirkungen
das macht sie so schon voll fertig nicht geritten werden zu können, noch irgendwas blödes wäre nicht nur ******* für mich.

lg.
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Alt 27.05.2010, 14:37   Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern ! Beitrag #5
Mrs.Schimmel
*IceIcePinguin*
 
Registriert seit: 05.05.2006
Ort: Herten/Recklinghausen
Bilder: 32
Blog-Einträge: 1
Mein Pferd hat auch Equip. bekommen, man wusste nicht mehr weiter und zu dem Zeitpunkt war er schon mehrere Wochen krank. Durch die Equip. (zusätzlich hat er aber auch noch Cortison bekommen) und den vielen anderen Mittelchen hat er einen ähnlichen Krankheitsverlauf gezeigt wie dein Pferd, er ließ sich nicht mehr an den Ohren anfassen, war total neben der Spur und hat schlecht gefressen.
Leider weiß kein Mensch was genau gewesen ist, aber deutlich war, dass sich sein Zustand durch die Zugabe der Equip. verschlechtert hat, da er aber auch gleichzeitig eben Cortison bekommen hat kann man da leider auch nicht mehr differenzieren.

Und ja, mich erschreckt es auch wie leichtfertig mit Medikamenten gehandelt wird.
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Alt 27.05.2010, 14:50   Vorsicht mit Equipalazone, Finadyne und anderen Entzündungshemmern ! Beitrag #6
IloveMyShetty
Shettybändigerin
 
Registriert seit: 04.03.2010
Bilder: 2
das problem ist halt, sie hat weder ein dickes bein, oder ein heißes. sie entlastet es ständig. sogar im trab läuft sie besser als im schritt, stellte sich bei der lahmheitsprobe heraus. der tierartzt meinte gestern auch, er wüsste nicht WO er röntgen solle, da nichts aüßerliches vorhanden ist. auser der lahmheit. nun werde ich es ihr halt füttern, ich vertraue meinem TA, was anderes bleibt mir eh kaum übrig.
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